Bei Chaleen hat sich dank des Projekts „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ auch das Konsumverhalten zuhause verändert. Foto: Achtermann

Bei Chaleen hat sich dank des Projekts „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ auch das Konsumverhalten zuhause verändert. Foto: Achtermann

Hoya 27.06.2020 Von Horst Achtermann

Im Interesse Greta Thunbergs handeln

An der Marion-Blumenthal-Oberschule Hoya ist „Nachhaltige Entwicklung“ Bestandteil des Unterrichts

2014 wurden He Hauptschule und die Realschule Hoya zur Oberschule (OBS) Hoya zusammengelegt. Seit 2017 trägt die Bildungseinrichtung den Marion-Blumenthal-Oberschule Hoya. Mit 643 Schülerinnen und Schülern, unterrichtet von 45 Lehrkräften und Abordnungen, ist sie die größte OBS (jahrgangs-schulzweigbezogen) im Landkreis Nienburg.

„Seit dem Sommer 2018 haben wir die Funktionsstelle ‚Bildung für eine nachhaltige Entwicklung‘ (BNE) besetzt“, berichtet Schulleiter Marc Badermann im HARKE-Gespräch. Zuständig ist Anja Bachmann. Sie unterrichtet in den Fächern Biologie, Geschichte und Erdkunde. BNE ist in den Pflichtunterricht integriert. Die BNE-Projekte der vergangenen Jahre sind: Grünes Klassenzimmer, verschiedene Projektwochen (Kuba, Eine-Welt-Tag), Umweltschule und UNESCO-Projekte.

„Maßgabe unseres Handelns ist das Ergebnis des UN-Nachhaltigkeitsgipfels im September 2015 mit insgesamt 17 Nachhaltigkeitszielen, die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung mit grundlegenden Verbesserungen der Lebensverhältnisse aller Menschen heute und in zukünftigen Generationen“, erläutert Lehrerin Anja Bachmann.

Chaleen aus der Klasse 6c erzählt aus ihrer Sicht – als Vertreterin einer zukünftigen Generation – wie sie sich die Verbesserungen der Lebensverhältnisse vorstellt. Als Beispiel nennt sie zum einen Greta Thunberg und die „Fridays For Future“-Bewegung. Mit Begeisterung berichtet die Zwölfjährige außerdem, wie Mitschüler Lukas die Lebensweise der Honigbiene vorstellt und dabei Material verwendet, das ihm sein Opa zur Verfügung gestellt hat.

Schulleiter Marc Badermann und Lehrerin Anja Bachmann: Die ganze Marion-Blumenthal-Oberschule Hoya ist Lebensraum mit Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Foto: Achtermann

Schulleiter Marc Badermann und Lehrerin Anja Bachmann: Die ganze Marion-Blumenthal-Oberschule Hoya ist Lebensraum mit Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Foto: Achtermann

Schulleiter Badermann ergänzt: „Die Schüler sollen selbst überlegen und eigene Ideen vortragen“. Die Ergebnisse werden in der Verwaltung an einer BNE-Wand festgehalten. „So wird das Unterrichtsergebnis nachhaltig dokumentiert“, betont Anja Bachmann.

Besucht wurde im Rahmen der BNE-Aktionen der außerschulische Lernort „Catucho“, eine Kaffee- und Kakaomanufaktur in Bücken, und die Wassermühle Bruchmühlen, wo Papier geschöpft werden konnte. „Das ist jedoch leider nicht mehr möglich, die Mühle ist verkauft“, bedauert Anja Bachmann.

Chaleen erzählt, wie die Schülerinnen und Schüler den Schulhof von Mikroplastik befreit haben. Lehrerin Doreen Brockop hat Beutel aus Stoff genäht, zum Einsammeln für Müll. In der Schule werden nur Bleistifte aus Holz, nicht lackiert, zum Schreiben genommen.

Alle machen mit, arbeiten und handeln nachhaltig. Hausmeister Randolf Schrödter hatte zum Beispiel das Upcycling von alten Werkraum-Tischen als Computerarbeitsplätze für Lehrer übernommen. Sein Motto: Alte Dinge wiederverwenden.

Die ganze Schule ist Lebensraum für nachhaltige Bildung. „Nicht mit dem erhobenen Zeigefinger“, bemerkt Badermann. Musiklehrerin Sabine Wagner hat eine Initiative im Lehrerkollegium organisiert. Mit 840 Euro im Jahr wird eine Lehrerstelle in Guinea finanziert.

Mit Julia Holtzhauer vom Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung wurden Gespräche mit Etappen- und Zielplanung geführt. Sie hatte eine Delegation aus Hoya zu sich eingeladen. „Wir sind auch klein angefangen, haben Rückmeldungen dankbar aufgenommen und freuen uns jetzt, auch anderen Schulen Hilfestellungen geben zu können, betont Marc Badermann.

Chaleen erzählt zum Schluss, dass sich auch das Leben zu Hause verändert hat. „Unsere Zahnbürsten sind aus Bambus, Seife gibt es nur fest verpackt und Waschmittel werden aus Kastanien zubereitet. Beim Metzger kaufen wir mit Tupperdosen ein, und Milch wird in Glasflaschen gekauft“, so die Sechstklässlerin.

Die beiden Pädagogen sind sich einig. „Bildung vor Ort und mit Nachhaltigkeit trägt dazu bei, Armut zu beseitigen“.

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Erstellt:
27. Juni 2020, 18:10 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 33sec

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