Coach Aito Garcia Reneses (l) ist mit Alba Berlin auf Kurs Richtung Meisterschaft. Foto: Adam Pretty/Getty Images Europe/Pool/dpa

Coach Aito Garcia Reneses (l) ist mit Alba Berlin auf Kurs Richtung Meisterschaft. Foto: Adam Pretty/Getty Images Europe/Pool/dpa

München  27.06.2020 Von Deutsche Presse-Agentur

Hobby-Fotograf Aito vor Meisterkrönung mit Alba

Auch nach 47 Jahren als Trainer gibt es für Aito Garcia Reneses noch die Chance für etwas Außergewöhnliches. Zum Meisterturnier in München nahm der Coach von Alba Berlin ein sonst auf Basketball-Trips verschmähtes Utensil mit ins Quarantäne-Hotel.

„Das ist das erste Mal, dass ich mit einer Kamera reise“, berichtete der 73-jährige Spanier und begeisterte Hobby-Fotograf im Verlauf der gut drei Wochen über einen besonderen Aspekt dieser Dienstreise. „Sonst sind wir nur einen Tag unterwegs, da habe ich sie nie dabei. Aber dieses Mal werden wir lange hier sein.“

Dass der Aufenthalt für den Hauptstadtclub nun über die maximale Dauer bis zum zweiten Playoff-Endspiel gegen die MHP Riesen Ludwigsburg geht, ist auch wesentlicher Verdienst von Aito. 2017 wechselte der erfahrene Trainer erstmals ins Ausland, führte Alba seitdem wettbewerbsübergreifend zu sieben Finalteilnahmen. Doch erst vor gut vier Monaten glückte im nationalen Pokal der erste Titelgewinn, nun steht dank des überlegenen 88:65-Hinspielsiegs am Sonntag (15.00 Uhr/Sport1 und Magentasport) die Meisterkrönung bevor. „In der Halbzeit zu gewinnen, bedeutet nichts“, warnte Aito vor verfrühtem Jubel. „Du musst am Ende gewinnen.“

Dass er weiß, wie das geht, zeigen unter anderem die acht gewonnenen Meistertitel mit dem FC Barcelona. Doch sein Vermächtnis geht weit über Trophäen hinaus. „Ich mag seine Philosophie. Ich habe ihn über Jahrzehnte beobachtet, was er macht in der Verteidigung, sein Konzept“, schwärmte Ludwigsburgs Coach John Patrick über seinen Final-Kontrahenten. „Er ist einer der Paten des europäischen Basketballs.“

Als Aspekte der Bewunderung nennt Patrick das Vermitteln von Ballbehandlung, Passen, Kreativität, das Lesen des Spiels und die Förderung junger Spieler. So gibt Aito seinen Schützlingen Freiheiten, um auf Situationen auf dem Parkett zu reagieren anstatt strikt bestimmtem Muster zu folgen. Er scheut sich nicht, Talenten zu vertrauen - auch wenn diese Fehler begehen. In schlechten eigenen Phasen dem Spiel mit Auszeiten oder Fouls dem Gegner den Rhythmus zu nehmen, widerstrebt ihm. „Alles, was der Ästhetik und dem Fluß des Spiels schadet, gefällt Aito nicht, und das vermittelt er nicht“, charakterisiert Alba-Geschäftsführer Marco Baldi die Philosophie.

Als die Berliner nach einer enttäuschenden Saison 2016/17 ohne Finalteilnahme in allen Wettbewerben auf der Trainersuche waren, fiel die Wahl auf den Spanier. „Unser Programm war wie für ihn gemacht“, sagt Baldi mit Blick auf den Ansatz des früheren Serienchampions, auch auf Akteure aus der eigenen Jugendarbeit zu setzen. „Er will Spiele gewinnen, er ist großer Wettkämpfer. Aber er möchte gleichzeitig etwas bauen. Er ist ein Lehrer, ihm macht es Freude, jungen Menschen etwas beizutragen, und er lernt immer von seinen Schülern etwas dazu. Wenn dabei auch noch Titel rausspringen, dann ist das fantastisch.“

Auch wenn Alba am Sonntag nun nach zwölf Jahren des Wartens seinen insgesamt neunten Meistertitel gewinnt, werden aber wahrscheinlich keine Aito-Fotografien davon den Weg an die Öffentlichkeit finden. Der gut gepflegte Account des 73-Jährigen im Internet wird durch Bilder von Vögeln, Gebäuden und Plätzen dominiert. „Wer mich auf Instagram sucht, ist vermutlich enttäuscht“, sagte er grinsend, „weil ich niemals etwas über Basketball veröffentliche.“

© dpa-infocom, dpa:200627-99-583036/3

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Erstellt:
27. Juni 2020, 11:50 Uhr
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