Petra Falldorf absolviert die Ausbildung zur Fleischereifachverkäuferin – mit 52 Jahren. Fotos: Arbeitsagentur

Petra Falldorf absolviert die Ausbildung zur Fleischereifachverkäuferin – mit 52 Jahren. Fotos: Arbeitsagentur

Nienburg 16.04.2021 Von Die Harke

Hier schlummern Chancen für Betriebe

Jetzt das Personal fortbilden – die Agentur für Arbeit und das Jobcenter helfen weiter

Jetzt nachholen, was früher versäumt wurde und in Zukunft dringend benötigt wird: Fachwissen und Qualifikationen. Die Arbeitsagentur und das Jobcenter helfen mit Beratung und finanzieller Förderung aus der aktuellen Krise als Sieger hervorzugehen.

Die Arbeitsagentur und das Jobcenter weisen in einer Pressemitteilung auf Beratungs- und finanzielle Fördermöglichkeiten hin. Darin heißt es: „Der Job könnte besser nicht sein: Laster fahren. Immer nur im regionalen Umkreis; also abends immer auf dem eigenen Sofa die Füße hochlegen; im Bauch eine echt spannende Ladung: die komplette Ausrüstung für Konzerte. Eine Arbeit mit Rock’n’Roll-Flair. ,Aber leider haben wir trotz intensiver Suche keinen Berufskraftfahrer gefunden’, sagt Jan Gutjahr.“ Gutjahr arbeite als Projektleiter für den mks-Veranstaltungsservice in Nienburg und pendele zwischen Hannover und Hamburg mit allen Gerätschaften, um große Veranstaltungen über die Bühne zu bringen. Einen Fahrer für den großen Sattelzug brauche er, aber keiner wolle hinters Steuer.

Projektleiter Jan Gutjahr freut sich, dass die Arbeitsagentur solche Möglichkeiten bietet. Foto: Arbeitsagentur

Projektleiter Jan Gutjahr freut sich, dass die Arbeitsagentur solche Möglichkeiten bietet. Foto: Arbeitsagentur

„Das ist tatsächlich unglaublich“, sagt Ralf Cordes, der in der Nienburger Arbeitsagentur die Logistiker betreut. „Viele Kandidaten hätten einen Führerschein gehabt, aber den meisten fehlte irgendwie die Motivation.“ Cordes hatte einen anderen Weg für Gutjahr gefunden: die eigenen Mitarbeiter zu qualifizieren, mit finanzieller Unterstützung der Agentur für Arbeit.

„Auf die Idee wären wir tatsächlich selbst kaum gekommen“, sagt Gutjahr. Aufgrund der wirtschaftlichen Krise hätten die mks-Mitarbeiter aktuell Zeit. Diese nutzten sie für ihre Weiterbildung: Die Agentur biete dem Unternehmen Zuschüsse zum Lkw-Führerschein, je nach Betriebsgröße könnten die Kosten auch komplett übernommen werden. Gutjahr: „Wir werden demnächst wieder gut zutunbekommen, spätestens dann brauchen wir auch mehr Personal. Aber wir müssen uns wohl tatsächlich mit dem Gedanken anfreunden, unsere eigenen Mitarbeiter stärker zu qualifizieren, weil der Markt weniger bietet, als wir benötigen. Das fängt schon bei Bewerbern für Ausbildungsplätze an.“

Auch die Fleischerei Twachtmann aus Nienburg setze auf die Qualitäten des eigenen Personals: Petra Falldorf gehe jetzt wieder zur Berufsschule, sitze da zwischen Jugendlichen, die fast ihre Kinder sein könnten und fühet sich pudelwohl – angekommen im wahren Leben. „Dass ich mit meinen 52 Jahren noch lerne, nötigt den jungen Leuten richtig Respekt ab“, sagt sie. Die Nienburgerin habe vor einigen Monaten angefangen, ihre Ausbildung zur Fachverkäuferin in der Fleischerei nachzuholen und das, was sie vorher immer schon mal gemacht habe, mit einer Qualifikation zu veredeln, beziehungsweise zu beweisen, was in ihr steckt. Möglich werde das mittels des Qualifizierungschancengesetzes, das vielen Menschen Förderungen für berufliche Qualifikationen auf Kosten der Bundesagentur für Arbeit ermögliche.

„Leider nehmen das noch zu wenig Arbeitgeber richtig ernst“, sagt der Nienburger Arbeitsvermittler Ralf Cordes, der die Qualifikationen für Gutjahr und Falldorf bearbeitet. „Hier schlummern noch echte Chancen für die Betriebe“, sagt er. Gerade die aktuelle Situation mit reduzierter Auftragslage würde seiner Meinung nach geradezu zur Weiterbildung einladen. Die Zeit sei ja da. Je kleiner ein Betrieb sei, desto höher der Zuschuss zur beruflichen Bildung für den einzelnen Arbeitnehmer. Das seihervorragendes Instrument für die Personalentwicklung und die Sicherung des Fachkräftebedarfs und darüber hinaus ein deutliches Zeichen, wie sehr die eigenen Mitarbeiter geschätzt werden.

Das sehe auch Petra Falldorf so: „Ich habe lange nach so einer Chance wie dieser gesucht, aber mich auch nach meinen eigenen Möglichkeiten weitergebildet, beispielsweise mit Word, Excel und moderner Kommunikationstechnik. Jetzt, wo der Unterricht hauptsächlich online läuft, bin ich auf der Höhe der Zeit und kann für mich eine neue Tür aufstoßen.“

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Erstellt:
16. April 2021, 08:20 Uhr
Lesedauer:
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