Ein palästinensischer Feuerwehrmann löscht ein Feuer, das nach einem israelischen Luftangriff in der südlichen Stadt Khan Younis im Gazastreifen ausgebrochen ist. Foto: Yasser Qudih/XinHua/dpa

Ein palästinensischer Feuerwehrmann löscht ein Feuer, das nach einem israelischen Luftangriff in der südlichen Stadt Khan Younis im Gazastreifen ausgebrochen ist. Foto: Yasser Qudih/XinHua/dpa

Tel Aviv/Gaza 17.05.2021 Von Deutsche Presse-Agentur

Israels Luftwaffe beschießt erneut Teile von Hamas-Tunneln

In einer dritten Angriffswelle hat das israelische Militär erneut das ausgedehnte Tunnelsystem der islamistischen Hamas im Gazastreifen beschossen. An dem nächtlichen Einsatz seien 54 Kampfflugzeuge beteiligt gewesen, attackiert worden seien 34 Ziele, teilte die Armee am Morgen mit.

Getroffen worden seien etwa 15 Kilometer des sogenannten Metro-Systems. Auch Häuser von neun hochrangigen Hamas-Kommandeuren wurden in der Nacht beschossen.

Militante Palästinenser setzten derweil ihren Raketenbeschuss auf Israel fort. Betroffen waren in der Nacht und am Montag vor allem an den Gazastreifen grenzende Gebiete sowie die Städte Aschkelon und Beerscheva.

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern hatte sich während des muslimischen Fastenmonats Ramadan und nach der Absage der palästinensischen Parlamentswahl fortlaufend zugespitzt. Als Auslöser gelten Polizeiabsperrungen in der Jerusalemer Altstadt, die viele junge Palästinenser als Demütigung empfanden. Hinzu kamen drohende Zwangsräumungen für palästinensische Familien im Jerusalemer Viertel Scheich Dscharrah und heftige Zusammenstöße auf dem Tempelberg (Al-Haram al-Scharif) in der Altstadt von Jerusalem. Die Anlage mit Felsendom und Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam - und sie ist auch Juden heilig, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen. Die im Gazastreifen herrschende Hamas hat sich zum Verteidiger Jerusalems erklärt.

Eskaliert war der Konflikt am Montagabend vor einer Woche. Nach Angaben des Militärs feuerten militante Palästinenser seither mehr als 3150 Raketen auf Israel ab. Etwa 460 der abgeschossenen Raketen seien noch in dem Küstengebiet niedergegangen. Zehn Menschen wurden bislang in Israel in Folge von Beschuss getötet. Das Abwehrsystem Eisenkuppel („Iron Dome“) habe eine Abfangquote von etwa 90 Prozent. Zum Vergleich: Während des 51-tägigen Gaza-Krieges im Jahr 2014 wurden insgesamt 4481 Raketen auf Israel abgefeuert.

Das Militär griff nach eigenen Angaben bisher mehr als 820 Ziele im Gazastreifen an. Mehr als 130 Mitglieder von Hamas und Islamischem Dschihad seien getötet worden.

Nach Angaben der Armee hatte die Hamas das nun erneut beschossene Tunnelsystem über Jahre aufgebaut. Nach Angaben eines Armeevertreters hat es eine Länge von Hunderten Kilometern. Es werde unter anderem benutzt, um innerhalb des Gazastreifens Kämpfer, Munition und Lebensmittel zu bewegen. Zuletzt beschossen worden seien zuletzt strategisch wichtige Orte des Netzes wie etwa Knotenpunkte. Die „Metro“ liegt zu großen Teilen unter der Stadt Gaza im Norden des Gazastreifens. Ein Armeesprecher bezeichnete sie unlängst als „Stadt unter der Stadt“.

Das Gesundheitsministerium in Gaza bezifferte die Zahl Getöteten seit Beginn der Eskalation auf 198, darunter 58 Kinder. Verletzt worden seien 1300 Menschen. Augenzeugen berichteten am Wochenende von den bisher schwersten Angriffen auf den Gazastreifen. Nach UNRWA-Angaben verließen bislang rund 42.000 Palästinenser wegen der massiven Luftangriffe ihre Häuser. Sie suchten Schutz in Schulen des UN-Palästinenserhilfswerks (UNRWA).

Israels Armee bemüht sich nach eigenen Angaben, zivile Opfer zu verhindern. Der Hamas wirft sie vor, sich in besiedelten Gebieten zu verstecken und Zivilisten als Schutzschild zu benutzen.

Seit der gewaltsamen Machtübernahme der zweitgrößten Palästinenserorganisation im Gazastreifen 2007 haben sich Israel und die Hamas bereits drei Kriege geliefert. Israel macht die Hamas für alle Angriffe aus dem Gazastreifen verantwortlich. Die Gruppe wird von Israel und der EU als Terrororganisation eingestuft. Israel und Ägypten halten das Gebiet unter Blockade und begründen dies mit Sicherheitserwägungen.

Internationale Bemühungen um eine Deeskalation des jüngsten Konflikts waren bislang nicht erfolgreich. So telefonierten etwa die Sondergesandten des Nahost-Quartetts aus den USA, Russland, den Vereinten Nationen und der EU miteinander. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am Sonntag gesagt: „Unsere Kampagne gegen die Terrororganisationen wird mit voller Wucht fortgesetzt.“ UN-Generalsekretär António Guterres warnte zuletzt vor unkontrollierbaren Folgen des Konflikts für den gesamten Nahen Osten. Für Dienstag war eine Sonderberatung der EU-Außenminister geplant.

Der Konflikt hatte sich in den vergangenen Tagen ausgeweitet: Im Westjordanland gab es Zusammenstöße von Palästinensern mit israelischen Sicherheitskräften mit mehreren Toten. Zwischenfälle ereigneten sich auch an Israels Grenzen zum Libanon und zu Syrien. Aus beiden Ländern wurden Raketen auf Israel abgefeuert, die aber keine Schäden anrichteten. Der Konflikt griff auch auf arabischgeprägte Orte in Israel über. In mehreren Städten kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Juden und arabischen Israelis.

© dpa-infocom, dpa:210517-99-625120/7

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Erstellt:
17. Mai 2021, 12:03 Uhr
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