Kristina Steckleins Traum von der Hochzeitsfeier in der Festscheune ist – vorerst – geplatzt. Mit Frank Mayland-Quellhorst, auf dessen Hof Frien in Höfen das Fest stattfinden soll, sucht sie im übervollen Terminbuch nach einer Alternative. Foto: Büsching

Kristina Steckleins Traum von der Hochzeitsfeier in der Festscheune ist – vorerst – geplatzt. Mit Frank Mayland-Quellhorst, auf dessen Hof Frien in Höfen das Fest stattfinden soll, sucht sie im übervollen Terminbuch nach einer Alternative. Foto: Büsching

Höfen 20.03.2020 Von Annika Büsching

Ja-Wort mit Hindernissen

Corona stellt Brautpaare und Hochzeitsplaner vor Herausforderungen / Markloher feiern an einem Donnerstag

Der Blick ins Terminbuch zeigt das ganze Ausmaß: 13 Hochzeiten, 20 Konfirmationsfeiern und mehrere runde Geburtstage – alles abgesagt! Die Folgen der Corona-Pandemie treffen Frank Mayland-Quellhorst, Gastronom aus Höfen, mit voller Wucht. Er geht von Umsatzeinbußen in sechsstelliger Höhe aus.

Hinter den nackten Zahlen verbergen sich enttäuschte Brautpaare, Konfirmanden und Geburtstagskinder. Gerade die Hochzeit wird meist über Monate aufwendig geplant. Kristina Stecklein (28) kann ein Lied davon singen: Am 11. April wollten sie und ihr Verlobter Pascal Senning (28) in der Festscheune des Hof Frien feiern. Dann machten dem Paar aus Marklohe das Coronavirus und die von Bund und Ländern verhängten Schutzmaßnahmen – unter anderem die Schließung von Restaurants (DIE HARKE berichtete) – einen fetten Strich durch die Rechnung.

„Gott sei Dank haben wir die Ringe noch nicht gravieren lassen“, sagt Kristina Stecklein. Dafür, dass erst vor wenigen Tagen ihre Hochzeitsfeier geplatzt ist, wirkt die 28-Jährige erstaunlich gefasst. Das sei auch schon anders gewesen, räumt sie schmunzelnd ein: „Am Freitag hatte ich noch einen Nervenzusammenbruch, aber irgendwann habe ich mir gesagt: Schluss jetzt mit der Heulerei!“ Die Corona-Schutzmaßnahmen hält sie für richtig, trotz der für sie nervenaufreibenden Folgen. „Natürlich ist das ärgerlich. Die Deko ist fertig, ich habe über Wochen 110 Gastgeschenke gebastelt, natürlich mit unserem Datum drauf. Der erste Friseurtermin war vereinbart, auch das Kleid hätte ich schon abholen können. Aber Egoismus funktioniert hier nicht“, sagt Kristina Stecklein.

Unmittelbar nach der Pressekonferenz am Montag, bei der die Landesregierung die neuen Einschränkungen des öffentlichen Lebens verkündet hatte, wandte sich das Team von Hof Frien über die sozialen Netzwerke an „seine“ Brautpaare, später sei jeder telefonisch kontaktiert worden. „Wir haben versucht, das Ganze so transparent wie möglich zu kommunizieren“, betont Mayland-Quellhorst. Der Tenor: Nach vorn blicken, zusammen schaffen wir das! Der Großteil der von den Absagen Betroffenen sei sehr verständnisvoll und – wie er auch – um eine einvernehmliche Lösung bemüht. „Für große Egos ist in dieser Zeit kein Platz. Wir müssen solidarisch sein“, findet Mayland-Quellhorst.

Ich kann das verkraften, unsere Buchungslage ist exzellent. Ich gehe davon aus, dass wir vergleichsweise gut durch diese Krise kommen und schnell an das Bewährte anknüpfen. Die Frage ist, was das mit meinen Mitarbeitern macht, da hängen viele Einzelschicksale dran.

Frank Mayland-Quelhorst, Gastronom

Für Kristina Stecklein und Pascal Senning bedeutet das: Sie werden wohl an einem Donnerstag feiern. Die Location in Höfen ist bei Brautpaaren heiß begehrt, über Monate sind Saal und Scheune an den Wochenenden ausgebucht. In den sauren Apfel will das Paar aber beißen, denn die Feier soll unbedingt in Höfen stattfinden. „Man hat ja ein bestimmtes Bild im Kopf, das wird immer konkreter, das kann man dann nicht einfach auf einen anderen Ort übertragen“, sagt Kristina Stecklein.

Mayland-Quellhorst geht davon aus, dass sich die Lage noch verschärft, eine Ausgangssperre und eine vierwöchige Verlängerung der Schließung „von systemunrelevanten Geschäften und Restaurants“ hält er für sehr wahrscheinlich. Bei einer Schließung bis Mitte Mai würden 25 weitere Hochzeitsfeiern auf Hof Frien platzen. Seit Wochenbeginn ist der Betrieb komplett geschlossen. 80 Mitarbeiter sind betroffen. Zehn Vollzeit- und sechs Teilzeitbeschäftigte habe er in die Kurzarbeit geschickt, die geringfügig Beschäftigten schauen in die Röhre. „Ich kann das verkraften, unsere Buchungslage ist exzellent. Ich gehe davon aus, dass wir vergleichsweise gut durch diese Krise kommen und schnell an das Bewährte anknüpfen. Die Frage ist, was das mit meinen Mitarbeitern macht, da hängen viele Einzelschicksale dran“, sagt Mayland-Quellhorst.

Auch für kleinere Betriebe sei die Schließung sicher existenzbedrohend, sagt der Höfener. „Mehr als acht Wochen lassen sich wirtschaftlich auf keinen Fall vertreten“, ist er der Meinung. Dabei denkt er auch an die Dienstleister im Hochzeitsbusiness, mit denen er engen Kontakt hält. „DJs, Fotografen, Dekorateure oder Floristen sind meist soloselbständig und profitieren von den Auffangnetzen wie Kurzarbeit in der Regel nicht.“ Land und Bund sieht er in der Pflicht, „unbürokratisch Hilfe zu leisten“.

Und während Mayland-Quellhorst die ungewohnt freie Zeit nutzt, um auf dem weitläufigen Hof Liegengebliebenes zu erledigen und kreative Ideen umzusetzen, die schon lange in der Warteschleife hängen, schaut Kristina Stecklein ihrer Hochzeitsfeier mit mehr als 100 Gästen nach wie vor freudig entgegen – auch wenn sie an einem Donnerstag stattfindet. „Hauptsache wir haben uns, alles andere wird sich fügen“, sagt sie.

Kommentar von Kristina Stecklein

Weiße Kleider, Blumenmädchen, erste Tänze: Die Faszination Hochzeit hat mich schon früh in meinem Leben gepackt. Ich gehöre zu der Sorte Menschen, die zur Erholung auch gerne mal schöne Filmchen mit „Happy Ending“ schauen. Natürlich mit fröhlicher Pop-Musik untermalt, in denen sich die Protagonisten zum Schluss bestenfalls himmelhoch jauchzend und überglücklich in den Armen liegen. „Wie schrecklich“, wird sich so mancher denken. Aber ich stehe dazu.

So ist es nun tatsächlich auch für mich endlich soweit gewesen: Ich durfte meine eigene Hochzeit planen und bin – so wie vermutlich jede Braut und auch so mancher Bräutigam – aufgeblüht und bestimmt auch ein wenig eskaliert. Im nächsten Leben Weddingplanerin? Aber sowas von. Selbst den Baumarkt habe ich aufgesucht, um irgendwelche Bögen zusammenzuzimmern. Doch was uns all die Hollywoodstreifen gerne verschweigen: Das Leben hält nicht viel von geradlinigen Storylines.

Während der Vorbereitung mussten wir einige Rückschläge erfahren, hatten einen Trauerfall, den wir heute noch verarbeiten müssen. Mit Corona bahnte sich zusätzlich der nächste Schrecken an. Seit Montag wissen wir nun, dass unsere Hochzeit am geplanten Termin Geschichte ist. Mit dieser Entscheidung geht es uns mittlerweile besser, denn wir müssen nicht mehr bangen – vor allem nicht um unsere Gäste.

Die gebastelte Dekoration ist wieder eingepackt. Schilder sicher verstaut. Die Süßigkeiten für die Candybar sind – sehr zum Bedauern meines Kleides – vor Stress bereits ein gutes Stück weniger geworden. Doch ich bin positiv gestimmt, dass wir Menschen aus dieser Krise gestärkt gehen können, wenn wir aufeinander achten. Gerade jetzt ist es wichtig, solidarisch zu sein. Und dass wir daraus lernen, damit wir kein „Happy Ending“, sondern vielleicht ein „Happy Beginning“ haben.

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Erstellt:
20. März 2020, 19:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 10sec

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