Die Jagd auf den Rodewalder Rüden darf nach einem Gerichtsurteil weitergehen. Foto: Carsten Rehder/dpa

Die Jagd auf den Rodewalder Rüden darf nach einem Gerichtsurteil weitergehen. Foto: Carsten Rehder/dpa

Rodewald 25.11.2020 Von Sebastian Schwake

Jagd auf den Rodewalder Rüden geht weiter

Beschwerde gegen erneute Genehmigung des Abschusses erfolglos

Die Jagd auf den Rodewalder Rüden geht weiter. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg hat am Dienstag die Beschwerde des „Freundeskreises freilebender Wölfe“ gegen die erneute Abschussgenehmigung des Rüden zurückgewiesen (Az. 4 ME 199/20).

Das Land Niedersachsen hatte zuvor angekündigt, die Jagd auf den Rüden unmittelbar nach einem entsprechenden Beschluss des Gerichtes wieder aufnehmen zu wollen. Die Abschussgenehmigung ist zeitlich bis zum Ende des Jahres befristet.

Dem Wolf mit dem Gencode „GW717m“ waren seit Februar 2018 mehrere Angriffe auf Rinder, Pferde und Schafe nachgewiesen worden. Deswegen hatte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) schon einmal mit Bescheid vom 23. Januar 2019 eine Ausnahmegenehmigung für die Tötung des genannten Wolfs erteilt.

Bereits gegen diesen Bescheid hatte die Naturschutzvereinigung einen Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz gestellt, der aber sowohl vor dem Verwaltungsgericht Oldenburg als auch vor dem Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht ohne Erfolg geblieben war.

„Nachdem diese Ausnahmegenehmigung Ende März 2020 ausgelaufen war, ohne dass der Wolf erlegt werden konnte, kam es im Territorium des Rodewalder Wolfsrudels im Mai und Juni 2020 zu zwei weiteren Rissen von Rindern und Pferden. Daraufhin erteilte der NLWKN mit dem Bescheid vom 17. Juli 2020 erneut eine für sofort vollziehbar erklärte Ausnahmegenehmigung zur Tötung des Wolfsrüden.

Diese Genehmigung ist bis zum 31. Dezember 2020 befristet und örtlich auf einzelne im Wolfsterritorium liegende Städte und Gemeinden in den Landkreisen Nienburg und Heidekreis beschränkt. Zusätzlich wurde es in dem Bescheid gestattet, dass ein Wolf auch dann getötet werden darf, wenn er nicht anhand leicht erkennbarer äußerer Merkmale (etwa einer besonderen Fellzeichnung) als der Leitrüde des Wolfsrudels identifiziert werden kann, und dass diese Vorgehensweise gegebenenfalls bis zur Tötung des Leitrüden oder bis zum Ausbleiben weiterer Weidetierrisse fortgesetzt werden darf“, heißt es zur Begründung vom Gericht.

Einen dagegen gerichteten Eilantrag der Naturschutzvereinigung hatte das Verwaltungsgericht Oldenburg mit Beschluss vom 5. Oktober 2020 abgelehnt (Az. 5 B 2442/20).

Das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht hat diesen erstinstanzlichen Beschluss bestätigt. Die vom NLWKN getroffene Prognose, dass die Tötung des Wolfs „GW717m“ zur Abwendung ernster wirtschaftlicher Schäden erforderlich sei, sei gerechtfertigt.

Es könne davon ausgegangen werden, dass dieser Wolf weiterhin Pferde und Rinder reißen und dadurch Schäden in erheblichem Umfang verursachen werde. Außerdem sei damit zu rechnen, dass der Wolf seine Jagdtechnik auch an seine Nachkommen weitergeben werde, zumal andere Wölfe des Rudels schon an bisherigen Angriffen auf große Weidetiere beteiligt gewesen seien.

Zumutbare Alternativen zur Tötung seien ebenfalls nicht ersichtlich. Außerdem verstoße der seit dem 13. März 2020 geltende Paragraf 45a des Bundesnaturschutzgesetzes, der den Abschuss von einzelnen Mitgliedern eines Wolfsrudels in engem räumlichen und zeitlichen Zusammenhang mit bereits eingetretenen Rissereignissen auch ohne Zuordnung der Schäden zu einem bestimmten Einzeltier erlaubt, nicht gegen europäisches Recht, so die Lüneburger Richter weiter.

Der Beschluss des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts ist unanfechtbar.

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Erstellt:
25. November 2020, 10:54 Uhr
Lesedauer:
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