Karen Lohmeyer und Petra Kracht nahmen an einem Seminar der Leibniz-Universität Hannover teil. Lebenshilfe Nienburg

Karen Lohmeyer und Petra Kracht nahmen an einem Seminar der Leibniz-Universität Hannover teil. Lebenshilfe Nienburg

Nienburg 16.08.2017 Von Die Harke

Im Dritten Reich hätten sie nicht überlebt

Frauen mit Behinderung nehmen an schwierigem Uni-Projekt teil

„Geschichte erleben“ heißt eine Studienreihe der [DATENBANK=2706]Leibniz-Universität Hannover[/DATENBANK], an der angehende Sonderpädagogen und Menschen mit Behinderungen teilnehmen können. Das Thema in diesem Jahr war brisant: Es ging um den staatlichen Mord an zehntausenden Menschen mit Behinderungen im Dritten Reich. Petra Kracht und Karen Lohmeyer von der [DATENBANK=336]Lebenshilfe Nienburg gGmbH[/DATENBANK] haben das Seminar besucht. Nach den menschenverachtenden Ideen der Nazis waren nicht nur Juden, Sinti, Roma, Kommunisten oder Homosexuelle dem Tod geweiht, sondern auch Menschen, die keinen „Wert“ für die Gesellschaft hatten: Unheilbar Kranke oder Menschen mit Behinderungen wurden im Rahmen der „Aktion T 4“ (steht für die Adresse der zuständigen Dienststelle, Tiergartenstraße 4 in Berlin) in verschiedenen Krankenhäusern und Pflegeanstalten ermordet.

Offiziell starben die Opfer in aller Regel an „Lungenentzündung“; diese Todesursache wurde auch den Angehörigen mitgeteilt. Dass bei dem massenhaften Sterben etwas nicht stimmte, sprach sich allerdings herum. So war in Zusammenhang mit der Tötungsanstalt in Bernburg beispielsweise die Rede von der „Bernburger Krankheit“.

Insgesamt fielen der „Aktion T 4“ rund 70.000 Menschen zum Opfer. Hinzu kommen zehntausende Jungen und Mädchen, die im Rahmen der sogenannten „Kinder-Euthanasie“ ermordet wurden. „Nur wenige Eltern waren seinerzeit misstrauisch und mutig genug, ein Kind mit Behinderung zu verstecken und ihm so das Leben zu retten“, schreibt die Lebenshilfe in einer Pressemitteilung.

Im Rahmen von „Geschichte erleben“ haben sich Karen Lohmeyer und Petra Kracht an fünf Freitagen sowie bei einer dreitägigen Exkursion gemeinsam mit Studierenden mit dem Thema „Euthanasie“ befasst. Kracht wusste schon etwas über die Ermordung behinderter Menschen im Dritten Reich. Lohmeyer aber hat das Seminar sichtlich bewegt: „Ich wollte mich damit auseinandersetzen, wie Menschen mit Behinderungen früher gelebt haben“, erzählt sie. Von „Euthanasie“ und „T 4“ hatte sie zuvor noch nichts gehört.

Das Schicksal der Nazi-Opfer ließ sie auch zu Hause nicht los. Sie hat viel mit ihrer Mutter darüber gesprochen. Dass Menschen wie sie und auch sie selbst damals umgebracht worden wären, lässt sie ratlos zurück. „Das finde ich traurig“, sagt sie.

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Erstellt:
16. August 2017, 21:00 Uhr
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