Das Robert Koch-Institut in Berlin. Foto: Paul Zinken/dpa

Das Robert Koch-Institut in Berlin. Foto: Paul Zinken/dpa

Berlin 18.03.2020 Von Deutsche Presse-Agentur

RKI: Corona-Impfstoff im Frühjahr 2021 realistisch

Das Robert Koch-Institut hat Hoffnungen auf einen baldigen Impfstoff gegen das Coronavirus gedämpft. „Ich persönlich schätze es als realistisch ein, dass es im Frühjahr 2021 sein wird“, sagte Präsident Lothar Wieler.

Alles, was bürokratisch machbar sei, müsse getan werden. Klinische Testphasen aber könne man nicht verkürzen. „Wir müssen ein Sicherheitsprofil haben. Impfstoffe können ja Nebenwirkungen haben.“

Zuvor hatte Dietmar Hopp, Miteigentümer des Tübinger Pharmaunternehmens CureVac, davon gesprochen, möglicherweise bereits im Herbst einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 liefern zu können. CureVac ist eines von vielen Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen, die derzeit weltweit an möglichen Impfstoffen arbeiten.

Auch Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) mahnt zu Geduld. „Überall arbeiten die Forscherinnen und Forscher mit allem Hochdruck daran. Wir sind mit ihnen in einem engen Austausch, aber die Entwicklung braucht ihre Zeit“, sagte sie der „Passauer Neuen Presse“. Es gebe bei der Entwicklung von Medikamenten hohe Sicherheitsstandards. „Soweit wir es verantworten können, beschleunigen wir die Verfahren.“

Bei der Suche nach einem wirksam vor der Erkrankung Covid-19 schützenden Impfstoff setzen Forscher auf biotechnologische Verfahren. Dabei wird nicht wie üblicherweise das Virus selbst zur Herstellung eines Impfstoffes benötigt, sondern lediglich seine genetische Information. Das soll zumindest die Zeit verkürzen, die es braucht, um einen Impfstoffkandidaten für die Prüfung in klinischen Studien bereitzustellen.

In der genetischen Information steckt alles, was das Virus für die Herstellung seiner einzelnen Bestandteile - und damit für seine eigene Vermehrung - braucht. Das umfasst auch diejenigen Bestandteile, auf die der Körper bei einer Impfung mit der Bildung von Antikörpern und anderen Abwehrstoffen reagiert.

Die Entwicklung eines Impfstoffkandidaten ist allerdings nur der erste Schritt. Richtig mühsam wird es danach: Die Zulassung und klinische Prüfung des Kandidaten sind die Entwicklungsphasen, die am meisten Zeit verschlingen. Nach Versuchen in Zellen und im Tiermodell sowie der toxikologischen Testung wird die Sicherheit eines Impfstoff-Kandidaten zunächst an wenigen Menschen getestet. Dann folgen größere klinische Studien.

In den USA hat bereits ein Freiwilliger testweise einen möglichen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus injiziert bekommen, wie die zum US-Gesundheitsministerium gehörenden National Institutes of Health (NIH) am Montag mitteilten. Insgesamt 45 gesunde Teilnehmer zwischen 18 und 55 Jahren sollen in den kommenden Wochen an dem Sicherheitstest teilnehmen.

Der Impfstoff namens „mRNA-1273“ wird gemeinsam mit der privaten Biotechnologie-Firma Moderna entwickelt. Die erste Testphase habe in „Rekordzeit„ gestartet werden können, sagte Anthony Fauci, Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten. Der gesamte Prozess der Entwicklung werde aber voraussichtlich mindestens ein bis anderthalb Jahre dauern.

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Erstellt:
18. März 2020, 14:49 Uhr
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