Victoria Carl und Katharina Hennig haben olympisches Gold im Teamsprint gewonnen. Foto: Angelika Warmuth/dpa

Victoria Carl und Katharina Hennig haben olympisches Gold im Teamsprint gewonnen. Foto: Angelika Warmuth/dpa

Zhangjiakou 16.02.2022 Von Deutsche Presse-Agentur

Hennig und Carl holen Olympia-Gold im Langlauf-Teamsprint

Katharina Hennig schrie ihre Teamkollegin förmlich über die Ziellinie im Langlauf-Stadion in Zhangjiakou.

Dann blickte sie fast ungläubig auf die Ergebnisanzeige, um anschließend mit wenigen Schritten auf Victoria Carl zuzulaufen und mit ihr das Sensations-Gold im Teamsprint der Olympischen Winterspiele in China zu feiern.

Hennig: „Können es noch gar nicht richtig fassen“

In einem grandiosen Schlusssprint sicherte die 26 Jahre alte Carl dem deutschen Langlauf-Team den ersten Triumph seit dem Olympiasieg 2010 in Vancouver ebenfalls im Teamsprint durch Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad. Wie in China landeten auch damals die Paare aus Schweden und Russland auf dem Silber- und Bronze-Rang.

Auch lange nach dem Coup herrschte im deutschen Team Ungläubigkeit. „Ich bin voller Adrenalin. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich laufe herum wie Falschgeld“, sagte Carl. „Gefühlt sind wir im falschen Film. Wir können es noch gar nicht richtig fassen, was wir gemacht haben“, berichtete auch Katharina Hennig.

Bundestrainer Peter Schlickenrieder, der seinen 52. Geburtstag feierte, kämpfte im ARD-Interview mit den Tränen. „Das ist ein brutaler Traum. Ich muss mich ein bissel zusammenreißen. Wahrscheinlich realisiert man das erst in zehn oder 20 Jahren“, meinte der einstige Weltklasse-Läufer. „Ich glaube, ich könnte den ganzen Tag heulen.“

Für Hennig und Carl war es bereits jeweils das zweite Edelmetall bei den Spielen und der ganz große Triumph. Am vergangenen Samstag hatten sie gemeinsam mit Katherine Sauerbrey und Sofie Krehl Silber mit der Staffel gewonnen.

Carl ersetzt Hennig-Partnerin Sauerbrey

Für den Team-Sprint war eigentlich Sauerbrey vorgesehen. Sie fühle sich nicht hundertprozentig fit und habe sich aufgrund der hohen Belastungen in den vergangenen Tagen entschieden, auf den Wettkampf zu verzichten, teilte der Deutsche Skiverband wenige Stunden vor dem Wettkampf mit.

Die Ersatzfrau erwies sich als Glücksfall. Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen von um die minus 10 Grad konnten die beiden Deutschen im Finale von Beginn an das Tempo der Spitzenduos mitgehen. Beim letzten Wechsel führte Hennig knapp vor Finnland und den USA, als sie auf Carl übergab. Und die Schlussläuferin besiegte die Favoritinnen.

„Ich habe vorher noch zur Katha gesagt: Auf der Zielgeraden zerstöre ich sie“, erzählte Carl. „Ich wusste, dass ich schieben kann, dass das meine Stärke ist. Gesagt, getan.“ Auch Schlickenrieder konnte vor allem ihre Vorstellung kaum fassen. „Wenn wir ins Finale kommen, ist das schon super“, habe er nach der Umstellung vorher gesagt. „Und dann macht die Vicky etwas, was sie noch nie gemacht hat.“

Sie habe schon in der Staffel taktisch ein Superrennen geliefert. Und jetzt zeige sie schon wieder „ein exzellentes Ding, was ihr keiner zugetraut hätte“, meinte der Coach. „Jetzt sagt man: Chapeau, wo kommt das her?“

Carl trug entscheidend zu den beiden großen und unerwarteten Medaillenerfolgen der deutschen Loipen-Asse bei diesen Winterspielen bei. 2018 in Pyeongchang waren die Langläuferinnen und Langläufer ohne Medaille geblieben, 2014 in Sotschi hatte es Bronze für die Frauen-Staffel mit Nicole Fessel, Stefanie Böhler, Claudia Nystad und Denise Herrmann gegeben.

Die Männer hatten im Teamsprint dagegen Pech. Albert Kuchler und Janosch Brugger schieden bereits im Halbfinale aus. Brugger verlor auf der letzten Runde einen Ski und hatte damit keine Chance mehr, in den Kampf um das Finale einzugreifen. Das konnte das deutsche Langlauf-Team an diesem Tag aber verschmerzen.

© dpa-infocom, dpa:220216-99-146830/7

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16. Februar 2022, 12:04 Uhr
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