Hannover 13.10.2018 Von Die Harke

Herbstmeister am grünen Tisch

Die Ringer der KG Salzgitter/Nienburg profitieren von einem Aufstellungsfehler der AFG Hannover

Der Auswärtskampf der KG Salzgitter/Nienburg beim AFG Hannover hielt alles das, was man sich von einem Derby und Spitzenkampf in der Landesliga im Ringen erwartet. Eine volle Halle mit temperamentvollem Publikum, Emotionen auf und neben der Matte und ein Kampfverlauf, der bis zur letzten Minute über die Herbstmeisterschaft entscheiden konnte. Am Ende entschied aber ein Aufstellungsfehler der AFG über den Sieg der KG. Vor dem Kampf gab es von den Trainern und Betreuern der KG wohl eine der längsten Kabinenansprachen für das junge Team. Jeder Ringer erhielt hier nochmal eine persönliche Marschroute für die jeweiligen Einzelkämpfe.

Den Anfang machte in der Klasse bis 57 Kilogramm (Freistil) für die Gäste Lasse Schuldt. Ihm stand auf Hannoveraner Seite mit Massud Khesraw einer der Trainer des Teams gegenüber. Khesraw legte für den Kampf extra an Gewicht zu, um seine Stärken im Freistil einzubringen.

Schuldt zeigt sich mit seinen 18 Jahren schon jetzt als ein ausgefuchster Mannschaftsringer. Mit einer ständigen Kontrolle über das Kampfgeschehen zermürbte er seinen Gegner durch seine Angriffe. In der letzten Kampfminute siegte er durch technische Überlegenheit.

Im Schwergewicht (Freistil) stellten der AFG, nicht überraschend, erstmals mit dem Bulgaren Denis Hasan ein erfahrenen Zweitligaringer ins Team. Der 17-jährige Lucas Gansi sollte den fast 30kg schwereren Hasan im Standkampf stellen. Das ging auch bis kurz vor dem Pausengong gut, bevor ein kleiner Fehler von Gansi am Ende durch die Routine von Hasan mit einer Schulterniederlage bestraft wurde.

Fouad Guendouzi (bis 61kg, griechisch-römisch) setzte sich mit 8:0 technischen Wertungen gegen den Gastgeber Askar Vagapov durch. Das sicherte der KG wichtige drei Mannschaftspunkte.

Als einen Schlüsselkampf des Abends machten die Trainer die Begegnung zwischen dem 17-jährigen Nienburger Anton Hochhalter und dem für Hannover startenden Gastringer Mohammed Jamshidi in der Klasse bis 98kg aus. Hochhalter bekam die Aufgabe über die Zeit zu gehen und einen Mannschaftspunkt zu retten. Das gelang ihm mit Bravour. Die 0:12-Punktniederlage ergaben nur drei Zähler auf das Mannschaftskonto von Hannover.

Nicht zu stoppen war wieder Islam Djabrailov ( bis 66kg, Freistil). Mit sehenswerten Aktionen punktete er seinen Gegner Hocine Brahim mit 18:1 technischen Wertungen in Runde zwei aus. Mit 11 zu 7 Mannschaftspunkten nach fünf Kämpfen ging man in die Pause.

Auf Seiten der KG hatte man auf etwas weniger Punkte für den AFG zur Halbzeit gehofft. Der Hannoveraner Imran Daurbekov (86 kg, Freistil) zeigte seine Dominanz in der Gewichtsklasse. Seine technische Überlegenheit musste Erwin Dalke (18 Jahre) in der zweiten Kampfminute anerkennen. Ajub Usmanov (bis 71kg, griechisch-römisch) fand nicht zu seinen Mitteln gegen Omid Khesraw. Ungewöhnlich viele einfache Fehler machten es dem AFG-Ringer zu leicht. Kurz vor Kampfende verlor er deutlich mit 4:22 Wertungen und ließ den AFG in der Teamwertung an dem Abend erstmals in Führung gehen.

Mit dem Moldauer Ion Plamadeala zauberte der AFG eine weitere Neuverpflichtung in der 80kg-Klasse aus dem Hut, der auf keiner Transferliste des DRB auftaucht. Plamadeala hatte in der vergangenen Saison noch einen Profivertrag beim ASV Nendingen und ist sicher eine Bereicherung für die Liga. Der Freistilspezialist bemühte sich im griechisch-römischen-Stil so gut er konnte, hatte aber mit David Litau einen der Punktelieferanten der KG Salzgitter/Nienburg vor sich. Der Hannoveraner kämpfte über weite Strecken passiv, wurde dafür verwarnt und am Ende durch eine Regelverletzung disqualifiziert. Damit stand es vor dem abschließen

den Kampf (bis 75kg, Freistil) zwischen Thomas Dyck und Massud Moemen 15:15. Der Kampfrichter fann etwas die nötige Ruhe und traf Entscheidungen, die nicht für alle in der Halle direkt nachzuvollziehen waren. Beide Ringer versuchten alles, um den Mannschaftserfolg zu sichern. Nach den letzten sechs Kampfminuten des Abends lag der Hannoveraner mit 18:4 Wertungen vorn und brachte den bis dahin geglaubten Mannschaftserfolg für die Heimmannschaft.

Sehr ausgelassen feierte das Team, der Wettkampftisch und die Zuschauer den vermeintlichen Triumph. Laut Protokoll des Kampfabends setzten der AFG gegen die bestehenden Regeln der Sportordnung einen ausländischen Sportler zu viel ein. Ein Fehler, den nicht nur Liganeulinge bereits schon mal begangen haben. Die KG legte noch in der Nacht Protest ein, dem stattgegeben wurde.

Daher wird der dritte und damit nicht startberechtigte Ausländer im Team aus der Ergebnisliste gestrichen, somit wurden Anton Hochhalter und der KG vier Mannschaftspunkte gutgeschrieben. Gegen den Entscheid könnte der AFG noch einen Widerspruch einlegen. Die KG geht aber davon aus, dass der Mannschaftskampf mit 19:15 für sie gewertet wird. Die Herbstmeisterschaft wurde somit über Umwege erreicht.

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Erstellt:
13. Oktober 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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