Die Groschenkette im September 1983 auf dem Nienburger Altstadtfest war im Prinzip der Startschuss der Rekordjagd im Landkreis. Foto: Archiv

Die Groschenkette im September 1983 auf dem Nienburger Altstadtfest war im Prinzip der Startschuss der Rekordjagd im Landkreis. Foto: Archiv

Landkreis 10.12.2021 Von Mara Kakoschke, Von Helge Nußbaum

„Historischer Freitag“: Die Rekordjagd der Nienburger

Zahlreiche Bürger aus dem Landkreis Nienburg schafften es ins Guinness Buch der Rekorde / Von der Groschen- über die Korkenkette bis zum Bio-Brummi

„Nienburger jubeln: Weltrekord perfekt“ titelte DIE HARKE am 23. September 1983. Es war der Freitag des Altstadtfestes und noch war kein Ende in Sicht beim Rekordversuch für die längste Groschenkette der Welt, mit der die Nienburger im Guinness Buch landen wollten. 543 860 Münzen waren bis dahin verklebt worden auf dem Geldteppich, der auf der Langen Straße lag. Am Ende sollten es stolze 750.000 gespendete Groschen und eine glitzernde Kettenstrecke von 15,6 Kilometern Länge werden. Dies ist wohl der bekannteste Rekord, der im Landkreis Nienburg aufgestellt wurde, es gab jedoch einige mehr, an die wir im „Historischen Freitag“ erinnern wollen.

Scheckübergabe bei Wim Thoelke

Die 75.000 Mark, die für den Nienburger Groschen-Weltrekord verklebt wurden, überreichte die Stadt damals zu 60 Prozent an die „Aktion Sorgenkind“, je 20 Prozent erhielten gemeinnützige Einrichtungen. Mit den 750.000 Münzen hatten die Nienburger die damalige Höchstmarke (264.800 Geldstücke) fast verdreifacht. Diese wurde im englischen Brighton aufgestellt. Lustige Randnotiz: Die damals in Nienburger stationierten Briten halfen kräftig mit beim Aufstellen der neuen Bestmarke.

Axel Schlotmann und der britische Oberstleutnant Geoffrey Hyde waren zu Gast bei der ZDF-Kultshow „Der Große Preis“ mit Wim Thoelke. Foto: Archiv

Axel Schlotmann und der britische Oberstleutnant Geoffrey Hyde waren zu Gast bei der ZDF-Kultshow „Der Große Preis“ mit Wim Thoelke. Foto: Archiv

Die Scheckübergabe der 45.000 DM an die „Aktion Sorgenkind“ wurde dann im Dezember 1983 sogar live im Fernsehen übertragen. Nienburgs damaliger Bürgermeister Axel Schlotmann und der britische Oberstleutnant Geoffrey Hyde waren zu Gast beim ZDF. Die Kultshow „Der Große Preis“ mit Wim Thoelke bildete den illustren Rahmen für die Übergabe.

Günter Uhlig sammelt Zollstöcke

Im Jahr 1989 machte hingegen erneut der Wiedensahler Günter Uhlig auf sich aufmerksam. Er stand zwar schon seit drei Jahren als Rekordhalter im Aufbau der größten Zollstocksammlung im Guinness Buch der Rekorde, doch in diesem Jahr wuchs seine Sammlung auf 4748 verschiedene Zollstöcke an.

Der Wiedensahler Günter Uhlig schaffte es mit seiner Zollstocksammlung ins Guinness Buch. Foto: Archiv

Der Wiedensahler Günter Uhlig schaffte es mit seiner Zollstocksammlung ins Guinness Buch. Foto: Archiv

Diesen Rekord baute er auch in den Folgejahren immer weiter aus, sodass Uhlig am 4. März 1992 sogar im Fernsehen zu sehen war. Bei der damaligen Sendung „Schnickschnack“ im Südwestfunk durfte er dann über seine bis dato knapp 6678 Zollstöcke berichten.

70 000 Weinkorken im Freibad

Im Holtorfer Freibad stellte die Feuerwehr im Juli 1994 einen weiteren Weltrekord auf. In 126 Arbeitsstunden entstand eine 987 Meter und 30 Zentimeter lange Korkenkette. Rund 70.000 Weinkorken hatten die Holtorfer für ihren Rekordversuch eingesammelt.

Rund 70 000 Weinkorken hatten die Holtorfer für ihren Rekordversuch eingesammelt. Foto: Archiv

Rund 70 000 Weinkorken hatten die Holtorfer für ihren Rekordversuch eingesammelt. Foto: Archiv

Teils wurden diese in freiwilligen Aktionen auf dem Gelände der Glasrecycling-Anlage in Leeseringen aus den Scherben gezogen, teils von Bürgern und Gastwirten gespendet. „300 Gastwirte im Landkreis hatten wir angeschrieben“, erzählte der damalige Ortsbrandmeister Gerhard Behrens auf HARKE-Nachfrage.

Kleinste Hülsenklöppel der Welt

Nur zwei Monate später schaffte es eine weitere Nienburgerin ins Guinness Buch. Ines Bockisch klöppelte sich Ende September zum Weltrekord. Ihr Vater Hans Henry Bockisch hatte für seine Tochter die kleinsten Hülsenklöppel der Welt gefertigt, mit denen seine Ines im Nienburger Rathaus vor den Augen des damaligen Bürgermeisters Folker Radtke feinste Spitze herstellte. Nur fünf Millimeter klein waren die Klöppel – Weltrekord. Im Jahr 1995 präsentierte Ines Bokisch stolz ihre Urkunde und den Eintrag ins Rekordbuch.

Rapsöl-Brummi von Heineking

Dass Natur und Technik nicht im Gegensatz zueinander stehen müssen, bewies im Jahr 1997 ein Landesberger Rapsöl-Brummi. Nachdem der 360-PS-Lastzug 1.111.111 Kilometer umweltfreundlich und störungsfrei mit Biodiesel (Rapsölmethylester, RME) durch Deutschland und Europa gerollt war, wurde der Rekord offiziell akzeptiert.

Der Landesberger Spediteur Willi Heineking erhielt im Juni 1997 den Eintrag im Guinness Buch, auch der damalige Kanzler Helmut Kohl gratulierte. Foto: Archiv

Der Landesberger Spediteur Willi Heineking erhielt im Juni 1997 den Eintrag im Guinness Buch, auch der damalige Kanzler Helmut Kohl gratulierte. Foto: Archiv

Der Landesberger Spediteur Willi Heineking erhielt im Juni 1997 die Zusage vom Guinness-Buch-Verlag, dass die die Eintragung erfolgt. Der Rekord wurde später sogar noch auf 1.770.000 Kilometer ausgebaut.

Kronkorken auf dem Fußballplatz

Ein weiterer Landesberger schaffte es im Juni 2005 ins Guinness Buch der Rekorde. Bei der Landesberger 950-Jahr-Feier machte der fußballbegeisterte Heinfried Nietfeld mit einer spektakulären Aktion auf sich aufmerksam: Aus 2,28 Millionen Kronkorken legte er mit einigen Helfern auf dem 99 mal 64 Meter großen Fußballplatz in Landesbergen das Landesberger Wappen aus – damit war ihm der Eintrag sicher.

Pen-Spinning-Rekord

Post aus der Guinness-Zentrale in London erhielt vor gut elf Jahren auch der Drakenburger Daniel Muß – er war neuer Weltrekordhalter im Pen-Spinning. Vor den Augen der offiziellen Zeugen Torben Bargmann, Sven Oldenstädt, Jochen Blask und HARKE-Redakteurin Edda Hagebölling hatte es der damals 17-Jährige geschafft, einen Stift von 19,4 Zentimetern Länge 66 Mal in der Minute mit den Fingern seiner rechten Hand im Uhrzeigersinn hoch und runter kreisen zu lassen. Der alte Rekord lag bei 40 Finger-Passes.

Größter Posaunenchor

Auch der Posaunenchor Wietzen findet sich im Guinness Buch wieder, wenn auch nicht namentlich. Der Eintrag steht im Guinness Buch von 2010 auf Seite 9. Darin heißt es: „Am 1. Juni 2008 haben insgesamt 15.761 Blechbläser den größten Posaunenchor gebildet.“ Die Wietzener spielten damals mit im Leipziger Zentralstadion beim Deutschen Evangelischen Posaunentag.

Falls Sie auch einen Weltrekord planen oder gerade an einem Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde arbeiten, lassen Sie es DIE HARKE wissen.

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Erstellt:
10. Dezember 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 27sec

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