Die „Steyerberger Mühlentänzer“ hatten beim Mühlenfest 2011 ihre viel beachtete Premiere. Foto: Schröter

Die „Steyerberger Mühlentänzer“ hatten beim Mühlenfest 2011 ihre viel beachtete Premiere. Foto: Schröter

Steyerberg 28.10.2021 Von Jörn Graue

Historischer Freitag: 90 Jahre Heimatverein Steyerberg

Sanierung der Mühle als Geniestreich / Ortsbild geprägt und Veranstaltungen auf die Beine gestellt

Der Steyerberger Heimatverein hat schon an vielen Stellen im Ort seine Handschrift hinterlassen. Ob die Pflege von Pfarrbusch und Märchenwald oder die Sanierung der Meyersiek’schen Mühle zu einem Museum und Veranstaltungsort: Ohne den Einsatz der aktuell rund 350 engagierten Frauen und Männer wäre der Ortsteil ein anderer. In diesem Jahr besteht der Heimatverein Steyerberg seit 90 Jahren. Ein Rückblick mit amtierenden und vorangegangenen Vertretern aus den Vorständen auf einzelne Meilensteine in der Entwicklung.

„Da 90 Jahre kein echtes Jubiläum sind, war auch unabhängig von der Corona-Pandemie keine Feierlichkeit geplant“, sagt Heinrich Hemker, der dem Verein von 2007 bis Juli 2021 vorstand. Seit mittlerweile eineinhalb Jahren hat es keine Veranstaltung mehr in der Mühle gegeben.

Nach der feierlichen Eröffnung im Frühjahr 2006 hat der Heimatverein stets auf wechselnde Veranstaltungsformate gesetzt. Die regelmäßige Konstante boten immer der legendäre Mühlenkaffee sowie die von den Heimatvereinsfrauen selbstgebackenen Torten und Kuchen.

Als Programm gab es dann in den zurückliegenden Jahren beispielsweise Waschtage wie zu Großmutters Zeiten, hautnahe Einblicke in das Klöppelhandwerk, diverse musikalische Auftritte, Darbietungen der Kindertanzgruppe „Tanzmäuse“ vom TuS oder die Neujahrsempfänge vom Flecken Steyerberg unter der 2009 sanierten Remise.

Waschen wie zu Großmutters Zeiten präsentierten Karla Bordel, Minna Hamann und Gabi Mahler (von links) auf dem Mühlenareal im Jahr 2009. Foto: Schröter

Waschen wie zu Großmutters Zeiten präsentierten Karla Bordel, Minna Hamann und Gabi Mahler (von links) auf dem Mühlenareal im Jahr 2009. Foto: Schröter

Pachtvertrag für Mühle im Jahr 2002 geschlossen

Er sei sehr stolz, dass es mit der Meyersiek’schen Mühle geklappt hat, sagt Helmut Kollhorst, der von 1990 bis 2006 Vorsitzender des Heimatvereins war. In seine Amtszeit fiel der Abschluss des Pachtvertrages für das historische Gebäude mit dem Eigentümer Fritz Meyersiek im Jahr 2002. Ziel sei es laut Kollhorst gewesen, die Mühle für Veranstaltungen herzurichten und als Museum zu nutzen. Der damalige Bürgermeister Gerd Linderkamp sei von der Idee angetan gewesen, blickte Heinrich Hemker zurück. Der damalige Bauamtsleiter Walter Busse hätte sich sehr engagiert, um öffentliche Fördergelder für die aufwändige Sanierung einzuwerben.

2002 begannen die Sanierungsarbeiten an der Meyersiek’schen Mühle. Foto: Schröter

2002 begannen die Sanierungsarbeiten an der Meyersiek’schen Mühle. Foto: Schröter

Viele der Arbeiten wuppte der Heimatverein in Eigenregie und das stets als Teamleistung. „Von zu Hause hatte ich damals einen Verweis, dass ich ein Bett in die Mühle mitnehmen sollte“, erinnert sich Heinz Winkler heute schmunzelnd an die Hochphase des Bauprojektes zurück.

Als sinnvoll hatte sich damals der Rat eines Experten erwiesen, auch eine Heizung einzubauen. 500.000 Euro waren seinerzeit in die Mühle geflossen und zur offiziellen Eröffnung im Juni 2006 hatte der damalige niedersächsische Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen in Steyerberg vorbeigeschaut.

2011 feierten die „Steyerberger Mühlentänzer“ Premiere

Schnell hatte sich das renovierte Bauwerk bei regelmäßigen Öffnungstagen mitsamt Begleitprogramm als Publikumsmagnet erwiesen. Auf stets großes Interesse stießen etwa die 2011 aus dem Verein gegründeten „Steyerberger Mühlentänzer“ mit ihren schwungvollen Darbietungen.

Hinzu kamen die Bestrebungen von unterschiedlichen Akteuren, die gesamte Jacobi-Insel mit dem Amtshof-Gelände einzubeziehen. Eines der jüngeren Beispiele: der unter der Regie von Gewerbe- und Verkehrsverein und Flecken veranstaltete Weihnachtsmarkt.

Kaffee und Kuchen in der liebevoll restaurierten Mühle – hier bei einem plattdeutschen Nachmittag im Jahr 2016 – ziehen stets viele Menschen an. Foto: Schröter

Kaffee und Kuchen in der liebevoll restaurierten Mühle – hier bei einem plattdeutschen Nachmittag im Jahr 2016 – ziehen stets viele Menschen an. Foto: Schröter

Der Heimatverein Steyerberg ist allerdings längst nicht nur als Organisator von oder Mitwirkender bei der Ausrichtung von Veranstaltungen aktiv. In bemerkenswerter Anzahl und auf unterschiedliche Weise tragen die Aktiven seit jeher zur Gestaltung des Ortsbildes bei. „1958 wurde die Klappermühle“ in der Beeke gebaut“, blickt Ex-Vorsitzender Kollhorst zurück. Jenes Geräusch, das der Mühle seinen Namen gibt, dürfte Generationen von Grundschul- und Kindergartenkindern durch die Streifzüge durch den Pfarrbusch in Erinnerung sein.

„Die Häuser habe ich damals daheim aus Beton gebaut.“

Helmut Kollhorst, Vorsitzender von 1990 bis 2006, über die
Entstehung des Märchenwaldes

Der frühere Schulassistent Kollhorst war es, der seinerzeit noch als „einfaches“ Vereinsmitglied ab 1971 sukzessive den Märchenwald aufbaute. „Damals las ich in der Zeitung, dass es in Melle einen Märchenwald gibt“, blickt er zurück. Nach einem Ausflug dorthin stand dann fest, so etwas auch im heimischen Steyerberg aufbauen zu wollen.

„Die Häuser habe ich damals daheim aus Beton gebaut, das erste war Schneewittchen“, sagt Kollhorst. Die Märchenfiguren hätte man damals in einem Geschäft in Nienburg kaufen können. Mit Blick auf das Jahr 1971 feiert damit der Märchenwald in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Aktuell obliegt Chronist Werner Schröter mit Ehefrau Helga die Pflege der kleinen Häuser und der Wege drumherum.

Vor der Gründung gab es die Arbeitsgruppen Pfarrbusch und Brunnenberg

Hervorgegangen war der Verein gemäß Protokoll einst aus den bereits bestehenden Arbeitsgruppen Pfarrbusch und Brunnenberg, die für die Verschönerung von Steyerberg zuständig gewesen waren. Aus der Taufe gehoben worden ist der Verein 1931 im damaligen Gasthaus Meyersiek. Erster Vorsitzender war Polizist Wilhelm Wagner. „Leider wurde damals versäumt, ein Protokoll zu schreiben“, erklärte Heinrich Hemker. In der Folge hätten dann mehrere Mitglieder am 31. Mai 1932 eine neue Versammlung im Gasthaus Mestmacher einberufen. Bereits 1933 hatte der Verein 111 Mitglieder.

Ort der Gründung im früheren Gasthaus Meyersiek im Jahr 1931. Repro: Schröter

Ort der Gründung im früheren Gasthaus Meyersiek im Jahr 1931. Repro: Schröter

In den Anfangsjahren entstanden im Pfarrbusch die Wanderwege und der Pavillon sowie der noch immer erhaltene Springbrunnen in der heutigen Verlängerung der Friesländer Straße. „Der Pavillon wurde einst im japanischen Stil errichtet“, sagt Chronist Schröter. Noch heute ist das Gebäude ein willkommener Anlaufpunkt für Spaziergänger.

Probleme mit einem infolge von Wasserknappheit trocken gefallenen oder erheblich gesunkenem Wasserstand des Langhorst-Kuhlengrabens, der unter anderem durch den Pfarrbusch fließt, und im Volksmund als Beeke bekannt ist, gab es schon 1968. Damals war der Sarninghäuser Meerbach begradigt worden. Als Folge verlor der Kuhlengraben an Zuflüssen, so dass der Wasserstand sank. In der Folge hatten Heimatfreunde den Meerbach mit Schotter aufgestaut – sehr zum Missfallen des Landkreises.

„Familienfreundlichkeit soll im Heimatverein gelebt werden.“

Rolf Lausecker, Vorsitzender seit August 2021

In dem Jahr brachte der Heimatverein zusammen mit dem Flecken auch die erste Wanderkarte heraus. Die Schutzgebühr betrug 30 Pfennig“, erläutert Helmut Kollhorst. Dem Schutz von Tieren hat sich der Verein seit den 1970er-Jahren verschrieben. Damals begannen die Aktiven mit dem Bau und dem Aufhängen von Nistkästen. „Heute sind es knapp 350, fast für jedes Mitglied einer“, sagt Schröter. Federführend ist der amtierende Vogelwart Helmut Brümmer.

Ort der Gründung im früheren Gasthaus Meyersiek im Jahr 1931. Repro: Schröter

Ort der Gründung im früheren Gasthaus Meyersiek im Jahr 1931. Repro: Schröter

Neue Veranstaltungsformate in Planung

Bei Veranstaltungen an der restaurierten Wassermühle setzt der Verein darauf, ein möglichst breites Publikum anzusprechen. Denkbar sind aus Sicht von Rolf Lausecker, der im Juli den Vereinsvorsitz von Heinrich Hemker übernommen hat, etwa ein plattdeutscher Abend oder ein Konzert unter dem Schlagwort „Aue-Beat“. „Ich habe großen Respekt vor der Arbeit von den Aktiven des Heimatvereins“, betont er. Der Verein müsse auch für Jüngere interessant gemacht werden. Familienfreundlichkeit sollte im Heimatverein gelebt werden“, sagt er.

Zum Artikel

Erstellt:
28. Oktober 2021, 16:55 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 14sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.