Großes Moor mit großer Weite: Zwischen Warmsen, Uchte, Essern und der Landkreisgrenze zu Diepholz liegen 5.660 Hektar Hochmoor. Foto: HARKE-Archiv

Großes Moor mit großer Weite: Zwischen Warmsen, Uchte, Essern und der Landkreisgrenze zu Diepholz liegen 5.660 Hektar Hochmoor. Foto: HARKE-Archiv

Samtgemeinde Uchte 16.07.2021 Von Annika Büsching

Historischer Freitag: Das Große Moor bei Uchte

Seit 2005 dank „Moora“ berühmt / Das Große Moor ist Lebensraum, Arbeitsplatz und Naherholungsgebiet – und Heimat der bekannten Moorleiche

Es ist einfach da, seit Jahrtausenden schon. Wer mit Torfringeln groß wird, vergisst dabei manchmal, wie einzigartig das Große Moor eigentlich ist. Es ist Jahrtausende alter Lebensraum von Tieren und Pflanzen, dient Menschen seit Jahrzehnten als Arbeitsplatz, ist heute vor allem Naturschutz- und Naherholungsgebiet. Seit dem Sensationsfund von „Moora“, der ältesten Moorleiche Nordwestdeutschlands, vermarktet die Samtgemeinde das Hochmoor zwischen Uchte, Warmsen und Essern touristisch.

Mehr als 5.660 Hektar umfasst das Große Moor, seit 2007 sind 3.300 Hektar Naturschutzgebiet. Die Menschen in diesen Gemeinden leben seit Jahrhunderten neben und von dem Moor und nutzen es zu ihrem Vorteil. Noch heute bietet es Acker- und Weidelandflächen. Früher zog die bäuerliche Bevölkerung mit Pferd und Wagen ins Moor, um mit der Hand Torf zu stechen. War das Moor ob seiner Weite zunächst für alle da, gab es um 1900 Bestrebungen, die Besitzverhältnisse amtlich klären zu lassen.

150 Jahre DIE HARKE: Das große Moor

Das Große Moor bei Uchte ist einzigartig: Es ist Jahrtausende alter Lebensraum von Tieren und Pflanzen, bot Menschen über Jahrzehnte einen Arbeitsplatz, ist heute vor allem Naturschutz- und Naherholungsgebiet. Seit dem Sensationsfund der Moorleiche „Moora“ vermarktet die Samtgemeinde Uchte das Hochmoor touristisch.

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150 Jahre DIE HARKE: Das große Moor
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© Archiv

150 Jahre DIE HARKE: Das große Moor
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150 Jahre DIE HARKE: Das große Moor
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150 Jahre DIE HARKE: Das große Moor
150 Jahre DIE HARKE: Das große Moor

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Diese Idee hatte Gegner und Befürworter, nach ausführlicher Auseinandersetzung setzten sich Letztere schließlich durch. 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, erfolgte die Generalteilung des Uchter Moores. Nach Abzug von Flächen für den Fiskus wurde unter 76 Interessenten geteilt. Die größten Flächen erhielten Uchte (323 Hektar), Bahrenborstel (300), Warmsen (252), Ströhen (203) Lohe (184), Hoysinghausen (180) und Kuppendorf (176).

Spezialteilung des Moores

1929 gab es einen weiteren Teilungsprozess: die Spezialteilung des Moores. In Unterlagen des Uchter Archivs heißt es dazu: „Die den Gemeinden zugewiesenen Flächen wurden parzelliert und den einzelnen Hofstellen nach dem Verhältnis der Grundsteuermutterrolle zugeteilt.“ Einige Flächen blieben demnach in Eigentum von Interessengemeinschaften und Realverbänden, von denen sich viele im Zuge des Realverbandsgesetzes von 1969 auflösten. Ihr Vermögen fiel dann an die Gemeinde. Einige dieser Verbände bestehen noch heute, beispielsweise in Warmsen.

Der industrielle Torfstich im Großen Moor begann um 1920 und erfolgte zunächst noch per Hand. Foto: Archiv Samtgemeinde Uchte

Der industrielle Torfstich im Großen Moor begann um 1920 und erfolgte zunächst noch per Hand. Foto: Archiv Samtgemeinde Uchte

Um 1920 begann im Großen Moor der industrielle Torfabbau. Auch in größeren Dimensionen erfolgte der Abbau zunächst und noch bis etwa 1931 noch per Hand: „Zuerst musste die obere Weißtorfschicht mit der darauf wachsenden Pflanzendecke entfernt werden, um an den gut brennbaren Schwarztorf metertief darunter heranzukommen. Dies war eine beschwerliche Arbeit: Inmitten von Schwärmen blutsaugender Insekten stand man im kalten Wasser und war oft der sengenden Sonne einer schattenlosen Landschaft ausgesetzt.

Der bäuerlichen Bevölkerung diente Torf als Brennstoff. Foto: Archiv Samtgemeinde Uchte

Der bäuerlichen Bevölkerung diente Torf als Brennstoff. Foto: Archiv Samtgemeinde Uchte

Der Tagesakkord eines Arbeiters lag bei ca. 20 Kubikmetern. Das entspricht einer bewegten Masse von 17 Tonnen!“, ist in der Info-Broschüre „Moormemento“ der Samtgemeinde Uchte zu lesen. Tiefe Entwässerungsanlagen wurden angelegt, um den Rohstoff zu gewinnen. Sie prägen das Landschaftsbild im Moor noch heute. Die gewonnen Torfstücke, die Soden, wurden zum Trocknen zu sogenannten Ringeln gestapelt und mehrfach umgeschichtet.

Nur noch zwei Torfwerke aktiv

Von einst vier Torfwerken sind heute noch zwei Unternehmen aktiv. Mit Fräs- oder Sodenstechverfahren geht der Torfabbau heute weitaus schneller voran. Mit einem Ende der industriellen Nutzung des Großen Moores ist nicht vor 2030 zu rechnen. Der Rohstoff Torf ist endlich, jährlich „wächst“ er nur etwa einen Millimeter. Die Bedeutung der CO2-speichernden Moore für den Klimaschutz ist groß. Deshalb werden die Entwässerungsgräben im Anschluss an die Abtorfung verschlossen und die Flächen mithilfe von Regenwasser allmählich wiedervernässt.

Anfang der Nullerjahre markierte eine archäologische Sensation einen Wendepunkt in der touristischen Ausrichtung der Samtgemeinde Uchte: 2000 entdeckte der Hauskämper August Reckweg, der von 1961 bis 2001 in den Diensten des Torfwerks Warmsen wie auch des Torf- und Humuswerks Uchte stand, bei Arbeiten mit der Torfstichmaschine Teile eines menschlichen Skeletts.

Bei Torfstecharbeiten stießen Arbeiter 2005 auf eine vollständig erhaltene Hand. Sie gehört zu „Moora“, der ältesten Moorleiche Niedersachsens. Foto: HARKE-Archiv

Bei Torfstecharbeiten stießen Arbeiter 2005 auf eine vollständig erhaltene Hand. Sie gehört zu „Moora“, der ältesten Moorleiche Niedersachsens. Foto: HARKE-Archiv

Die Polizei ging zunächst von einem Kapitalverbrechen aus, doch die Ermittlungen gerieten ins Stocken. Nichts deutete zu diesem Zeitpunkt darauf hin, dass der Fund außergewöhnlichen Ausmaßes war. Das änderte sich erst 2005, als abermals bei Torfsticharbeiten und an selber Stelle eine vollständig erhaltene rechte Hand an die Erdoberfläche gelangte.

Wissenschaftler ordneten diese den zuvor gefundenen Knochenfragmenten zu und stellten schon bald die älteste Moorleiche Nordwestdeutschlands vor: „Das Mädchen aus dem Uchter Moor“, rund 2650 Jahre alt, bescherte der Samtgemeinde Uchte bundesweite Publizität. Es war der erste Fund einer Moorleiche von großer archaölogischer Bedeutung seit 50 Jahren in Niedersachsen. Hiesige wünschten sich einen Namen mit lokalem Bezug, „Uchtilde“ oder „Uchtine“, was sich nicht durchsetzen sollte: Heute ist „Moora“ überregional bekannt. Sie wurde eingelagert und wird vom Landesamt für Denkmalpflege konservatorisch betreut.

Moorbahn nimmt 2006 Betrieb auf

Die Samtgemeinde Uchte wusste den Sensationsfund zu nutzen. Fördermittel von EU, Bund, Land und anderer Stelle gaben den nötigen Auftrieb. 2006 nahm die Moorbahn den Betrieb auf. Auf einem 9,5 Kilometer langen Rundweg fahren ehrenamtliche Eisenbahner Besucher seither an verschiedenen Info-Stationen vorbei durch das Große Moor. Start ist am „Tor zum Moor“ in Essern. Im Info-Zentrum erfahren Besucher alles über das Große Moor, zum Torfabbau und zu „Moora“. Im Zuge der touristischen Aufwertung wurden auch die Aussichtsplattform in Darlaten und der Beobachtungsturm in Warmsen gebaut.

Seit 2006 fährt die Moorbahn Besucher durchs Moor. Mit 9,5 Kilometern verfügt sie über das längste Streckennetz ähnlicher Bahnen in Niedersachsen. Foto: HARKE-Archiv

Seit 2006 fährt die Moorbahn Besucher durchs Moor. Mit 9,5 Kilometern verfügt sie über das längste Streckennetz ähnlicher Bahnen in Niedersachsen. Foto: HARKE-Archiv

Der Moorerlebnispfad dient heute nicht nur als Attraktion und Anlaufpunkt, sondern soll die Besucherströme in geordnete Bahnen lenken, um den empfindlichen Lebensraum zu schützen. Denn ob einheimisch oder zu Gast in Essern, Warmsen oder Uchte: Das Große Moor fasziniert.

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Erstellt:
16. Juli 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 36sec

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