Am Johann-Beckmann-Gymnasium Hoya kam erstmals eine Videokonferenz für den Unterricht zum Einsatz. Foto: JBG Hoya

Am Johann-Beckmann-Gymnasium Hoya kam erstmals eine Videokonferenz für den Unterricht zum Einsatz. Foto: JBG Hoya

Hoya/Landkreis 31.03.2020 Von Matthias Brosch

Johann-Beckmann-Gymnasium treibt die Bildungscloud voran

Das Gymnasium in Hoya nutzt und entwickelt die digitale Zukunft der Schulen Niedersachsens

Die Corona-Krise hat das Schulsystem in Niedersachsen voll erwischt. Dabei nimmt das Johann-Beckmann-Gymnasium aus Hoya in mehrfacher Hinsicht eine Sonderrolle ein. Vor allem, weil es auf dem Weg in die digitale Zukunft einen deutlichen Vorsprung hat: Mit der sogenannten Bildungcloud, die Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) ab Mai landesweit flächendeckend einführen möchte, wird am JBG bereits seit zwei Jahren gearbeitet.

Wie ein sehr großes, virtuelles Klassenzimmer.

Grant Hendrik Tonne, Niedersachsens Kultusminister

Das Gymnasium in Hoya ist Projektpartner der „Niedersächsischen Bildungscloud“ und gehört als einzige Einrichtung in den Landkreisen Nienburg, Verden und Diepholz zu den 25 ausgewählten weiterführenden Schulen, die Gelegenheit zur Mitarbeit und Beteiligung bekamen. Dieses Lernmanagement-System stellt der Schülerschaft und den Lehrkräften Arbeitsblätter und Aufgaben zur Verfügung. Lerngruppen können eingerichtet, Stundenpläne eingesehen und Nachrichten ausgetauscht werden. „Wie ein sehr großes, virtuelles Klassenzimmer“, sagte Tonne vor ein paar Tagen.

Das Schulnetzwerk iServ, das in diesen Tagen vielerorts sogar an Grundschulen erstmals an den Start ging, ist quasi der abgespeckte Vorgänger. Es existiert am JBG schon seit gut 15 Jahren, wie Oberstudiendirektor Lutz Bittner berichtet.

Vieles lässt sich im direkten Gespräch einfach leichter erklären und vor allem viel besser verstehen.

Christian Burrichter, Lehrkraft und IT-Spezialist am JBG, über Lernen und Lehren per Video

Die vorhandene digitale Zukunft half dem Johann-Beckmann-Gymnasium im vergangenen Monat enorm. Anfang März waren 23 Schülerinnen und Schüler des zwölften Jahrgangs mit drei Lehrkräften nach einem Skikompaktkurs in Südtirol vom Landkreis vorsichtshalber für 14 Tage in häusliche Quarantäne geschickt worden, da die Region in Italien kurz vor der geplanten Rückreise als Risikogebiet eingestuft worden war. Eine Erkrankung wurde letztlich bei keinem des JBG nachgewiesen, alle Tests fielen negativ aus.

Der Unterricht konnte dennoch stattfinden. Die Quarantäne-Schüler nutzten dafür zum Beispiel auch Videokonferenzen der „Niedersächsischen Bildungscloud“, die es zu diesem Zeitpunkt gar nicht als offizielle Funktion gab: Christian Burrichter, Lehrkraft und IT-Spezialist am JBG, stellte ihnen über diesen Weg zahlreiche Erklärfilme und Anleitungen auf der schulinternen Webseite (Wiki) bereit. Dazu schulte er seine Kollegen und Kolleginnen, die neuen Möglichkeiten einzusetzen. „Vieles lässt sich im direkten Gespräch einfach leichter erklären und vor allem viel besser verstehen“, hebt Burrichter hervor. Dazu bringe das virtuelle Treffen seiner Ansicht nach ein gutes Stück Normalität in den Alltag zurück.

„Wir sind für den digitalen Unterricht mehr als gut aufgestellt“, sagt Schulleiter Bittner. „Die Kollegen und auch die Schüler können das. Aber ohne das große Engagement der Lehrkräfte, ihren Unterricht völlig neu zu denken, wäre das nicht möglich.“ Dazu ergänzt Burrichter: „Eines der Projektziele der Bildungscloud ist die Entwicklung von orts- und zeitunabhängigen Lehr- und Lernarrangements. Wir können auch über große Entfernungen gemeinsam an einer Aufgabe arbeiten.“ Von Vorteil war, dass das JBG bereits vor der Corona-Krise mit dem Gymnasium Ernestinum in Rinteln gemeinsam zum Video-Einsatz getestet hatte. Eine Schülerin, die ihren 18. Geburtstag wegen der Quarantäne nicht mit ihren Freunden feiern konnte, freute sich schließlich sogar über ein Ständchen ihres Kurses über die Videokonferenz.

Der Unterricht vor den Osterferien fand in Hoya seit der niedersachsenweiten Schulschließung am 16. März für alle Gymnasiasten des JBG nicht in Klassen- oder Kursräumen statt, sondern zu Hause. Dafür gab es Material, Aufgaben und Videokonferenzen über den Schulserver und in der Bildungscloud. Ob es wie geplant am 20. April im Normalbetrieb weitergehen kann, ist derzeit mehr als ungewiss. Am Johann-Beckmann-Gymnasium sollen Abiturprüfungen stattfinden, während an den meisten anderen Schulen in Niedersachsen wegen der Rückkehr zum Abi nach 13 Jahren damit ausgesetzt wird. Diese Sonderrolle und Herausforderung will Bittner mit seinem Kollegium ebenso meistern, die vorhandene Technik könnte abermals helfen.

www.jbg-schule.eu.

Zum Artikel

Erstellt:
31. März 2020, 16:46 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 54sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.