Die Albert-Schweitzer-Schule ermöglicht auch Reisen zur Partnerschule in Indien, hier ein Foto von einem früheren Aufenthalt der Nienburger.Foto: ASS

Die Albert-Schweitzer-Schule ermöglicht auch Reisen zur Partnerschule in Indien, hier ein Foto von einem früheren Aufenthalt der Nienburger. Foto: ASS

Nienburg 14.05.2020 Von Die Harke

Indien, USA, Frankreich, England, Polen ...

Die Nienburger Albert-Schweitzer-Schule pflegt Auslandskontakte auch in Corona-Zeiten

Die Nienburger Albert-Schweitzer-Schule pflegt seit vielen Jahren Partnerschaften mit Indien, Amerika und Frankreich, auch Fahrten nach Polen und nach Spanien sind durchgeführt worden und blicken zum Teil auf eine lange Tradition zurück. Seit Jahren fährt die ASS auch nach Eastbourne. Auch diesmal ist eine Fahrt für 50 Achtklässler geplant, die in Gastfamilien einen Sprachkurs absolvieren. „Was Eastbourne 2020 betrifft, so haben wir den Fahrttermin erst einmal verschoben, statt im Juni ist nun geplant, vom 25. September bis 2. Oktober zu fahren, je nachdem, wie die Lage sich entwickelt“, erklärt Claudia Wengler, die die Englandfahrt koordiniert.

Seit 2001 besteht das Austauschprogramm mit Frankreich, initiiert durch Antje Falldorf-Podehl auf deutscher und Regina Carrique auf französischer Seite. Alle zwei Jahre findet der Austausch mit der Partnerschule Lycée Raymond Queneau in Yvetot, Normandie statt, an dem etwa 25 Neunt- und Zehntklässler teilnehmen. Der nächste Austausch ist für das Schuljahr 2021/22 angedacht.

„Amerika, Amerika“ im Herbst

„Amerika, Amerika“ heißt es für knapp 20 Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge elf und zwölf im Herbst. Dann soll der nächste Austausch mit der Arrowhead Park High School in Las Cruces im US-Bundesstaat New Mexico stattfinden, genauer gesagt vom 3. bis 21. Oktober. Alle zwei Jahre findet dieses Highlight in der Oberstufenzeit statt – und das seit 1987. Die ASSler verbringen einen knappen Monat in Amerika und wohnen je einzeln in Gastfamilien.

Hilde Munk ist verantwortlich für eine ganz besondere Partnerschaft, denn die ASS pflegt seit mehr als zehn Jahren zusammen mit dem Verein „Arivu – Zukunft durch Bildung“ eine Partnerschaft mit dem St.-Johns-Wohnheim in Neerpair (Tamil-Nadu, Südindien). „Regelmäßig fährt eine Gruppe der ASS nach Indien, um sich dort mit den Schülern, Lehrern und Projektverantwortlichen auszutauschen. Im Gegenzug bekommen wir auch Besuch aus Indien, sodass alle Schülerinnen und Schüler der ASS die Chance haben, aus erster Hand etwas über das Leben in Indien zu erfahren“, berichtet Munk.

Funktionierende Fernbeziehungen zu Partnerschulen

Zu ihren Partnerschulen unterhält die ASS auch in Zeiten von „social distancing“ und Corona ,,funktionierende Fernbeziehungen“, wie Kerstin Blunk augenzwinkernd bemerkt. Aktuell berichten die Partner auch von ihrer Situation in Coronazeiten. ,,Seit Mitte März gibt es in Frankreich keinen Schulunterricht mehr, dafür aber verpflichtendes Homeschooling mit Aufgaben und Videokonferenzen. Der Schulbeginn war am 11. Mai. Die Abiturprüfungen wurden abgesagt, die Schüler bekommen die Vornoten als Abinoten, ansonsten herrscht Ausgangssperre“, weiß Kerstin Blunk von ihren Partnern in Yvetot zu berichten.

Aus Las Cruces in New Mexico schreibt Ingrid Luchini, Koordinatorin des Autausches auf US-Seite, dass es einige Verbote, meist aber nur Richtlinien gebe: „Gruppen von bis zu fünf Leuten dürfen zusammen spazieren gehen; bei uns im Viertel gehen die meisten allein oder zu zweit. Hier im Süden ist es leicht, sehr wenig anderen Leuten zu begegnen. Die Wüste ist sozusagen gleich vor der Tür.“ Sportanlagen seien dennoch geschlossen, kulturelle Veranstaltungen abgesagt.

Supermärkte, Baumärkte, Apotheken, Geschäfte mit Pflanzen, die auch essbar sind, seien geöffnet, begrenzten aber die Besucherzahl. Restaurants ist der ‚curbside take-out‘ (Essen zum Mitnehmen) gestattet. Mundschutz sei im Supermarkt empfohlen, auf 1,80 Meter Abstand werde streng geachtet. Gottesdienste und Schulunterricht findet nur über ‚Zoom‘, also Internet, statt. Noch sei die Stimmung gelassen.

Strikte Ausgangssperren in Indien

Dies ist in Indien nicht der Fall. Dort gibt es strikte Ausgangssperren, die Polizei setzt diese Regeln streng durch. ,,Auch an unserer Partnerschule, der Dr. Arulappa Schule in Neerpar, findet kein Unterricht mehr statt“, berichtet Munk. ,,Die Schülerinnen und Schüler, die im St. Johns Wohnheim für Schülerinnen und Schüler neben der Schule untergebracht sind, wurden alle nach Hause oder zu Verwandten geschickt.“

Die strengen Corona-Regeln träfen die Randgruppen der indischen Gesellschaft besonders hart. Im Falle von Indien seien dies viele Hundertmillionen Menschen. ,,Auch die Eltern der Schülerinnen und Schüler unserer Partnerschule sind in vielen Fällen unorganisierte Arbeiter, die für Tages- oder Wochenlöhne arbeiten und jetzt nicht mehr arbeiten dürfen. Dadurch haben diese Menschen jetzt keine Möglichkeit mehr, Geld zu verdienen, und sie haben auch keine staatlichen Absicherungen“, beklagt Munk.

Hinzu komme, dass die Familien in den Dörfern der Dalits mit vielen Menschen auf sehr engem Raum zusammenlebten und dass es oft nur einen Wasseranschluss für das gesamte Dorf gebe, sodass die Menschen nicht die Möglichkeit hätten, sich an die Hygieneempfehlungen zu halten. „Gerade auch in diesen Zeiten ist die Unterstützung der Partnerschule durch Arivu und die Indien-AG der ASS besonders wichtig. Unsere Freunde und Partner in Indien versuchen, diese Menschen durch Lebensmittelspenden und durch Tipps für eine sinnvolle Tagesgestaltung zu unterstützen“, erläutert Munk.

Auslandsfahrten und Austauschprogramme der ASS werden daher aus vielen Gründen hochgehalten: Sie ermöglichen das Pflegen von Partnerschaften und Erleben anderer Sprachen und Kulturen hautnah, aber bedürfen auch der Pflege der ‚funktionierenden Fernbeziehungen‘ in Zeiten wie diesen. Dem hat sich die ASS verschrieben.

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Erstellt:
14. Mai 2020, 16:54 Uhr
Lesedauer:
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