CIMIC-Soldaten müssen Differenzen in Religion, Sitten und Gebräuchen überwinden, wenn sie mit Angehörigen anderer Kulturen aufeinandertreffen wie hier 2019 in Mali. Foto: Bundeswehr

CIMIC-Soldaten müssen Differenzen in Religion, Sitten und Gebräuchen überwinden, wenn sie mit Angehörigen anderer Kulturen aufeinandertreffen wie hier 2019 in Mali. Foto: Bundeswehr

Langendamm 24.09.2020 Von Die Harke

„Intoleranz hat bei uns keine Chance“

Offenheit für andere Kulturen ist Leitgedanke beim Multinational CIMIC Command

Die Soldatinnen und Soldaten des Multinational CIMIC Command (MN CIMIC Cmd) in Langendamm verbringen einen wesentlichen Teil ihrer Dienstzeit im Ausland.

Von Afghanistan bis Mali sind sie im Rahmen internationaler Stabilisierungseinsätze unterwegs. Ihre wesentliche Aufgabe besteht in der Kommunikation mit staatlichen Organisationen und der Bevölkerung in den jeweiligen Einsatzländern. Viel Fingerspitzengefühl und Offenheit für andere Kulturen sowie Kenntnisse über Sitten, Riten und Gebräuche sind gefragt.

Hauptmann Jens Rosenthal leitet das Sachgebiet Einsatz im MN CIMIC Cmd und war schon sechsmal im Auslandseinsatz. In Afghanistan, im Kosovo und in Mali hat er seine Erfahrungen gesammelt. Er erklärt: „Wer mit Vorurteilen auf einen Gesprächspartner zugeht, kann gleich wieder umkehren, den können wir da nicht brauchen.“ Schon die CIMIC-Teams (CIMIC = Civil Military Cooperation, englisch für Zivil-Militärische Zusammenarbeit) seien multinational zusammengesetzt.

Rosenthal ist überzeugt: „Für Extremismus und Fremdenfeindlichkeit gibt es hier keinen Nährboden.“ Wer an einem Auslandseinsatz teilnehme, müsse vorher eine ganze Reihe von Ausbildungen absolvieren, in denen auch interkulturelle Kompetenz vermittelt werde. „Unsere Kontaktpersonen in den verschiedenen Einsatzländern haben oft ganz andere Auffassungen von Kultur, Religion und Ethik als wir. Damit müssen wir umgehen können. Wir dürfen keine Abneigung empfinden, die unser Gegenüber spüren könnte.“

Nach unterschiedlichen Schätzungen sind beispielsweise 1500 bis 3000 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr muslimischen Glaubens. Auch am MN CIMIC Cmd sind einige von ihnen tätig. „Bei Einsätzen in muslimischen Ländern ist ihre Rolle als Berater und Vermittler von unschätzbarem Wert“, lobt Rosenthal.

Eine ehemalige Soldatin des MN CIMIC Command, die als Muslima zu dieser Gruppe zählt, ist Leutnant zur See Nariman Hammouti. Als Kind marokkanischer Eltern in Hannover geboren, ging sie 2005 zur Bundeswehr und war von August 2014 bis November 2015 im damaligen Zentrum Zivil-Militärische Zusammenarbeit der Bundeswehr in Langendamm, das heute den Namen MN CIMIC Cmd trägt. Sie war schon zweimal im Afghanistan-Einsatz.

Heute ist sie Vorstandsvorsitzende des Vereins Deutscher.Soldat. e.V., der sich gegen Rassismus und Diskriminierung auf einem politischen Weg einsetzt, hat ein Buch über dieses Thema geschrieben und engagiert sich für moderne Integrationspolitik, unter anderem in der Kommission für Migration und Teilhabe des Niedersächsischen Landtags. Hammouti sagt: „Schubladendenken ist schuld an Diskriminierung und Rassismus.

Wenn wir alle die Schublade geschlossen halten, auch wenn es schwerfällt, können wir viel erfolgreicher unser Land gestalten. Das gilt auch für den Auftrag in militärischen Missionen. Innerhalb der Bundeswehr macht uns die Uniform gleich. Unser Auftrag eint zu einer Gemeinschaft. Davon kann sich die zivile Gesellschaft einiges abgucken.“

Oberregierungsrätin Ariane Knechtel ist Truppenpsychologin am MN CIMIC Cmd. Sie ist bei der Ausbildung und Einsatzvorbereitung ihrer Kameradinnen und Kameraden, die in die Einsätze gehen, eingebunden. Eigene Erfahrungen hat sie in Einsätzen im Kosovo und in Mali gesammelt. „Ich habe beide Einsätze als unglaublich bereichernd erlebt, da ich andere Lebenswelten kennen lernen durfte“, sagt Knechtel.

Spannend fand sie die Unterschiede zum Leben in Deutschland in verschiedenen Bereichen wie Klima, Kultur, Religion und Lebenszufriedenheit und wie sich diese sowohl auf den Alltag der lokalen Bevölkerung als auch auf einen selbst auswirken.

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Erstellt:
24. September 2020, 19:12 Uhr
Lesedauer:
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