14.10.2012

Jüdisches Leben verinnerlichen

Jüdisches Museum Barlin war für zwei Tage zu Besuch im Hoyaer Schulzentrum

Hoya (an). Maik Landsmann ist seit kurzem Lehrer am Johann-Beckmann-Gymnasium in Hoya. Dem Pädagogen ist es jetzt gelungen, durch ein „kreatives Motivationsschreiben“, unterstützt durch Schüler der 10. Klassen mit Videos und Fotos über das jüdische Leben in Hoya, die Ausstellung „on.tour – das jüdische Museum Berlin macht Schule“ für zwei Tage in das Schulzentrum nach Hoya zu holen.

„Außergewöhnlich und kurzfristig haben die Schüler während der Geschichtsstunden die Bewerbung erstellt“, sagt Maik Landsmann. Dass es dann auch noch die „große Ausstellung“ mit Workshop und einer Ausstellung aus vier Themeninseln geworden ist, sei den entsprechenden räumlichen Voraussetzungen geschuldet.

Um die Inhalte des Museums auch Jugendlichen nahe zu bringen, die nicht ohne Weiteres nach Berlin reisen können, geht das Jüdische Museum seit Juni 2007 deutschlandweit „on-tour“. Für ein historisches Museum hat das Jüdische Museum Berlin ein sehr junges Publikum, bereits 1,8 Millionen Kinder und Jugendliche haben das Museum seit der Eröffnung im Jahr 2001 besichtigt.

Die mobile Ausstellung, fünf robuste und flexibel einsetzbare Ausstellungswürfel mit 16 Vitrinen, waren in der Aula der Realschule aufgebaut. Dort nahmen Schüler der Hauptschule, Realschule der neunten Klassen und der Leistungskurs Geschichte des Johann Beckmann Gymnasiums an Führungen teil. Die Ausstellungswürfel mit leicht verständlichen Texttafeln geben Einblick in die jüdische Geschichte und Lebenswelt.

Anhand von Alltagsgegenständen und Zeremonialobjekten werden die Themen „Jüdischer Alltag, Leben und Überleben, Chancen und Diskriminierung und Feste feiern“ vorgestellt. Die Arbeit in der Ausstellung wird von Referenten des Museums begleitet. So verweisen beispielsweise koschere Gummibärchen, die mit dem Stempel des Rabbinats versehen sind, auf die jüdischen Speisegesetze hin.

Die Museumspädagogen Cornelia Liese, Arnon Hampe, Alexander Green und Gunnar Meyer begleiten diese außerschulische Bildungsarbeit des Jüdischen Museums Berlin. Die Schüler ab Klasse acht tauchten in die Lebenswelt von sechs Jugendlichen mit unterschiedlichem jüdischen Hintergrund ein. In kleinen Gruppen erarbeiteten sich die Schüler jeweils eine Biographie und entdeckten dabei auch eigene Seiten und die ihrer Mitschüler.

In der anschließenden Diskussion näherten sie sich den Themen und sprachen über Herkunft, Glaube und Heimat. Es wurde diskutiert, wie beispielsweise Albina mit christlichem Großvater, muslimischen Vater und jüdischer Mutter Christin, Moslemin und Jüdin zugleich sein kann.

Museumspädagoge Alexander Green stellt in den Führungen bei den Jugendlichen eine gewisse „Berührungsangst“ fest.

„Das erste, was den Schülern zum Thema Juden einfällt, ist der Nationalsozialismus, leider aber oft auch das Einzige.“ Deswegen sei es wichtig, dass die Schüler mehr über jüdische Lebensläufe, jüdische Religion und den jüdischen Alltag erfahren, betonte Maik Landsmann.

Das Johann-Beckmann-Gymnasium fährt mehrfach mit Schülern nach Bergen-Belsen, dem ehemaligen Konzentrationslager. Hier stellten Schüler immer wieder die Frage: „Warum ist das alles passiert?“

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Erstellt:
14. Oktober 2012, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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