„Genug ist genug“: Sven Kühtz erläutert, warum sich das CJD um die Trägerschaft für die neue Beratungsstelle für die Opfer von rechtem Hass beworben hat.  Foto: Hagebölling

„Genug ist genug“: Sven Kühtz erläutert, warum sich das CJD um die Trägerschaft für die neue Beratungsstelle für die Opfer von rechtem Hass beworben hat. Foto: Hagebölling

Nienburg 27.09.2020 Von Edda Hagebölling

Hilfe für Opfer von rechtem Hass

„Genug ist genug“: Neue Beratungsstelle beim CJD Nienburg

In Mecklenburg-Vorpommern kennt man sie seit rund zehn Jahren, jetzt gibt es sie auch in Nienburg: eine Beratungsstelle für die Opfer von rechtem Hass.

Das CJD hatte sich um die Trägerschaft für eines von niedersachsenweit drei Regionalbüros beworben. „Die Ausrichtung dieses Angebots entspricht genau dem CJD-Leitgedanken: respektvoll und wertschätzend miteinander umzugehen“, so Sven Kühtz, Leiter des Jugendmigrationsdienstes (JMD) beim CJD.

Das Konzept des CJD hat überzeugt: Unter dem Titel „Genug ist genug – Betroffenenberatung für die Region Niedersachsen Nord-Ost“ kümmern sich ab sofort zwei Mitarbeitende des CJD, die sich die neue Stelle teilen, um Menschen, die Opfer von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt geworden sind. Zuständig sind die zwei für insgesamt 13 Landkreise. Die beiden anderen niedersächsischen Beratungsstellen sind in Osnabrück und Hildesheim. Finanziert wird „Genug ist genug“ aus dem Programm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Genug ist genug: das CJD in Nienburg ist Träger einer von niedersachsenweit drei Beratungsstellen für die Opfer von rechtem Hass.  Grafik: CJD

Genug ist genug: das CJD in Nienburg ist Träger einer von niedersachsenweit drei Beratungsstellen für die Opfer von rechtem Hass. Grafik: CJD

Die beiden Mitarbeitenden selbst sind gehalten, nicht persönlich mit Namen und Foto in der Zeitung zu erscheinen. Zu ihrem eigenen Schutz. Sven Kühtz als ihr zuständiger Abteilungsleiter betont, dass er das einerseits natürlich versteht, anderseits werde es jedoch auch im Landkreis Nienburg immer wichtiger, Haltung zu zeigen. „Faschistentum ist keine Meinung und darum zu null Prozent tolerierbar. Worte schaffen Realitäten, doch leider distanzieren wir uns viel zu wenig von dem menschenverachtenden Vokabular“, so der Leiter des JMD.

In den Augen von Sven Kühtz ist die neue Beratungsstelle eine sinnvolle Ergänzung zu der Arbeit von WABE, dem ebenfalls aus Bundesmitteln finanzierten Bündnis für Demokratie und Zivilcourage für die Landkreise Nienburg und Verden. Doch im Gegensatz zu „Genug ist genug“ arbeitet WABE präventiv. Mit seiner mobilen Beratung ist das Weser-Aller-Bündnis regionaler Ansprechpartner für Einzelpersonen, Gruppen, Initiativen, Vereine, Firmen und andere Institutionen, die fachliche Unterstützung in der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Formen von Rechtsextremismus benötigen.

Das Team von „Genug ist genug“ dagegen geht auf die Menschen zu, die Opfer von Brandanschlägen, körperlicher Gewalt, Hakenkreuzschmierereien und vielem mehr geworden sind. Sie vermitteln Kontakte zur Polizei, zu Anwälten, zu Psychologen oder sensibilisieren die Öffentlichkeit. „Nicht alle Opfer wenden sich von sich aus an die Polizei“, so das Genug-ist-genug-Team.

Der Folgeantrag für 2021 ist bereits gestellt.

Zu erreichen ist die Beratungsstelle „Genug ist genug“ beim CJD in Nienburg unter Telefon (0 50 21) 97 11 11 oder per E-Mail unter betroffenenberatung.nds.nordost@cjd.de. Internet: cjd-nienburg.de.

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Erstellt:
27. September 2020, 05:45 Uhr
Lesedauer:
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