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Vorstände der Volksbanken mit Referenten und Moderator Henrich Meyer zu Vilsendorf (rechts). Foto: LWK Niedersachsen

Vorstände der Volksbanken mit Referenten und Moderator Henrich Meyer zu Vilsendorf (rechts). Foto: LWK Niedersachsen

Nienburg 06.11.2019 Von Die Harke

Investieren trotz Widerständen

Volksbank-Agrar-Forum bietet Perspektiven

Die Landwirte in der Region sind zwar grundsätzlich investitionsbereit. Politische Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Kritik lassen die Erzeuger jedoch zögern. Strategien für die Zukunft der Landwirtschaft diskutiert das Volksbank-Agrar-Forum unter dem Motto „Geschäftsmodell Bauernhof - Denkanstöße“. Festhalten lässt sich danach zunächst: Landwirte gehen mit Freude an ihre Arbeit und blicken positiv auf das was sie tun. Die Ergebnisse einer entsprechenden Umfrage präsentierte Jörn G. Nordenholz, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Sulingen in Rehden.

Während des 12. Agrar-Forums ergab sich allerdings ein differenziertes Bild zur positiven Grundstimmung. Die mit der Nienburger Bezirksstelle der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) und dem Landvolk Diepholz abgestimmte Untersuchung belege mehrere Problemfelder, heßt es in einer Pressemitteilung der Veranstalter. So benennen in dem Volksbank-Agrar-Baromter rund 75 Prozent der mehr als 300 teilnehmenden Landwirte „fehlende Planungssicherheit und unsichere politische Rahmenbedingungen“ als Hemmnisse für Investitionen. Auf die Stimmungslage von mehr als 70 Prozent der befragten Erzeuger wirke das kritische öffentliche Meinungsbild zur Landwirtschaft „besonders negativ“.

„Wir stehen den Landwirten auch in schwierigen Zeiten zur Seite“, sagte Nordenholz während der Veranstaltung. Volksbanken seien, wie die Landwirte, im besten Sinne regional verwurzelt. Gemeinsam mit Heinrich Meyer zu Vilsendorf, Leiter der LWK-Bezirksstelle Nienburg, kündigte Nordenholz an, dass künftig jährlich ein Agrar-Barometer erstellt werde.

In Vorträgen und der anschließenden Diskussion mit dem Journalisten Dietrich Holler vom Berliner Redaktionsbüro „vox viridis“ gaben renommierte Experten den Landwirten wichtige Impulse für die Betriebsstrategie: Dr. Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und Albrecht Macke von der Gesellschaft BB Göttingen erläuterten zentrale strategische Komponenten, aufgeteilt nach „Ackerbau“ und „Tierhaltung“. Die Experten waren sich einig: Größe sei nicht automatisch ein Erfolgsfaktor. Wachstum und Entwicklung könne sehr vielfältig sein, dabei gehe Qualität vor Quantität.

Dass die Betriebsgröße nicht für den unternehmerischen Erfolg allein entscheidend sei, zeigten Sebastian Ermann und Anne Körkel. Landwirt Ermann aus Senden managt einen Großbetrieb mit Schweinehaltung und Ackerbau. Körkel bewirtschaftet unter der Marke „Annes Ha(h)nauer“ einen kleinen Geflügelbetrieb in Baden-Württemberg.

Trotz denkbar unterschiedlicher Konzepte sind beide mit ihren betriebswirtschaftlichen Ergebnissen zufrieden. Weder der Geflügelhof noch der Großbetrieb stellen aber Selbstläufer dar: Kurz- und langfristige Strategien müssen regelmäßig an neue wirtschaftliche und agrarpolitische Rahmenbedingungen angepasst werden. Ermann machte mit seinen Ausführungen die Bedeutung des Unternehmertums deutlich: „Unternehmer sein bedeutet unternehmen und nicht unterlassen“.

Körkel, die sich als „Mutbotschafterin“ versteht, ermunterte das Publikum, den jeweils eigenen Weg zu finden: „Wenn ich das mache, was zu mir passt, dann bin ich als Unternehmer auch erfolgreich.“ Zufrieden ist auch Bernhard Brand aus Dersum mit seinem Bio-Betrieb. In der öffentlichen Meinung zwar favorisiert, müsse sich die ökologische Landwirtschaft jedoch genauso wie die konventionelle Wirtschaftsweise am Markt beweisen. Brand habe einen Teil seines Betriebes auf Bio umgestellt und baue für die Eierproduktion Hanf als Futter an, womit er Neuland beschreite. Für ihn sei die vertragliche Absicherung der Produktion ein wichtiger Faktor. Die Bullenmast sei aus betriebswirtschaftlichen Gründen konventionell geblieben, erklärte der Landwirt aus dem Emsland.

Den Markt im wörtlichen Sinn präsentierte Uta Kuhlmann-Warning. Sie ist Geschäftsführerin von „Hoftalente“, einem Lebensmittel-Markt mit regionalem Sortiment in Hannover. Die Jungunternehmerin kooperiert für das Projekt mit mehreren Landwirten aus Niedersachsen.

Gemeinsam bringen sie „die Landwirtschaft in die Stadt“ und wollen zu einem besseren Image der Branche beitragen.

Zu den in Landwirtschaft bislang unterschätzten Erfolgsfaktoren dürfte die Motivation zählen. Wie diese sich im Alltag integrieren lässt, war anlässlich des Agrar-Forums das Thema des Management-Trainers Uli Ernst. Jeder Unternehmer sei selbst für die Gestaltung seiner Zukunft verantwortlich und müsse dafür aktiv das für ihn passende tun. Der zusammenfassende Denkanstoß dieses Forums laute: „Es gibt nicht einen Weg für alle, aber für alle einen Weg“, heißt es abschließend in der Mitteilung.

Für das jährliche Forum kooperieren fünf niedersächsische Volksbanken: Aller-Weser, Nienburg, Sulingen, Syke und Vechta. Die Nienburger Bezirksstelle der Landwirtschaftskammer ist fachlicher Partner.

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Erstellt:
6. November 2019, 20:30 Uhr
Lesedauer:
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