Einfache Rechnung: Fußball + viel Geld = Spielbetrieb, trotz Corona. Foto: stock.adobe

Einfache Rechnung: Fußball + viel Geld = Spielbetrieb, trotz Corona. Foto: stock.adobe

Landkreis 09.05.2021 Von Philipp Keßler

Jugendspieler per Auswahlverfahren

Lange war es still in den Fußballstadien Europas. Doch plötzlich ertönen wieder Gesänge, Banner werden von Fans in die Höhe gestreckt – allerdings nicht aus Liebe zu ihrem Verein, sondern aus Protest. Der Auslöser: Die ominösen Machenschaften mehrerer elitärer Klubs aus ganz Europa rund um die Super-League.

Einer der negativen Höhepunkte war der Sturm des Old Trafford, dem Stadion des englischen Fußballklubs Manchester United vor der Partie gegen den FC Liverpool. Mehrere Hundert United-Anhänger überwanden die Zäune und protestierten auf dem Spielfeld lautstark gegen den US-amerikanischen Klub-Inhaber Joel Glazer und dessen Super-League-Pläne.

Die Befürworter dieser neuen Spielklasse, die eine exklusive Runde weniger ausgewählter Topvereinen darstellen sollte, argumentieren in erster Linie damit, den Fußball auf „die nächste Ebene“ befördern zu wollen. Präsident Florentino Pérez denkt dabei an schillernde Vorbilder wie die amerikanische Football-Liga NFL. Man will: viel Show, viel Publicity, viel Geld.

Das Grundprinzip der NFL beruht aber auch seit eh und je auf einer Gehaltsobergrenze für alle 32 Klubs und eine faire Auswahl von Nachwuchstalenten, die in den Profi-Bereich nachrücken. Erst Ende April fand der sogenannte Draft statt, bei dem die Football-Teams junge Spieler der Reihe nach zu ihrem Team berufen dürfen. Das schlechteste Team der Vorsaison darf die jeweilige Draft-Runde beginnen, der Super-Bowl-Sieger ist als letztes dran. So wird Jahr für Jahr Spannung garantiert – innerhalb kürzester Zeit kann aus einem Loser-Klub ein Titelaspirant werden.

Ein ähnliches Prinzip im Fußball wäre, gemäß den aktuellen Gegebenheiten, unvorstellbar. In Amerika rücken die Nachwuchsspieler schließlich aus den College-Teams in den Profisport auf. In Europa kommt das junge Blut aus der breiten Masse der vielen kleinen Vereine und/oder den Nachwuchsleistungsabteilungen der jeweiligen Profiklubs. Die Maßgabe und Hoffnung ist stets, mit diesem Pool an Talenten den eigenen Erfolg zu sichern oder sie später teuer weiterverkaufen zu können. Wer dieses System ändern wollen würde, spräche vermutlich das Todesurteil des Breitensports Fußball.

Mit oder ohne Super-League gilt hier folglich weiterhin: Wer das Geld hat, hat auch die Talente.

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Erstellt:
9. Mai 2021, 18:24 Uhr
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