Die Ursachen der Verschuldung. Grafik: Schuldnerberatung

Die Ursachen der Verschuldung. Grafik: Schuldnerberatung

Landkreis 11.02.2020 Von Die Harke

Jobverlust Hauptgrund für Ruin

Schuldnerberater Wolfgang Lippel legt Zahlen für das Jahr 2019 vor

Die Schuldnerberatung des Paritätischen Nienburg bestand 2019 seit 34 Jahren und ist damit eine der ältesten in Niedersachsen – hier auch noch mit der Besonderheit, dass sich seit Gründung die personelle Besetzung der Schuldnerberatung mit dem Diplom-Betriebswirt Wolfgang Lippel nicht geändert hat.

Lippel hat nun den Jahresbericht 2019 vorgelegt: „Ein Privathaushalt ist dann überschuldet, wenn Einkommen und Vermögen aller Haushaltsmitglieder über einen längeren Zeitraum trotz Reduzierung des Lebensstandards nicht ausreichen, um fällige Forderungen zu begleichen.“

Die Hauptursachen für die Überschuldung seien weiterhin (in dieser Reihenfolge) Arbeitslosigkeit, Scheidung oder Trennung, Krankheit, Sucht oder Unfall, unvernünftiges Konsumverhalten, Einkommensarmut und gescheiterte berufliche Selbstständigkeit.

Das Pfändungsschutz- oder kurz P-Konto habe sich als Instrument mit der Bescheinigung von unpfändbaren Beträgen über den Sockelbetrag hinaus etabliert und werde von allen Seiten mittlerweile routiniert angewandt.

Auf Grundlage einer unabhängigen Evalutation der P-Konto-Gesetzgebung und ihrer Umsetzung habe jetzt der Gesetzgeber einen Entwurf eingebracht, der auf einhellige Ablehnung der Fach- und Spitzenverbände der Schuldnerberatung, der Rechtssprechung und auch der Kreditwirtschaft gestoßen sei.

Es bestehe die Gefahr, dass die Umsetzung dieser Vorstellungen aus einem Erfolgsmodell ein bürokratisches Monster macht, das eher eine Verschlechterung als eine Verbesserung bringen würde. Man könne nur hoffen, dass die Einwände der Fachleute gehört werden.

Auch das Inkassorecht solle reformiert werden. Hier hätten die Fachverbände ebenfalls Ergänzungswünsche zum Entwurf der Bundesregierung formuliert. Wichtig sei eine deutliche Senkung der Beträge, die die Inkassounternehmen von den Überschuldeten einfordern dürfen. Die Praktiken, in kürzester Zeit Ursprungsforderungen von 20 auf 200 Euro durch Inkassokosten anwachsen zu lassen, müssten abgeschafft werden.

Bei den Insolvenzverfahren ergebe sich im Bereich des für den Landkreis Nienburg zuständigen Insolvenzgerichtes Syke eine Steigerung der eröffneten Verbraucherinsolvenzen, was gegen den Bundestrend gehe und nicht wirklich nachvollziehbar sei.

Im Jahr 2019 wurden insgesamt 131 Personen beraten. Diese Zahl sei etwas geringer als in den Vorjahren. Hinzu kommen rund 60 Einmal-, Telefon- und Emailberatungen.

Im gleichen Zeitraum wurden 72 Bescheinigungen über unpfändbare Beträge bei Pfändungsschutzkonten (sogenannte P-Konto-Bescheinigungen) ausgestellt, in vielen weiteren Fällen wurde bei ausreichendem Grundfreibetrag nur über diesen Pfändungsschutz beraten.

Die Schuldnerberatung arbeitet im Nienburger „Arbeitskreis gegen Energiesperren“ mit. Hier wurde gemeinsam mit dem Fachbereich Soziales des Landkreises und dem Jobcenter im Landkreis ein Faltblatt erstellt, das von angedrohten oder schon erfolgten Energiesperren Betroffene informieren und Hilfestellung geben soll.

Auch gab es Fachgespräche mit dem Landkreis, dem Jobcenter, Bundespolitikern aus der Region und Energieversorgern, um Verbesserungen für die Betroffenen zu erreichen.

„Inhaltlich gilt es zu betonen, dass sich der Paritätische dem Konzept der Sozialen Schuldnerberatung verpflichtet fühlt. Dieses Konzept beschreibt die Schuldnerberatung als menschenrechtsbasierte Profession, in der die Ratsuchenden umfassend und ganzheitlich beraten werden, das Beratungsergebnis offen ist und nicht nur auf die Einleitung von Insolvenzverfahren zielt. Hier grenzen wir uns deutlich von kommerziellen Angeboten und reinen Insolvenzberatungsstellen ab“, schreibt Lippel.

Sein Dank gehe an alle, die teilweise seit Jahrzehnten mit der Beratungsstelle kooperativ und vertrauensvoll zusammengearbeitet und diese auch finanziert haben.

Hier sei wieder an erster Stelle der Landkreis Nienburg zu nennen, der wieder der größte Geldgeber der Schuldnerberatung war und dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter traditionell gut mit dieser zusammenarbeiten. Dies gelte besonders für die Kolleginnen und Kollegen der Fachbereiche Soziales, Jugend und Gesundheitsdienste sowie des Jobcenters, mit denen sich die Zusammenarbeit sehr gut gestalte.

Auch dem Land Niedersachsen, der Sparkasse Nienburg und den Volksbanken des Landkreises Nienburg gilt Lippels Dank für die finanzielle Unterstützung. Gerade mit den genannten Geldinstituten gebe es mittlerweile eine lange Tradition der vertrauensvollen Kooperation, die weit über die finanzielle Unterstützung hinausreiche.

Zum Artikel

Erstellt:
11. Februar 2020, 18:39 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 51sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.