2014 wurde im Landkreis Nienburg vom Grundversorger e.on in 280 Haushalten der Strom abgestellt.  Hagebölling

2014 wurde im Landkreis Nienburg vom Grundversorger e.on in 280 Haushalten der Strom abgestellt. Hagebölling

Landkreis 05.11.2016 Von Edda Hagebölling

In 280 Haushalten den Strom abgestellt

Arbeitskreis „Stoppt Energiesperren“ und Landkreis informieren per Flyer bei drohender Sperre von Strom, Gas oder Wasser

Nienburg. 2014 wurde im Landkreis Nienburg vom Grundversorger e.on in 280 Haushalten der Strom abgestellt. Für die Verantwortlichen der „Herberge zur Heimat“, des Diakonischen Werks, der Paritäten und der Bürgerinitiative „Bedingungsloses Grundeinkommen“ ein unhaltbarer Zustand.

Hilfe für die Menschen, denen e.on den Strom

gesperrt hat

Um die Menschen zu unterstützen, die ohne Strom leben müssen, und denen zur Seite zu stehen, denen eine Energiesperre droht, haben sich die genannten Verbände und Initiativen zum Arbeitskreis „Stoppt Energiesperren“ zusammengeschlossen. Gemeinsam mit dem Landkreis Nienburg wurde der Flyer „Schulden oder drohende Sperre bei Strom, Wasser und Gas – Was kann ich tun?“ entwickelt.

Dieser dürfte von der Kreisverwaltung mittlerweile an die öffentlich relevanten Einrichtungen verschickt worden sein, ist bei den beteiligten Wohlfahrtsverbänden zu bekommen, sollte nach deren Überzeugung vom Energieversorger aber auch zwingend an die Kunden verschickt werden, die mit der Zahlung der Rechnungen für Strom, Wasser oder Gas im Verzug sind.

Natürlich kann der

Flyer nur ein

Zwischenschritt sein

„Natürlich kann der Flyer nur ein Zwischenschritt sein“, sind sich Anke Keimer (Herberge zur Heimat), Marion Schaper (Diakonisches Werk), Wolfgang Lippel (Paritäten) und Wolfgang Kopf (Bürgerinitiative Grundeinkommen) einig.

Im Verlauf eines Treffens mit der Harke am Sonntag riefen sie die politisch Verantwortlichen erneut dazu auf, die Ursachen der immer weiter um sich greifenden Energiearmut zu beseitigen.

„Der aktuell geltende Regelsatz für ALG II-Empfänger ist einfach zu niedrig“, sind sich die Anwesenden seit langem einig. An ein Leben in Menschenwürde sei allenfalls bei einem Regelsatz von 500 Euro für Alleinstehende – bisher 404 Euro – zu denken. Auch sind sie überzeugt, dass die zugrunde gelegten Berechnungen für Miete und Energie schon seit langem nicht mehr der Realität entsprechen.

Überhaupt nicht nachzuvollziehen ist aus Sicht der Flyer-Initiatoren ferner, warum der Zuschuss zu den Stromkosten im Regelsatz enthalten ist und nicht als Kosten der Unterkunft gewertet werden. Und wie es einem ALG-II-Empfänger gelingen soll, auch noch Rücklagen zu bilden.

Sollte sich an dem Regelsatz nichts Wesentliches ändern, hätten die Betroffenen keine Chance, aus dem Teufelskreis der Armut herauszukommen.

„Bezieher von ALG II wohnen natürlich nicht in modernen und gut isolierten Wohnungen, verfügen nicht über energiesparende Kühlschränke und Waschmaschinen, bekommen ihr warmes Wasser nicht selten per Durchlauferhitzer“, so die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Treffens.

e.on-Krake in München ohnehin nahezu unerreichbar

Wofür ihnen ebenfalls das Veständnis fehlt: Der Strom kann vom Grundversorger ohne viel Federlesens abgestellt werden. Mahnungen würden zwar verschickt, da der Betroffene diesen jedoch in der Regel hilflos ausgeliefert sei, würde selten versucht, das Gespräch zu suchen. „Zumal die e.on-Krake in München für ihre Kunden ohnehin nahezu unerreichbar ist“, so Wolfgang Kopf.

Der Sprecher der Bürgerinitiative „Bedingungsloses Grundeinkommen“ hat überhaupt kein Verständnis dafür, warum die Politik tatenlos zusieht. Auch fragt er sich, „wie das moralisch geht“.

Kopf verweist in diesem Zusammenhang auf eine EU-Richtlinie von 2009, in der die Mitgliedstaaten aufgerufen sind, nationale Aktionspläne zur Bekämpfung der Energiearmut zu schaffen und eine ausreichende Energieversorgung für schutzbedürftige Kunden zu gewährleisten.

Das eine oder andere europäische Land habe bereits gehandelt. In Frankreich sei es beispielsweise deutlich schwieriger, den Strom abzustellen. In Belgien werde zumindest im Winter bei niemandem der Strom abgestellt, und in Flandern gebe es eine kostenlose Mindestversorgung.

Dafür Sorge tragen, dass zumindest im Winter nirgendwo Strom oder Gas

abgestellt werden

Entsprechend appellieren die Mitglieder des Nienburger Arbeitskreises an die Verantwortlichen in der Politik und bei den Energiekonzernen, dafür Sorge zu tragen, dass auch im Landkreis Nienburg im bevorstehenden Winter bei niemandem die Strom- oder Gasversorgung abgestellt wird. Auch würden sie sich freuen, wenn die Mahnungen nicht weiter – wie offenbar gang und gäbe – rechtzeitig zu Weihnachten verschickt würden.

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Erstellt:
5. November 2016, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 56sec

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