Gebiet Haaken Werder: Ziel der Maßnahme ist die Entwicklung weiterer solcher reich strukturierter Uferzonen. Foto: Landkreis Nienburg

Gebiet Haaken Werder: Ziel der Maßnahme ist die Entwicklung weiterer solcher reich strukturierter Uferzonen. Foto: Landkreis Nienburg

Landkreis 09.01.2022 Von Die Harke

Hybridpappeln am „Haaken Werder“ müssen weichen

An den Kiesteichen wird das Schutzgebiet „Teichfledermaus-Gewässer“ erweitert

Im Bereich der Kiesteiche „Haaken Werder“ werden einige Hybridpappeln gefällt. Die Maßnahme erfolgt im Rahmen der Weiterentwicklung des FFH-Schutzgebietes „Teichfledermaus-Gewässer im Raum Nienburg“. Die Entnahme der Gehölze wird in den nächsten Jahren stufenweise durchgeführt. Sie dient unter anderem der Uferauflichtung und damit der Entwicklung der Seen.

FFH-Gebiete sind europäische Schutzgebiete für Natur und Landschaft. Durch den Schutz gefährdeter Pflanzen- (Flora) und Tierarten (Fauna) sowie deren Lebensräume (Habitate) soll der Artenschwund gestoppt werden. Mit der Entnahme der Hybridpappeln an den Kiesteichen „Haaken Werder“ wird eine Ausbreitung der Schwimm- und Tauchblattvegetation und des sogenannten Röhrichts – dem Biotop im Flachwasser- und Uferrandbereich der Kiesteiche – unterstützt und damit eine deutliche Qualitätsverbesserung des FFH-Lebensraumtyps „Natürliche nährstoffreiche Seen“ erwartet.

„Die Erhöhung des Strukturreichtums ist für viele Arten von Nutzen. Ein ausgeprägter Röhrichtsraum bietet Fischen Laichplätze und Rückzugsmöglichkeiten. Auch zahlreiche Vögel finden hier Brutplätze und Schutz während der Aufzucht ihrer Nachkommen“, erläutert Marilen Henning vom Fachdienst Naturschutz des Landkreises Nienburg. „Hinzu kommen Säugetiere, Amphibien und Wirbellose, die im Röhricht zu finden sind.“ Das zahlreiche Insektenangebot an strukturreichen Ufern biete zudem den streng geschützten Teichfledermäusen, die dem Gebiet ihren Namen gegeben haben, ein reiches Nahrungsangebot.

Da es sich bei Hybridpappeln um gebietsfremde Gehölze handelt, dient die Entnahme in bestimmten Bereichen auch der Erweiterung der bestehenden Auwaldbereiche. Nach der Entnahme können sich die Bereiche abseits der Ufer zu ökologisch wertvollen Auwäldern weiterentwickeln. Auwälder sind Vegetationszonen entlang von Flüssen und Bächen. Sie zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas und beherbergen unzählige ökologische Nischen. „Auch wenn es auf den ersten Blick unvereinbar zu sein scheint, aus Gründen des Naturschutzes Bäume zu fällen, so dient die Entnahme der Entwicklung schützenswerter Lebensräume und kommt damit vielen Arten zugute“, unterstreicht die Geografin Marilen Henning.

Das FFH-Schutzgebiet „Teichfledermaus-Gewässer im Raum Nienburg“ ist eines von insgesamt 18 Natura 2000-Gebieten im Landkreis Nienburg. Da Natura 2000 ein EU-weites Netz von Schutzgebieten ist, sind die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union verpflichtet, die notwendigen Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen für die relevanten Lebensraumtypen und Arten festzulegen und umzusetzen. Für die Natura 2000-Gebiete im Landkreis Nienburg sind die Planungen weitestgehend abgeschlossen. Auf der Homepage des Landkreises unter www.landkreis-ni.de können sämtliche Maßnahmenpläne unter dem gleichlautenden Stichwort ständig aktualisiert eingesehen werden.

Natura 2000 ist ein zusammenhängendes ökologisches Netz von Schutzgebieten zur Erhaltung gefährdeter oder typischer Lebensräume und Arten. Es setzt sich zusammen aus den Schutzgebieten der Vogelschutz-Richtlinie und den Schutzgebieten der Fauna-Flora-Habitat (FFH) Richtlinie.

Mit derzeit etwa 27.000 Schutzgebieten auf 18 Prozent der Landfläche der EU ist Natura 2000 das größte grenzüberschreitende Schutzgebietsnetz weltweit. Es dient dem Schutz von 231 Lebensraumtypen und etwa 1000 Arten und Unterarten und trägt somit entscheidend zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei (Quelle: BMU), schreibt der Landkreis abschließend.

Zum Artikel

Erstellt:
9. Januar 2022, 13:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 26sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.