Mit Ablauf der Freibadsaison 2016 ist definitiv Schluss: Waltraut Heidorn.

Mit Ablauf der Freibadsaison 2016 ist definitiv Schluss: Waltraut Heidorn.

Holtorf 06.08.2016 Von Edda Hagebölling

In Holtorf endet eine Ära

Nach Ablauf der Freibadsaison 2016 legt Waltraut Heidorn ihr Amt als Vorsitzende des Fördervereins nieder

Von Edda Hagebölling

Holtorf. „Du musst das Bad retten.“ Waltraut Heidorn erinnert sich noch gut an den Tag im Jahr 1997, an dem dieser nahezu flehentliche Appell an sie herangetragen wurde. „Zu diesem Zeitpunkt hatte die Stadt zwar noch nicht öffentlich ausgesprochen, dass sie das Holtorfer Bad schließen wollte, doch es lag was in der Luft“, so die gebürtige Berlinerin beim Treffen mit der Harke am Sonntag. Drei Nächte habe sie darüber geschlafen, dann war‘s entschieden. Zum ersten Treffen in Vogelers Haus kamen 88 Frauen und Männer. Schon beim zweiten Mal gründeten ebendiese den Verein zur Förderung und Erhaltung des Holtorfer Freibades. Und wählten Waltraut Heidorn zu ihrer Vorsitzenden. Fast 20 Jahre ist das jetzt her.

Für die Vorsitzende genau der richtige Zeitpunkt, um es gut sein zu lassen. Diese Freibadsaison ist für sie definitiv die Letzte. Im Oktober wird sie im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung ihr Amt niederlegen. Eine Vorstellung, mit der sie mittlerweile gut leben kann. Eine Abschiedsfeier will sie auf gar keinen Fall. Der ehemaligen Leiterin des Holtorfer Kindergartens – 2001 wurde sie in den Ruhestand verabschiedet – ging es in all ihrem Engagement immer in erster Linie um die Kinder, wie sie betont.

Dass sich die Leitung des Holtorfer Freibades zu einem Fulltime-Job entwickeln würde, war der ehemaligen Erzieherin, die noch Erich Honecker zum Chef hatte, klar.

Das weitläufige Gelände am Dobben wurde zu ihrem zweiten Zuhause. Erst recht, als vor rund zehn Jahren die Eisbahn und kurz darauf die Minigolf-Anlage dazu kamen.

Tatkräftig unterstützt wurde sie in den Anfängen von Heinrich Heitmüller, Bernhard Flögel und Jürgen Müller. „Auf die Idee mit der Eisbahn brachte mich seinerzeit Dr. Ralf Weghöft“, erinnert sich Waltraut Heidorn noch gut.

Von der Stadt Nienburg bekam der Verein in den ersten Jahren einen Zuschuss von 100 000 Euro. „140 000 Euro mussten wir selbst erwirtschaften“, so die scheidende Vorsitzende. Der Eigenanteil erhöhte sich entsprechend, als die Stadt nur noch 50 000 Euro zum Erhalt des Holtorfer Freibades beisteuerte. Seit zwei, drei Jahren bekommt der Verein immerhin 60 000 Euro.

„Bei ständig steigenden Kosten“, so Waltraut Heidorn. Die Rechnungen für Wasser und Strom belaufen sich ihren Angaben zufolge Jahr für Jahr auf rund 20 000 Euro, die für die Chemie auf 6 000, der neue Chlorraum habe ebenfalls 20 000 Euro, das vor kurzem erfolgte Reparieren der Pumpen 7 000 bis 8 000 Euro gekostet. In dieser Rechnung noch nicht enthalten sind die Gehälter.

„Dass wir das immer wieder hinbekommen haben, liegt im Wesentlichen an dem unermüdlichen Einsatz vieler, vieler ehrenamtlicher Helfer, aber auch daran, dass uns viele Firmen und Privatpersonen so wohlgesonnen waren“, so die Holtorferin.

Dass die Minigolf-Anlage realisiert werden konnte, habe der Verein beispielsweise der Firma Schlamann zu verdanken. „Deren Chef hatte mir irgendwann einmal angeboten: Frau Heidorn, sagen Sie mir, wenn ich für Sie etwas tun kann“, erinnert sich besagte Frau Heidorn noch gut.

Oder das Ehepaar Eggers, das gerne mit den Enkeln nach Holtorf kommt. „Vor ein paar Jahren haben Gitta und Heinrich Eggers dafür gesorgt, dass das Schwimmerbecken auch über eine Treppe zu erreichen ist.“

Oder die Firma Deterding, oder die Avacon, die alle Grundschulen im Kreis im Winter auf die Eisbahn eingeladen hat. „Oder der Chef der Stadtwerke, der mir versprochen hat: Frau Heidorn, bevor ich gehe, bekommen Sie von uns warmes Wasser“, so die Vorsitzende. Das war vor vier Jahren. Seitdem gibt es auf dem Gelände des Holtorfer Freibades ein BHKW.

In guter Erinnerung ist der Holtorferin aber auch Theater-Spielleiter Jörg Meyer. Er hatte es vor genau zehn Jahren möglich gemacht, dass niemand Geringerer als Robbie Williams auf dem Gelände des Holtorfer Freibades ein Konzert gab.

Und natürlich auch diejenigen, die dafür gesorgt haben, dass Waltraut Heidorn sowohl mit dem Nienburg-Ring als auch mit der Bundes-Verdienstmedaille ausgezeichnet und – 2010 – für den deutschen Ehrenamtspreis nominiert wurde.

Die Freibad-Chefin geht in dem guten Gefühl, ihren Beitrag zum Wohl der Allgemeinheit geleistet zu haben. Und auch in der Überzeugung, die Leitung des Bades beruhigt in die Hände von Mitarbeiter Nick Rau legen zu können.

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Erstellt:
6. August 2016, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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