22.09.2013

Jüdischer Nachfahre in Stolzenau

Seminarfach „Stolpersteine“ begleitete Norman und Alisa Streat

Stolzenau. Kürzlich besuchte Norman Streat für einen Tag Stolzenau. Streat ist ein Nachfahre der jüdischen Familie Goldschmidt, die den Nationalsozialisten zum großen Teil zum Opfer gefallen ist. Heute lebt er mit seiner Frau Alisa in Vancouver, Kanada. Wegen eines Familienfestes in Israel war er auf „Europa-Tour“ und damit auch in Stolzenau. Das Seminarfach „Stolpersteine“ des Gymnasiums Stolzenau gestaltete gemeinsam mit Ute Müller einen Vormittag für Alisa und Norman Streat. Unterstützung erhielten sie von Gerd-Jürgen Groß und Wolfgang Battermann. Als Dolmetscherin für Alisa, die im Gegensatz zu ihrem Mann nur wenig Deutsch versteht, fungierte Jule Müller, die Tochter von Ute Müller.

Die Führung durch Stolzenau begann am Gymnasium. Von dort aus ging es weiter zu dem Platz, an dem bis zur Reichspogromnacht 1938 die Synagoge mit der sich anschließenden jüdischen Schule gestanden hat. Zwei Schülerinnen aus dem Seminarfach berichteten über diese wichtigen Gebäude, und Norman Streat ergänzte mit seinem Wissen den Vortrag. Anschließend erzählte er von seiner Familiengeschichte.

Eine weitere Station auf dem Weg durch Stolzenau war ein Haus in der Straße „Am Markt“. Dort befand sich früher ein jüdischer Kaufmannsladen. Auch dort erhielten die Schülerinnen und Schüler wissenswerte Informationen über die Geschichte der jüdischen Familien in Stolzenau. Anschließend wurden die Stätten besichtigt, an denen das Seminarfach im November Stolpersteine verlegen lassen will: Die Weserstraße. Dort steht auch das Haus, in dem früher Anni und Sara Goldschmidt, Vorfahren von Norman Streat, gewohnt haben. Im Burgmannshof in der Bahnhofstraße lebte die jüdische Familie Lipman, und in der Langen Straße wohnte die Familie Blumenfeld bis zur ihrer Deportation 1942.

Ute Müller berichtete über ihre Kindheit in der unmittelbaren Umgebung einiger Häuser, in denen ebenfalls bis zur Zeit des Nationalsozialismus Juden gelebt haben, Norman Streat steuerte ebenfalls viel Wissenswertes über das Leben der Juden vor 1942 in Stolzenau bei. Gerd-Jürgen Groß ergänzte mit seinen Kenntnissen zum Verbleib der jüdischen Mitbürger, die er mit der Recherche für sein Buch „Sie lebten nebenan“ gewonnen hat. Der Vormittag endete im Mehrgenerationenhaus, dem Arbeitsplatz von Ute Müller, mit einem gemeinsamen Mittagessen. DH

Zum Artikel

Erstellt:
22. September 2013, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 07sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.