Palästinenser tragen den Leichnam eines 11-jährigen Jungen, der nach palästinensischen Angaben bei den israelischen Luftangriffen getötet wurde. Foto: Mohammed Talatene/dpa

Palästinenser tragen den Leichnam eines 11-jährigen Jungen, der nach palästinensischen Angaben bei den israelischen Luftangriffen getötet wurde. Foto: Mohammed Talatene/dpa

Gaza/Tel Aviv 11.05.2021 Von Deutsche Presse-Agentur

Hamas weitet Raketenangriffe auf Israel aus

Militante Palästinenser haben innerhalb eines Tages rund 480 Raketen aus dem Gazastreifen in Richtung Israel abgefeuert. Davon wurden rund 200 abgefangen und 150 schlugen beim Start fehl, wie das israelische Militär am Dienstagabend mitteilte.

Die Armee geht aufgrund der Intensivierung der Raketenangriffe durch die im Gazastreifen herrschende, islamistische Hamas sowie die militante Gruppe Islamischer Dschihad von einer Zuspitzung des Gaza-Konflikts aus. Nach Angaben des Militärsprechers Jonathan Conricus würden die Raketen inzwischen auch auf weiter entfernte Orte im Norden des Küstengebiets abgefeuert.

Nach Darstellung des Sprechers wurden bislang mindestens 20 Mitglieder der beiden Organisationen getötet, darunter hochrangige Vertreter. Zudem seien mehr als 150 Vorrichtungen zum Abschuss von Raketen attackiert worden. Laut Conricus wurden viele von diesen in Gebieten stationiert, in denen Zivilisten wohnen. Zivile Opfer könnten daher nicht ausgeschlossen werden, auch wenn sich die Armee darum sehr bemühe.

Das israelische Militär reagierte auf die hundertfachen Angriffe aus dem Gazastreifen mit Dutzenden Luftangriffen auf Ziele in dem Küstengebiet direkt am Mittelmeer. Auf beiden Seiten gab es Tote. Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern hatte sich seit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan Mitte April zugespitzt. Inzwischen sind es die heftigsten Auseinandersetzungen seit mehreren Jahren. Der Ramadan geht diese Woche zu Ende.

Bei einem Raketenangriff militanter Palästinenser im Gazastreifen auf die Umgebung von Tel Aviv ist dort am Dienstag eine Frau ums Leben gekommen. Nach Medienberichten starb in der Stadt Rischon Lezion eine Frau bei einem direkten Einschlag der Rakete. Die Rettungsorganisation Zaka bestätigte den Todesfall.

In der Stadt Cholon südlich von Tel Aviv wurde am Dienstagabend ein Bus getroffen, er brannte aus. Erste Berichte über den Tod einer Frau bei diesem Zwischenfall wurden später nicht bestätigt. Mindestens sechs Menschen wurden bei dem Raketenangriff verletzt, wie die die Zeitung „Times of Israel“ unter Berufung auf Rettungsdienste berichtete.

Im Großraum Tel Aviv wurde bei massiven Raketenangriffen nach Angaben von Sanitätern weitere Menschen verletzt. Es war der bisher schwerste Angriff dieser Art auf die Küstenmetropole. Die islamistische Hamas hatte zuvor mit Angriffen auf Tel Aviv gedroht.

Ein Armeesprecher sagte, im Gazastreifen seien mindestens 15 Mitglieder der islamistischen Hamas und des militanten Islamischen Dschihads getötet worden.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza starben im Zuge der Gewalt bislang 28 Menschen, darunter zehn Kinder. Nach Berichten örtlicher Medien und von Augenzeugen wurden drei Kinder durch israelische Luftangriffe getötet, die übrigen sechs durch die fehlgeleiteten Raketen der Extremisten.

Die Bundesregierung verurteilte die Raketenangriffe auf Israel. „Es handelt sich um eine durch nichts zu rechtfertigende Eskalation in einer angespannten Lage“, sagte ein Regierungssprecher.

In den vergangenen Tagen hatte es zunächst vor allem in Jerusalem heftige Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gegeben. Auslöser waren unter anderem Polizei-Absperrungen in der Altstadt sowie drohende Zwangsräumungen von palästinensischen Familien im Viertel Scheich Dscharrah. Seit Montagabend beschießen militante Palästinenser Israel mit Raketen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sah eine rote Linie darin überschritten, dass auch Raketen in Richtung Jerusalem abgefeuert wurden. Er stimmte die Israelis auf einen längeren Konflikt ein.

Eine der zentralen Streitfragen im Nahost-Konflikt ist der Status Jerusalems. Israel beansprucht Jerusalem als „ewige und unteilbare Hauptstadt“ für sich. Die Palästinenser halten am Anspruch auf Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines unabhängigen Staates fest.

Seit der gewaltsamen Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen 2007 haben sich Israel und die radikale Palästinenserorganisation drei Kriege geliefert. Israel und Ägypten halten das Gebiet unter Blockade und begründen dies mit Sicherheitserwägungen. Etwa zwei Millionen Menschen leben dort - nach Angaben von Hilfsorganisationen unter miserablen Bedingungen. Im August 2020 verkündete die Hamas nach Vermittlung Katars eine Waffenruhe.

© dpa-infocom, dpa:210511-99-547778/16

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Erstellt:
11. Mai 2021, 21:38 Uhr
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