Der NABU-Kreisverband Nienburg startet Habitatbaumprojekt und ruft dazu auf, „Baumschätze“ zu melden NABU / Peter Kühn

Der NABU-Kreisverband Nienburg startet Habitatbaumprojekt und ruft dazu auf, „Baumschätze“ zu melden NABU / Peter Kühn

Landkreis. 04.03.2017 Von Die Harke

Höhlen-Bäume vor der Säge retten

NABU-Kreisverband Nienburg startet Habitatbaumprojekt und ruft dazu auf, „Baumschätze“ zu melden

Manch ein Baum im Wald müsste aus rein forstwirtschaftlicher Sicht längst geschlagen worden sein: Astlöcher, zum Teil vom Specht erweitert, zeigen an, dass im Innern nicht mehr alles bestes Furnierholz ist. Dennoch sind solche Bäume keineswegs wertlos. Sie haben einen sehr hohen ökologischen Wert. Alte Bäume erzählen Lebensgeschichten und manche ganz besondere. Habitatbäume sind Lebensraum für viele Tiere, Pflanzen und Pilze. Durch sie erst wird der Wald zum Wald. Denn Wald ist viel mehr als Holzernte. Hämmernde Spechte, schmackhafte Pilze und der würzige Geruch erfreuen Waldarbeiter, Förster, Naturschützer, Jäger, Jogger und Spaziergänger gleichermaßen.

Bedingt durch den rasanten Rückgang der Artenvielfalt, auch in den Wäldern des Landkreises Nienburg, hat der [DATENBANK=4921]NABU-Kreisverband Nienburg[/DATENBANK] ein Habitatbaumprojekt aufgelegt. Ziel ist es, Höhlenbäume in Privatwäldern zu erwerben, um eine möglichst lange Erhaltung der Bäume über das wirtschaftliche Nutzungsalter hinaus, bis hin zur Zerfallsphase zu sichern.

Ein Habitatbaum ist ein Baum mit besonderer Bedeutung für die biologische Vielfalt. Die dafür nötigen Baumstrukturmerkmale können ganz unterschiedlicher Art sein. Dazu zählen Spechthöhlen, Faulhöhlen, Rindentaschen, Pilzkonsolen, Stammverletzungen mit intensiver Holzfäule, massiver Kronenausbruch, Totholz, Blitzschäden oder Stammbruch.

Von der Rettung der Bäume vor der Säge profitieren Vögel wie Waldkauz, Hohltaube aber auch Greifvögel, Insekten wie Wildbienen, Hornissen und Säugetiere wie Fledermäuse.

„Die Sicherung der Bäume ist eine nachhaltige, über Jahrzehnte andauernde Artenschutzmaßnahme zum Erhalt bedrohter Tierarten“

„Die Sicherung der Bäume ist eine nachhaltige, über Jahrzehnte andauernde Artenschutzmaßnahme zum Erhalt bedrohter Tierarten“, sagt [DATENBANK=2963]Jens Rösler[/DATENBANK] vom NABU Nienburg. „Habitatbäume spielen eine sehr wichtige Rolle als Lebensraum für über 60 Tierarten“, so Rösler weiter.

Damit diese Bäume in den Privatwäldern möglichst lange erhalten bleiben, kauft der NABU Nienburg ca. 250 Exemplare im Landkreis Nienburg.

Er ruft darum dazu auf: Melden Sie dem NABU Ihre „Baumschätze“ aus den Wäldern des Landeskreises Nienburg. Auch private Waldeigentümer sowie Forstinteressengemeinschaften können dem NABU Nienburg Höhlenbäume außerhalb von Naturschutz- und FFH-Gebieten, melden.

Nach der Meldung der Bäume nimmt der NABU Kontakt zum Waldbesitzer auf und wird diese nach Verkaufseinwilligung bewerten, vertraglich sichern, mit einer Plakette markieren und per GPS zum späteren Wiederauffinden, einmessen. Die Bewertung des Einzelbaumes erfolgt transparent nach den aktuellen Waldbewertungsrichtlinien (WBR) unter der Berücksichtigung aller Pauschalen für die lebenslange Standzeit. Das heißt im Klartext, dass der schon geschädigte Habitatbaum mehr wert ist, als ein gesunder, gefällter Baum.

„Das Ziel dieses Projektes, welches sich im wesentlichen auf heimische Laubbäume mit vorhandenen Baumhöhlen, ausschließlich im Landkreis Nienburg bezieht, ist die möglichst lange Erhaltung lebender Habitatbäume, über das wirtschaftliche Nutzungsalter hinaus, bis hin zur Zerfallsphase. Natürlich immer unter der Berücksichtigung der Verkehrssicherungspflichten“, erklärt der NABU-Projektleiter Bernhard Schiewe.

Finanziell gefördert wird dieses nachhaltige Artenschutzprojekt vom Landkreis Nienburg und von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung. Diese fördert den Erwerb der Bäume mit 26 900 Euro. „So werden sie nicht gefällt und zu Kaminholz verarbeitet, sondern können bis zur vollständigen Zersetzung vielen Lebewesen nützen“, sagt Stiftungsgeschäftsführer Karsten Behr.

„Wir würden uns sehr freuen, wenn möglichst viele private Waldbesitzer sich beim NABU Nienburg melden würden, um Ihre Habitatbäume zum Kauf anzubieten und somit dieses, in unserer Region einzigartige Projekt, zu unterstützen“, ergänzt Klaus Gänsslen, Fachdienstleiter Naturschutz beim Landkreis Nienburg.

NABU-Projektleiter für das Habitatbaumprojekt ist Bernhard Schiewe, zu erreichen unter 0 42 57/9 84 14 94 oder per E-Mail an: Habitatbaum@NABU-Nienburg.de. Schiewe wird alle Meldungen erfassen und alles Weitere veranlassen.[ZITAT][/ZITAT]

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Erstellt:
4. März 2017, 21:00 Uhr
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