Über Türen und Weihnachten schreibt Stolzenaus Superintendentin Dr. Ingrid Goldhahn-Müller. Foto: Pixabay

Über Türen und Weihnachten schreibt Stolzenaus Superintendentin Dr. Ingrid Goldhahn-Müller. Foto: Pixabay

Landkreis 24.12.2019 Von Dr. Ingrid Goldhahn-Müller

Heut schließt er wieder auf die Tür...

Gedanken zum heiligen Abend von Stolzenaus Superintendentin Dr. Ingrid Goldhahn-Müller

Türen haben etwas Anziehendes. Einem Haus geben sie sein ganz besonderes Profil, seine Marke, seinen Glanz. Und wie schön, wenn viele Türen an diesen Festtagen liebevoll mit Tannengrün und Kränzen geschmückt sind und sich einladend für große und kleine Gäste öffnen.

Ein alter Choral von Nikolaus Herman aus dem 1560 erzählt davon, dass heute am Heiligen Abend aber nicht nur unsere Haustüren sich öffnen für unsere Familien, die wir zum Essen erwarten, sondern dass Gott selbst uns mit der Geburt seines Sohnes eine Tür aufschließt. Eine ganz einzigartige Tür: die Tür zum Himmelreich.

In vielen unserer Gottesdienste werden wir den Choral EG 27 „Lobt Gott ihr Christen alle gleich“ singen, dessen sechste Strophe lautet: „Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis/der Cherub steht nicht mehr dafür/ Gott sei Lob, Ehr und Preis!“

Die alten Worte erinnern uns an den Anfang der Bibel, als Adam und Eva nach Sünde und Schuld des Paradieses verwiesen werden und Gott vor dem Garten Eden die Cherubim, die Engel mit dem flammenden, blitzenden Schwert aufstellte‚ „zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens“.

Lüge und Schuld hatten den unmittelbaren Zugang von uns Menschen zu Gott verschlossen. Und auch jenseits von Eden gab und gibt es so viel an Eigennutz und fehlendem Vertrauen, an Hass und von Menschen verursachtem Leid, das uns von Gott und voneinander trennt. Aus eigener Kraft können wir die beschädigte Beziehung zwischen Gott und uns nicht mehr „kitten“.

Aber dann setzt Gott selbst zu Weihnachten den neuen Anfang. Gott sei Dank! Begibt sich als Kind herab in diese von Dunkelheit und Korruption zerrissene Welt. Wird mit der Geburt im Stall und mit seinem Leiden und Sterben auf Golgatha ganz einer von uns.

Heute und an den Festtagen feiern wir, dass Gott selbst uns die Tür öffnet, die so lange verschlossen war. Und das bedeutet ja nichts weniger als: Der Zugang zu Gott ist wieder frei.

Es gibt keine unüberbrückbaren Mauern mehr zwischen Ihm und mir. Gott ist nicht mehr unerreichbar für mich, sondern als geliebtes Kind kann ich mich mit Bitte und Klage an ihn wenden, und er wird es hören.

Fast eintausendfünfhundert Jahre bevor Nikolaus Herman seinen Weihnachtschoral von der aufgeschlossenen Tür schrieb, hieß es übrigens bereits in der Offenbarung des Johannes (3,8): „Christus spricht: Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, und niemand kann sie zuschließen.“

Was für ein Trost für alle, die sich nach Gottes Liebe, Vergebung und Neuanfang sehnen! Was für ein großartiges Versprechen und Weihnachtsgeschenk!

Deshalb: Von Herzen frohe Festtage!

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Erstellt:
24. Dezember 2019, 07:10 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 22sec

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