Teilnehmende der Mahnwache von 2017 in der Nienburger Innenstadt. Schmädeke

Teilnehmende der Mahnwache von 2017 in der Nienburger Innenstadt. Schmädeke

Nienburg 03.03.2018 Von Die Harke

In Gedenken an Fukushima

Mahnwache am kommenden Samstag in der Nienburger Innenstadt

25 Jahre nach der Explosion von Tschernobyl, am 11. März 2011, kam es im japanischen Atomkraftwerk (AKW) Fukushima Daiichi zu einem weiteren Super-GAU. Die Atomkatastrophe dauert bis heute an, mit gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen von immensem Ausmaß. Darauf soll eine Mahnwache am kommenden Samstag, 10. März, ab 11 Uhr in der Nienburger Innenstadt hinweisen. Die Veranstalter vom Anti-Atom Kreis Nienburg schreiben dazu: „Es ist kein Jahrestag, der an etwas Vergangenes erinnert, sondern er lenkt unseren Blick auf die noch andauernde Katastrophe in Japan. Das ist leider immer weniger Menschen hierzulande bewusst. Denn Menschen vergessen schnell und neigen dazu, Gefahren, denen sie jeden Tag ausgesetzt sind, zu verharmlosen oder sie gar nicht mehr wahrzunehmen.

Katastrophen lassen sich nicht durch Wahrscheinlichkeitsrechnungen vorhersagen, so die These des Risikoforschers Nassim Taleb. Er spricht vom ‚Schwarzen Schwan‘ als Sinnbild für sehr seltene, katastrophale Ereignisse, die wir uns nicht vorstellen können oder wollen, die aber gleichwohl geschehen. Die Atomkatastrophe von Fukushima ist so ein ‚Schwarzer Schwan‘. Am 11. März dauert das Unglück bereits seit sieben Jahren an.“

Der Tag erinnert uns auch daran, dass die sieben AKW, die noch unvermindert weiter laufen immer älter und störanfälliger werden. Jeden Tag ein bisschen mehr.

Anti-Atom Kreis Nienburg

Kritik übt der Kreis an der aktuellen Situation: „Wäre die Menschheit nicht so meisterhaft im Verdrängen, gäbe es wohl längst keine Atomkraftwerke mehr. Nicht bei uns und nicht anderswo in der Welt. Allein in Deutschland laufen jedoch trotz Ausstiegsbeschluss immer noch sieben AKW. Ein Super-GAU ist auch hier jederzeit möglich. Das Risiko eines atomaren Super-GAUs ist also auch in unserem Land eine allgegenwärtige und sehr reale Bedrohung. Die meisten der noch in Betrieb befindlichen AKW sollen sogar noch bis 2022 weiterlaufen. Und jeden Tag werden ungeheure Mengen von hochradioaktivem Atommüll produziert, von denen niemand weiß, wohin damit.“

An mehr als 147.000 Plätzen stapeln sich nach Angaben der Anti-Atom Kreises in der Gegend um Fukushima gigantische Halden von schwarzen Säcken, gefüllt mit radioaktiv verseuchtem Erdboden, den Säuberungstrupps abgegraben haben. Diese „Big Bags“ von Fukushima seien zum Symbol für die Folgen des Super-GAU geworden.

Zur Mahnwache heißt es in einer Pressemitteilung: „Der Tag erinnert uns auch daran, dass die sieben AKW, die noch unvermindert weiter laufen immer älter und störanfälliger werden. Jeden Tag ein bisschen mehr. Es ist also bitter notwendig, rund um den 11. März aktiv zu werden und die Gefahren der Atomkraft zu thematisieren.“

Mit der Mahnwache in der Fußgängerzone Lange Straße /Ecke Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße wollen die Organisatoren am Samstag ab 11 Uhr an die seit sieben Jahren andauernde Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima erinnern. Gleichzeitig erneuert der Anti-Atom Kreis seine Forderung nach einem sofortigen Aus aller Atomanlagen und dem Stopp der restlichen sieben Atomkraftwerke in Deutschland. Er fordert: „Mehr Tempo beim Atomausstieg!“

Uwe Schmädeke vom Anti-Atom Kreis Nienburg fasst die aktuelle Situation so zusammen: „Sieben Jahre dauert die Katastrophe in Japan nun schon an – und immer mehr wird ihr wahres Ausmaß sichtbar: immer noch gesperrte, kontaminierte Gebiete, gesundheitliche Folgeschäden durch Strahleneinwirkung in der Bevölkerung und außer Kontrolle geratene Reaktoren. Die Mahnwache in Nienburg soll die Verbundenheit mit den Opfern und der Bevölkerung in Japan zeigen und gleichzeitig die hiesige Bevölkerung daran erinnern, dass auch in Deutschland noch gefährliche Atomkraftwerke in Betrieb sind, in denen es jederzeit auch zu einem Super-GAU kommen kann. Das nächste AKW steht nur circa 60 Kilometer entfernt in Grohnde.“

Zum Artikel

Erstellt:
3. März 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 48sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.