09.09.2012 Von Matthias Brosch

Hennig verteilt Note eins an London

Paralympics: Der Nienburger erlebt die Spiele als Rollstuhlbasketball-Delegierter

Die Paralympics in London haben Georg Hennig begeistert. „Die Spiele sind perfekt organisiert, ich kann den Engländern nur die Note eins verteilen.“ Der Nienburger gehörte zur dreiköpfigen Rollstuhlbasketball-Delegation des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes (DRS) und kam deshalb zusammen mit seiner Frau Katja Hennig zusätzlich in Bereiche, die anderen Besuchern nicht offen standen. So erhielten die beiden eine Akkreditierung für das Deutsche Haus, in dem die Aktiven feierten und über gewonnene und verpasste Medaillen plauderten. „Das ist wie das Altstadtfest, aber nur in der zehnfachen Dimension – ein Geschiebe und Gedränge.“

„Schorse“ Hennig nahm lediglich repräsentative Aufgaben wahr, stand aber in Kontakt mit den Rollstuhlbasketballern, unter denen noch einige Weggefährten aus seiner aktiven (Bundesliga-)Zeit beim RSC Langenhagen und TKW Nienburg waren. Während die Frauen am Freitagabend das Finale gegen Australien gewannen und Gold holten, schieden die Herren im Viertelfinale gegen die USA aus. Beim vorherigen letzten, dramatischen Gruppenspiel gegen Polen weilte Georg Hennig in der Halle. „15 000 Zuschauer, das ist schon ein ganz anderes Brett“, berichtet der Nienburger, der in Deutschland bereits seit 1993 als Kommissionsleiter den Spielbetrieb organisiert und unter anderem für die Bundesliga zuständig ist.

Die Hennigs sahen sich aber nicht nur Rollstuhlbasketball-Wettkämpfe an, sondern erlebten auch die Atmosphäre bei den Leichtathleten im Stadion. „Da wurden die Sportler wie Stars gefeiert. Auch eine Läuferin, die fast eine Minute nach der Siegerin über den Zielstrich kam, bekam ihre Anerkennung“, freute sich Georg Hennig über das Publikum, das stets den Menschen und dessen Leistung in den Vordergrund hob. Auch die ausführliche Berichterstattung im Fernsehen und in den Tageszeitungen beeindruckte ihn sehr: „Da waren täglich die ersten fünf Seiten den Paralympics vorbehalten, voll mit Behinderten.“ Ihm selbst ging es als Rollstuhlfahrer im Alltag ebenfalls gut. „Ich konnte in jeden Bus – und an den Bahnsteigen standen fast immer zehn Helfer bereit.“

Seinen 50. Geburtstag am vergangenen Montag verbrachte Georg Hennig im Hotel recht unspektakulär, „ich habe diesen Tag noch nie derart nüchtern bei Cola und Saft verbracht“. Die große Feier folgte am gestrigen Sonnabend, als der querschnittsgelähmte Vorsitzende des TKW Nienburg mit 170 Gästen auf sein halbes Jahrhundert anstieß. „Schade, deshalb musste ich London früher verlassen, aber eine derartige Party muss ja vorbereitet sein.“

Matthias Brosch

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Erstellt:
9. September 2012, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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