Im vierten Teil des „Historischen Freitags“ geht es um eine vermeintliche UFO-Sichtung im Landkreis. Foto: Jürgen Fälchle - stock.adobe.com

Im vierten Teil des „Historischen Freitags“ geht es um eine vermeintliche UFO-Sichtung im Landkreis. Foto: Jürgen Fälchle - stock.adobe.com

Landkreis 18.02.2021 Von Mara Kakoschke, Von Helge Nußbaum

„Historischer Freitag“: Als ein UFO im Landkreis landete

Unbekanntes Flugobjekt stürzte in der Silvesternacht 1978 in Bruchhagen bei Steyerberg ab

Brachte der Winter 1978/79 nicht nur die Schneekatastrophe nach Norddeutschland und Nienburg, sondern auch Außerirdische? Im vierten „Historischen Freitag“ wird es mysteriös, denn vor etwas mehr als 42 Jahren berichtete DIE HARKE über einen spektakulären Fall von UFO-Sichtungen im Landkreis. Am Silvestertag 1978 beobachteten zahlreiche Bürger im gesamten Kreisgebiet gegen 20 Uhr leuchtende Punkte am Himmel, die nicht von herkömmlichen Silvesterraketen verursacht worden sein konnten. Schnell machte die Nachricht die Runde und am 4. Januar berichtete auch die Heimatzeitung erstmals über die übernatürlichen Ereignisse am Himmelszelt, die am Ende sogar das Luftfahrtbundesamt beschäftigen sollten.

„Eine seltsame, schier unglaubliche Kunde macht derweil in Nienburg und Umgebung die futuristische Runde“, hieß es am 4. Januar mit ironischem Zungenschlag im Lokalteil: „Mehrere Mitbürger wollen am letzten Tag des alten Jahres so um 20 Uhr herum über der Stadt sowie fast gleichzeitig über Hassel und Haßbergen mehrere UFOs (Unbekannte Flug-Objekte) am Nachthimmel gesichtet haben.“ In einer Glosse amüsierte sich die HARKE-Redaktion noch über die vermeintliche UFO-Sichtung (siehe Bild) – bis sie eines Besseren belehrt wurde und der jahrelange stellvertretende HARKE-Chefredakteur Gero Sommerfeld der Geschichte nach neuerlichen Hinweisen doch auf den Grund ging. Am 8. Januar titelte DIE HARKE im Lokalteil: „Teile eines unbekannten Flugkörpers abgestürzt – kegelförmiger Metallgegenstand schlug in Bruchhagen auf.“

Die UFO-Glosse von Gero Sommerfeld aus dem Jahr 1979. Foto: Archiv

Die UFO-Glosse von Gero Sommerfeld aus dem Jahr 1979. Foto: Archiv

Die Szenerie im kleinen Örtchen bei Steyerberg soll sich dann wie folgt abgespielt haben: Hilde und Friedhelm Schumacher befanden sich am Silvesterabend kurz nach 20 Uhr auf dem Fußweg von ihrem recht einsam gelegenen Gehöft zu einer Silvesterfeier, als sie am Himmel mehrere leuchtende, still und langsam in großer Höhe vorüberziehende Objekte beobachteten.

„Im ersten Moment dachten wir an Silvesterraketen, doch waren diese viel zu hoch und zudem etwa zwei Minuten lang am Himmel“, erklärte Hilde Schumacher, die auch beobachtet haben will, dass die leuchtenden Himmelskörper einen leichten Bogen formten. Dabei soll es sich um einen größeren und einige kleinere, gelb leuchtende Körper mit rötlichem Schweif gehandelt haben. „Ich hatte Sorge, dass die Dinger auf den Hof fallen“, meinte die junge Landwirtsfrau, doch sie war erleichtert, als die sich nach ihren Angaben von Nord nach Süd bewegenden Punkte das Gehöft überflogen hatten.

Der Metallkegel der auf dem Acker in Bruchhagen nieder ging wog etwa zehn Kilogramm. Foto: Archiv

Der Metallkegel der auf dem Acker in Bruchhagen nieder ging wog etwa zehn Kilogramm. Foto: Archiv

Am anderen Morgen stutze Hilde Schumacher, als sie etwa 200 Meter entfernt auf freiem Feld einen im Boden steckenden Metallkörper ausmachte, den sie allein kaum schleppen konnte. Gedanken über den teilweise verglühten Metall-Kegel machte man sich indes erst nach Erscheinen der UFO-Glosse in der HARKE. Im Anschluss an deren Lektüre wurde umgehend die Polizei benachrichtigt, die nach Bekanntwerden des Fundes die Absturzstelle sicherte. Spezialisten der nahen niederländischen Luftwaffe nahmen danach eine Strahlenmessung vor, die dem Vernehmen nach negativ verlief.

Am 13. Januar 1979 herrschte dann jedoch schnell Klarheit, als die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtete, dass es sich um die Schubdüse einer Rakete handeln müsse: „Bei dem etwa 1,10 Meter langen und zehn Kilogramm schweren, teilweise verglühten Metallkegel, der in der Neujahrsnacht in Bruchhagen bei Nienburg auf einem Acker gestürzt ist, handelt es sich nach Angaben des Luftfahrtbundesamtes in Braunschweig um einen Teil einer Schubdüse. Derartige Düsen befinden sich – so das Braunschweiger Amt – an jeder normalen Rakete.“

„So hat der Metallkegel im Boden gesteckt“, erklärte der 13-jährige Cord Schumacher im Jahr 1979, der zusammen mit seinem gleichaltrigen Freund Karsten Windler die Absturzstelle auch bei Dunkelheit wiederfand. Das vom Firmament gefallene unbekannte Objekt wurde sofort nach Bekanntwerden von der Polizei in Sicherheit gebracht.“ Foto: Archiv

„So hat der Metallkegel im Boden gesteckt“, erklärte der 13-jährige Cord Schumacher im Jahr 1979, der zusammen mit seinem gleichaltrigen Freund Karsten Windler die Absturzstelle auch bei Dunkelheit wiederfand. Das vom Firmament gefallene unbekannte Objekt wurde sofort nach Bekanntwerden von der Polizei in Sicherheit gebracht.“ Foto: Archiv

Nach Angaben des 2016 verstorbenen Ufologen Werner Walter aus Mannheim vom „Centralen Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene“ (CENAP) war in der Silvesternacht 1978/79 ein Teil des russischen Satelliten Kosmos 1068 in der Erdatmosphäre verglüht, eine Raketendüse sei in Deutschland eingeschlagen. CENAP ist ein Zusammenschluss von Hobby-Ufologen, die nicht institutionalisiert und ehrenamtlich arbeiten.

Zum Artikel

Erstellt:
18. Februar 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 50sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.