Paul Hill/Fotolia

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Nienburg 21.11.2018 Von Andreas Wetzel

In mehr als 50 Jahren nichts dazugelernt

77-jähriger „Berufsverbrecher“ zu Freiheitsstrafe verurteilt

Ein 77-jähriger Nienburger wurde jetzt vor dem Amtsgericht Nienburg angeklagt, im November 2017 ein führerscheinpflichtiges Fahrzeug geführt zu haben, ohne im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis zu sein. Darüber hinaus wurde er angeklagt, im Besitz eines Kleinkaliberrevolvers und der passenden Munition gewesen zu sein und nur dafür die erforderliche Erlaubnis gehabt zu haben. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahre und drei Monaten ohne Bewährung verurteilt. Gegen den Angeklagten waren vom Amtsgericht jeweils Strafbefehle zugestellt worden, gegen die er Widerspruch einlegte, sodass es nunmehr zur Verhandlung vor dem Amtsgericht kam.

Im Rahmen einer Verkehrskontrolle war der Angeklagte angehalten worden. Dabei hatte er einen tschechischen Führerschein vorgezeigt. Die kontrollierenden Polizeibeamten hegten den Verdacht, dass dieser Führerschein gefälscht sein könnte und stellten ihn sicher.

Bei einer Untersuchung durch eine Dokumentenprüferin der Polizei Sulingen kam heraus, dass es sich bei dem Führerschein um eine Fälschung handelte.

Im Frühjahr 2018 war dann der Polizei angezeigt worden, dass der Angeklagte im Besitz eines Revolvers sein soll, sodass eine Durchsuchung angeordnet wurde, die im Mai dieses Jahres durchgeführt wurde. Bei der Durchsuchung wurde der Revolver geladen mit sechs Schuss Munition in einem Kasten einer Klappcouch aufgefunden.

Vor Gericht ließ sich der Angeklagte anwaltlich vertreten. Wie sein Anwalt erklärte, habe der Angeklagte den Führerschein 2003 in Tschechien erworben und fahre damit seither in Deutschland. Darüber hinaus zweifelte der Verteidiger die Kompetenz der Dokumentenprüferin an.

Zu der Waffe äußerte der Anwalt, dass sein Mandant in der Zeit von Januar bis Anfang Mai einen längeren Krankenhausaufenthalt hatte und deshalb nicht in seiner Wohnung war und irgendjemand ihm die Waffe „untergeschoben“ habe, sodass er auch dafür nicht verantwortlich sei.

Durch Zeugenaussagen bestätigte sich, dass der Führerschein tatsächlich total gefälscht war. Eine Eintragung beim Kraftfahrtbundesamt existiert nicht.

Die Staatsanwaltschaft hielt dem Angeklagten vor, dass er bereits in den Jahren 2007 und 2008 wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt wurde, einem Zeitraum, in dem er schon den tschechischen Führerschein erworben haben wollte.

Zum Waffenfund wurde der Ermittlungsführer der Polizei vernommen. Er gab an, dass eine schriftliche Anzeige bei der Polizei eingegangen war, sodass man den Durchsuchungsbeschluss beantragt habe. Bei der Durchsuchung wurde schließlich im Wohnzimmer im Unterbaukasten der Couch die Waffe zwischen anderen Gegenständen in einer Plastiktüte gefunden.

Ein Verwandter des Angeklagten wurde vernommen, der, wie sich herausstellte, der Anzeigeerstatter war. Anlass für die Anzeige war, dass der Angeklagte einige Tage zuvor mit der geladenen Pistole herumhantiert hatte und unter anderem seiner Tochter vor den Kopf gehalten habe und grinsend gefragt habe. „Soll ich abdrücken?“

Zum Schluss der Beweisaufnahme wurde der Auszug aus dem Bundeszentralregister verlesen. Dieser wies insgesamt 40 Eintragungen auf. Unter anderem hatte der Angeklagte auch längere Haftstrafen wegen sexueller Nötigung und Einbrüchen verbüßen müssen und in zahlreichen Fällen Strafen wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis erhalten.

Die Staatsanwaltschaft beantragte schließlich eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu zehn Euro, während der Verteidiger Freispruch beantragte, da keine der beiden Taten seinem Mandanten zweifelsfrei nachgewiesen werden könne.

Nach kurzer Unterbrechung verurteilte das Gericht den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten, die nicht mehr zu Bewährung ausgesetzt wurde. Das Gericht führte in der Urteilsbegründung aus, der Angeklagte habe über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren nichts hinzugelernt und sei immer wieder straffällig geworden.

Vor allen Dingen habe er immer wieder einschlägige Straftaten wie Fahren ohne Fahrerlaubnis, Trunkenheit im Straßenverkehr und Einbrüche begangen, sodass es der Bevölkerung nicht mehr zu verkaufen sei, dass ein solcher Mann nicht ins Gefängnis wandern würde. Er sei ein „Berufsverbrecher“, führte das Gericht aus.

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Erstellt:
21. November 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 52sec

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