Gleichstellungsbeauftragte Petra Bauer mit ihrem Chef, Landrat Detlev Kohlmeier Foto: Hagebölling

Gleichstellungsbeauftragte Petra Bauer mit ihrem Chef, Landrat Detlev Kohlmeier Foto: Hagebölling

Landkreis 08.08.2020 Von Edda Hagebölling

Immer mehr weibliche Führungskräfte

Kreis-Gleichstellungsbeauftragte Petra Bauer hat 50 Seiten starken Gleichstellungsbericht vorgelegt

Auf der einen Seite immer mehr Frauen in Führungspositionen, auf der anderen Seite familienfreundliche Teilzeitstellen, die ausschließlich von Frauen in Anspruch genommen werden. Der 50 Seiten starke Bericht, den Petra Bauer, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Nienburg, den Mitgliedern des Kreistages in der letzten Sitzung vor der Sommerpause vorgelegt hat, gibt ein umfassendes Bild über die personelle Situation in der rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählenden Verwaltung des Landkreises Nienburg. Weitere wichtige Bestandteile des aktuelles Gleichstellungsberichts sind die Situationen in den zehn Kommunen des Landkreises Nienburg, aber auch all die frauenrelevanten Projekte, die Petra Bauer außerhalb ihrer Tätigkeit im Kreishaus initiiert oder unterstützt.

Die Erzieherin, Religionspädagogin und Diakonin Petra Bauer ist seit Juni 2014 Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Nienburg. Die Markloherin trat seinerzeit die Nachfolge von Ilona Scheller an. Petra Bauer ist lediglich ihrem Chef, Landrat Detlev Kohlmeier, unterstellt. Ihre Öffentlichkeitsarbeit macht sie selbst. Zudem hat sie mit Susanne Jaretzke eine Mitarbeiterin, die ihr an insgesamt zwölf Stunden in der Woche zur Verfügung steht.

Die Hauptaufgabe von Petra Bauer besteht darin, darauf zu achten, dass weder Frauen noch Männer noch intergeschlechtliche Menschen weder bei Bewerbungen noch bei der Erstellung von Verwaltungsvorlagen benachteiligt werden. Entsprechend viel Zeit verbringt die Gleichstellungsbeauftragte mit einer Dreiviertel-Stelle mit der Teilnahme an Vorstellungsgesprächen und Ausschusssitzungen.

Dass sie auch an der Einstellung von Kathrin Woltert, der zukünftigen Ersten Kreisrätin, beteiligt war, versteht sich von selbst. Kathrin Woltert ist die erste Frau an der Spitze der Kreisverwaltung. Sie löst im Herbst den in den Ruhestand wechselnden langjährigen Ersten Kreisrat Thomas Klein ab. Dezernenten neben Thomas Klein sind Lutz Hoffmann und Thorsten Rötschke.

Gleichstellung nicht um jeden Preis

„Thorsten Rötschke vor Jahren zum Dezernenten zu ernennen, war aufgrund seiner Vita innerhalb der Kreisverwaltung alternativlos, als die Stelle von Lutz Hoffmann zu besetzen war, hätten wir ebenso gerne eine Frau genommen“, betonte Landrat Detlev Kohlmeier beim Treffen mit Petra Bauer und der HARKE am Sonntag. Eine Bewerberin habe es seinerzeit sogar gegeben, doch natürlich müsse auch die Qualifikation passen. „Gleichstellung passiert bei uns natürlich nicht um jeden Preis, aber bei Kathrin Woltert hat alles gepasst“, so Kohlmeier.

Das Anliegen, Frauen und Männer gleichzustellen, hat der Landrat eigenen Angaben zufolge längst verinnerlicht. Auch sei es für ihn selbstverständlich, in Gesprächen oder Reden die männliche und die weibliche Form zu wählen. Eine Dienstanweisung, wie innerhalb der Kreisverwaltung mit Frauen in der Sprache umzugehen ist, gibt es nicht. Kohlmeier hält sie auch nicht für erforderlich. Die große Mehrheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist seiner Einschätzung ausreichend sensibilisiert.

Was der Landrat in puncto Gleichstellung aber auch betont: In der Verwaltung arbeiten mehr Frauen als Männer. Und: Die Kreisverwaltung hat – auch wegen der zahlreichen Teilzeitstellen – sozusagen ein Dauer-Gütesiegel für Familienfreundlichkeit. „Das machen wir natürlich, um unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu halten“, so Detlev Kohlmeier. Rund 50 Stellen sind bei der Kreisverwaltung aktuell nicht besetzt. Häufig, weil es an geeigneten Bewerberinnen oder Bewerbern fehlt.

Frauen, die Teilzeit arbeiten, haben nicht nur weniger Geld und damit später auch weniger Rente, Frauen in Teilzeit haben auch schlechtere Aufstiegsmöglichkeiten.

Petra Bauer, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Nienburg

Familienfreundlichkeit bedeutet in der Wahrnehmung von Petra Bauer jedoch: Die Teilzeitstellen werden ausschließlich von Frauen in Anspruch genommen. In der übrigen Zeit kümmern sie sich um Kinder oder zu pflegende Angehörige. „Frauen, die Teilzeit arbeiten, haben nicht nur weniger Geld und damit später auch weniger Rente, Frauen in Teilzeit haben auch schlechtere Aufstiegsmöglichkeiten“, gibt die Gleichstellungsbeauftragte zu bedenken.

Frauen leider mehr unter den Corona-Folgen

Die allgemeine Beobachtung, dass Frauen unter den Folgen von Corona viel mehr zu leiden hatten als ihre Männer, kann Petra Bauer nur bestätigen.

Sorge bereitet hat ihr eine Zeit lang aber auch: Nicht in jeder Kommune gab es eine Gleichstellungsbeauftragte. Trotz gesetzlicher Grundlage waren im Berichtszeitraum 2016 bis 2018 nicht alle Kommunen im Landkreis mit einer Gleichstellungsbeauftragten besetzt. Dies waren die Stadt Nienburg, die Samtgemeinden Heemsen und Marklohe sowie der Flecken Steyerberg.

Die vorhandene Besetzung zu Beginn 2016 sah wie folgt aus: Landkreis Nienburg: hauptamtlich mit einer 50-Prozent-Stelle, Samtgemeinde Mittelweser: nebenamtlich, Stadt Rehburg-Loccum: nebenamtlich, Samtgemeinde Hoya: nebenamtlich, Samtgemeinde Liebenau: ehrenamtlich, Samtgemeinde Uchte: ehrenamtlich und Samtgemeinde Steimbke: ehrenamtlich. Dieses Defizit ist zwar mittlerweile behoben, für Petra Bauer besteht jedoch in dem einen oder anderen Fall noch Optimierungsbedarf.

Nachgebessert werden sollte nach Überzeugung Bauers aber sozusagen auch noch in eigener Sache: „Die regelmäßigen Termine des Verwaltungsvorstands finden ohne meine Beteiligung statt. Dies schränkt die Möglichkeit ein, frühzeitig Informationen zu erhalten, um auf mögliche Gleichstellungsthemen und deren Auswirkungen innerhalb der Verwaltung aufmerksam zu machen“, gibt Petra Bauer zu bedenken.

Aus ihrem Etat von 16.000 Euro unterstützt die Gleichstellungsbeauftragte Kurse, die das Selbstbewusstsein von Frauen und Mädchen stärken, Maßnahmen zur Berufsorientierung und Projekte, die Frauen ermutigen sollen, sich politisch zu engagieren.

Nienburgs Kreistag setzt sich aktuell zusammen aus zwölf Frauen und 36 Männern.

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Erstellt:
8. August 2020, 18:30 Uhr
Lesedauer:
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