Einkaufserlebnis mit Wohlfühlgarantie: Nienburg Service-Vorstandsmitglied Jörg Kolossa

Einkaufserlebnis mit Wohlfühlgarantie: Nienburg Service-Vorstandsmitglied Jörg Kolossa

15.02.2015

„Innenstadtgestaltung geht uns zu langsam“

Einzelhandels-Sprecher Jörg Kolossa im Gespräch über sinkende Kaufkraft und boomenden Onlinehandel

Von Edda Hagebölling

Nienburg. Die Kaufkraft der Nienburger sinkt, der Online-Handel boomt und mit der Verschönerung der Innenstadt geht‘s kaum voran. Für die Harke am Sonntag Grund genug, einmal beim Nienburg-Service nachzufragen, wie die Stimmung so ist bei Nienburgs Einzelhändlern. Und ob sie nicht langsam die Geduld verlieren mit denen, die im Rathaus über Wohl und Wehe der Stadt entscheiden. „Das Problem mit der sinkenden Kaufkraft muss die Stadt unbedingt angehen“, stellt Jörg Kolossa unmissverständlich fest. Als Kassenwart im Vorstand der Werbegemeinschaft und Sprecher des Nienburger Einzelhandels weiß der Inhaber eines alteingesessenen Modehauses ziemlich genau, wo in der Kleinstadt Nienburg der Schuh drückt. Einen Grund, den Mut zu verlieren, sieht er dennoch nicht. „Zum einen ist unser landwirtschaftlich geprägter Landkreis finanziell gut aufgestellt, zum anderen kommen – nicht zuletzt wegen des B6-Ausbaus – auch immer mehr Neustädter zum Einkaufen nach Nienburg“, so Kolossa weiter.

Und auch der Online-Handel scheint dem Vorstand des Nienburg-Service nicht allzu viele schlaflose Nächte zu bereiten. „Zum einen ist die aktuelle Entwicklung für uns Ansporn, unser Angebot noch kritischer zu überprüfen als ohnehin schon, zum anderen nutzen auch wir die neuen Medien, um mit unseren Kunden zu kommunizieren. Per Facebook, per Newsletter oder per Mailing“, berichtet der Einzelhandelssprecher. Und ergänzt: „Für uns als Modehaus versteht es sich beispielsweise von selbst, dass wir unsere Kunden über die neuesten Trends auf den Modemessen in Düsseldorf oder Berlin per Email auf dem Laufenden halten.“

Auf die Fahnen geschrieben hat man sich beim Nienburg-Service aber auch, Nienburg noch mehr als Erlebnis-Einkaufsstadt auszubauen. Zum einen habe man die Firma Nolis mit der Entwicklung eines entsprechenden Internetportals beauftragt. „Zum anderen wollen natürlich auch wir selbst dazu beitragen, dass sich der Kunde gerne auch länger in der Stadt aufhält“, so der Geschäftsmann. Und die eigenen Stärken noch mehr betonen. „Wir verstehen uns längst als Gastgeber, der quasi in sein Wohnzimmer einlädt und dem Besucher die Möglichkeit bietet, die Ware vor dem Kauf genau in Augenschein zu nehmen, anzufassen und – natürlich – auch anzuprobieren. Und ihm damit so ganz nebenbei auch noch das lästige Paket-Hin-Und-Her-Geschicke erspart“, berichtet Jörg Kolossa weiter.

„Allerdings“, schränkt er ein, „ist all unsere Mühe nahezu vergebens, wenn nicht auch die Stadt selbst zum Verweilen einlädt.“

Verstehen kann der Nienburg-Service-Kassenwart beispielsweise nicht so recht, warum dem Kulturwerk ohne große Diskussion Jahr für Jahr 200 000 Euro zur Verfügung gestellt wurden, die Werbegemeinschaft aber um einen Zuschuss von 5 000 Euro für die Weihnachtsbeleuchtung ringen musste. Völlig unverständlich ist für ihn außerdem, warum der Posthof „als eines der Herzstücke der Innenstadt vor sich hingammelt“. „Ich verstehe – gerade vor dem Hintergrund leerer Kassen – die Verhältnismäßigkeit nicht so recht“, so Kolossa.

„Natürlich ist Kultur wichtig, und natürlich können wir in Nienburg nur etwas erreichen, wenn alle – Politik, Verwaltung und Wirtschaft – an einem Strang ziehen. Die Innenstadtgestaltung geht uns Geschäftsleuten jedoch deutlich zu langsam voran“, fährt der Unternehmer fort.

„Wie lange reden wir schon von der Möblierung der Innenstadt. Doch die Bänke, die zum Verweilen einladen sollen, werden immer weniger und Schaukeltiere für Kinder gibt es nach wie vor nicht. In Nienburg ist irgendwie alles so schwierig“, entfährt es dem Unternehmer.

Beim Nienburg-Service geht man allerdings fest davon aus, dass die Leinstraße noch in diesem Frühjahr wieder für den Verkehr geöffnet wird. Die Idee, auch die Jahnstraße zwischen Tiefgarage Burgmannshof und Bisquitstraße wieder zu öffnen, hält man dort ebenfalls nicht für abwegig. „Die Erfahrung zeigt, dass Innenstädte mit einer zu komplizierten Verkehrsführung von vornherein gemieden werden“, gibt der Sprecher des Nienburg-Service zu bedenken. Und betont abschließend: „Parkgebühren dürften in Nienburg kein Grund sein, nicht in die Stadt zu kommen. Sprechen Sie einfach das Fachgeschäft, in dem Sie einkaufen, auf eine Erstattung an.“

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Erstellt:
15. Februar 2015, 00:00 Uhr
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