Mirjam Lange.

Mirjam Lange.

Nienburg 03.05.2020 Von Die Harke

Home-Schooling am MDG: „Wir vermissen unsere Lehrer“

Digitaler Unterricht am Marion-Dönhoff-Gymnasium: Was Schüler, Lehrer und Eltern sagen

Eingangs gestaltete er sich etwas holprig, der Umstieg auf den digitalen Unterricht am Marion-Dönhoff-Gymnasium.

Beim Start am vergangenen Mittwoch war der schuleigene Server mit den vielen Daten, die zwischen den Lehrerinnen und Lehrern und ihren Klassen ausgetauscht wurden, überfordert. Das hat die Schule mitgeteilt.

Die Stadt als Schulträger habe zügig eingegeriffen und verbesserte die Technik, sodass das System mittlerweile stabil laufe. Weitere seitens der Stadt und des Anbieters der Daten- und Kommunikationsplattform „IServ“ in Aussicht gestellte Maßnahmen versprächen eine zusätzliche Verbesserung.

„IServ“, die Grundlage für das digitale Lernen am MDG, nutzt die Schulgemeinschaft schon seit einigen Jahren. In der Krise müssen nun viele Abläufe anders und neu gedacht werden, die Einbindung von digitalen Möglichkeiten in den Schulalltag wird erweitert.

Auf der Plattform Iseien viele Tools angesiedelt, die das Bearbeiten von Aufgaben erleichtern. Aufgaben können abgegeben und verwaltet werden, es ist eine Mediendatenbank vorhanden und Umfragen, schwarze Bretter und digitale Foren können erstellt werden.

Zusätzlich angeschafft wurde eine Schullizenz des Instituts für Film und Bild in der Wissenschaft und Unterricht (FWU), so dass die Schülerschaft das komplette Angebot des FWU nutzen kann. „Natürlich eröffnet der Markt immer wieder neue Möglichkeiten für Programme oder Apps in Schule und Unterricht“, weiß Martin Reuss.

Lutz Kulze-Meyer als Schulleiter ergänzt: „Das MDG prüft beständig, ob sich durch die Nutzung von Tools ein Mehrwert für alle Beteiligten ergibt und wir sind sehr stolz, dass Schülerinnen und Schüler, Eltern und unsere Kolleginnen und Kollegen möglichen Neuerungen offen und interessiert begegnen!“

Was denken Schülerinnen und Schüler vom digitalen Lernen? Mirjam Lange und Jana Rabe aus dem 12. Jahrgang des MDG äußern sich auf Nachfrage ihrer Schule.

Wie sieht euer Alltag beim digitalen Lernen aus?

Jana: Unser Arbeitsalltag ist relativ ähnlich aber selbstbestimmter. Wir schlafen länger, weil die Schule ja nicht direkt um 7.45Uhr anfängt, aber der Ablauf ist derselbe. Wenn wir die Aufgaben im Laufe des Tages geschickt bekommen, dann werden die zeitig gemacht, sodass wir die Deadlines auch einhalten können. Dann bleibt Zeit für andere Dinge.

Mirjam: Aber Freunde treffen, Freizeit in den Vereinen, all das fällt weg. Strukturen von außen gibt es nicht mehr. Und sich selbst Strukturen zu geben, erfordert Disziplin… Da lernen wir jetzt auch viel über uns selbst, und fürs Leben. Bei mir liegt eine Liste auf dem Schreibtisch – Fach, Abgabedatum – so behalte ich den Überblick.

Gebt ihr Aufgaben in gewissen Intervallen ab? Gibt es Feedback von den Lehrerinnen und Lehrern?

Jana: Wir werden aufgefordert, die Bearbeitungen und Lösungen über IServ an die Lehrkräfte zu schicken, manchmal arbeiten wir für uns selbst und melden nur zurück, dass die Aufgaben erledigt sind. Mirjam: Oft bekommen wir individuelles Feedback von den Lehrkräften oder sie schicken eine Musterlösung in das jeweilige digitale Forum.

Jana: Ja genau! Wir überprüfen dann unsere Ergebnisse mit den Musterlösungen und können so sehen, worin eventuelle Schwierigkeiten bestehen.

Euer Statement: Home Schooling oder Klassenzimmer?

Jana: So gut, wie das „Lernen zu Hause“ jetzt ist und so viel Mühe sich unsere Lehrerinnen und Lehrer geben, uns weiterhin gut zu unterrichten, der Unterricht im Klassenzimmer fehlt uns und wir ziehen ihn dem Homeschooling vor. Wir vermissen unsere Mitschülerinnen und Mitschüler und versuchen den Kontakt zu halten. Auch die Lehrer vermissen wir. Sie sind nicht nur persönlich eine große Hilfe, wenn man beispielsweise bei einer Aufgabe festsitzt, sondern haben auch in den Pausen immer ein offenes Ohr.

Mirjam: Beides hat Vorteile. Gerade für uns in der Oberstufe ist es eine sehr gute Vorbereitung auf das eigenständige Erarbeiten und Lernen im Studium. Wir sehen aber auch die Schattenseiten, der fehlende Kontakt zu unseren Freunden und natürlich auch der Unterricht an sich, in dem viele Probleme und Fragen besser geklärt werden können. Für jüngere Schülerinnen und Schüler ist Homeschooling bestimmt schwieriger.

Es erfordert eine stärkere Selbstorganisation, auch die technischen Hürden dürften für die jüngeren höher sein. Außerdem brauchen die einfach noch mehr die direkte Ansprache und Unterstützung. Bei aller Hilfe, die die Lehrerinnen und Lehrer uns zukommen lassen – der persönliche Kontakt ist doch besser.

Mirjam: Klar ist auch, in den Fächern, in denen ich besser bin und an denen ich mehr Spaß habe, klappt das wie immer besser als in anderen.

Von welchen Erfahrungen Ihrer Kinder können die Eltern berichten? Die Elternratsvorsitzenden Timo Schwiersch und Natascha Johanningmann hatten kürzlich Kontakt mit den Vorsitzenden der Klassenelternschaften und geben einen Einblick.

Schwiersch: Insgesamt ist die Elternschaft sehr zufrieden. Nach dem Chaos am ersten Tag ist IServ stabil. Die Kommunikation über die Foren klappt gut, die Kinder tauschen sich untereinander aus und erhalten auf Rückfrage zügig Rückmeldung von den Lehrkräften.

Johanningmann: Kurioserweise ist die Aufregung bei den Jüngsten am größten, obwohl sie bis zum Abschluss noch am längsten Zeit haben. Aber klar, viele sind v.a. auch technisch noch nicht so versiert, müssen sich einarbeiten und erst einmal lernen sich zu organisieren.

Schwiersch: Ja, und da sind wir als Eltern unterstützend gefordert. Außerdem darf man nicht vergessen: Es gibt Kinder, die mit ihrem kleinen Samrtphone-Bildschirm arbeiten müssen und sich das Zimmer mit den Geschwistern teilen. Da wird Home Schooling zur echten Herausforderung.

Johannigmann: Völlig richtig. Einige wenige Eltern haben die abwegige Idealvorstellung, dass das, was jetzt läuft, den Unterricht ersetzen kann. Manche wünschen sich z.B. mehr Videokonferenzen. Doch auch die können den „normalen“ Unterricht nicht ersetzen. Ja, die Kinder sehen sich und die Lehrkräfte dann, aber dort wird keine Beziehung aufgebaut.

Schwiersch: Perfekt läuft wohl nichts in diesen Zeiten, wir leben in einer Ausnahmesituation, und unter den gegebenen Umständen ist in der Elternschaft der Tenor: Das Lernen zu Hause klappt organisatorisch und inhaltlich gut.

Und was sagen die Lehrerinnen und Lehrer zum Home Schooling?

„Die Anlaufschwierigkeiten wurden von allen flexibel gehandhabt und toleriert. Für meine Lerngruppen kann ich sagen: Zuverlässig und lernbegierig bearbeiten die Schülerinnen und Schüler die Aufgaben. Fragen, Unklarheiten und Lösungswege werden untereinander und mit mir diskutiert. Aber ganz klar: Lieber sitze ich mit meinen Klassen in der Schule und erarbeite die Inhalte mit ihnen gemeinsam,“ sagt Carina Adam.

Gerrit Mathiszig weiß zu berichten: „Ja, wir würden sie einfach gern „analog sehen“, aller Medieneinsatz ersetzt den direkten Kontakt nicht! Sicher auf mehreren Kanälen gibt es eine muntere Beteiligung, der Austausch ist rege. Und über Dokumentationen und Lernfilme erhalten die Schülerinnen und Schüler Unterstützung.“

Eine Schwierigkeit ist die technische Ausstattung. Nicht alle Schülerinnen und Schüler haben eigene PCs oder Laptops, das Internet ist mancherorts schwach, und auch Drucker können die Lehrkräfte nicht voraussetzen. Aspekte, die bei der Aufgabenstellung berücksichtigt werden müssen.

Kulze-Meyer resümiert: „Für die Schulgemeinschaft ist das ausschließlich digitale Lernen eine neue Erfahrung, wir beschreiten neue Wege, stolpern dabei über Steine und gehen manchen Umweg. Aber: es läuft – und zwar zunehmend besser!“

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Erstellt:
3. Mai 2020, 18:48 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 35sec

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