14.04.2013

Kältester Winter seit Beginn der Aufzeichnungen

Manfred Kettel (LWK) zu den Auswirkungen für Landwirtschaft, Gartenbau und Imkerei

Nienburg. „Der kälteste März seit Beginn unserer Wetteraufzeichnungen liegt hinter uns“, berichtet Manfred Kettel von der Bezirksstelle Nienburg der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen. Manfred Kettel zeichnet seit 1994 die Wetterdaten der Wetterstationen der Kammer in der Region auf und bewertet die Ergebnisse für die Landwirtschaft. Die Durchschnittstemperatur im März 2013 lag ca. 5 °C unter dem Wert des langjährigen Mittels. An Niederschlägen fielen nur 35 Prozent der üblichen Menge. Seit Juli letzten Jahres ist dieser Trend festzustellen. Die Wetterstation Wietzen weist bis März ein Defizit von 100 l/m2 aus. Für die Pflanzen waren die ausbleibenden Niederschläge bei stärkeren Ostwinden eine Belastung, da es zu einer Austrocknung der Böden gekommen ist.

Durch den etwa zwei bis drei Wochen späteren Vegetationsbeginn sind die landwirtschaftlichen Winterkulturen nach Angaben der Landwirtschaftskammer deutlich geringer entwickelt. Im Gegensatz zum letzten Jahr sind hiervon vor allem Spätsaaten des Winterrapses und Wintergetreides betroffen. Größere Auswinterungsschäden werden aber ausbleiben. Denn zum einen lag in Teilen des Landkreises eine zwar geringe, aber schützende Schneedecke. Zum anderen sind die Pflanzen, auch durch die wenigen warmen Tage Anfang März, in der Regel gut verwurzelt, wodurch das Wachstum jetzt zügig beginnen kann.

Die Aussaat von Sommerkulturen konnte nahezu zeitgerecht erfolgen. Die Hackfrüchte, wie Zuckerrüben und Kartoffeln, werden etwa eine Woche später als normal gepflanzt.

Der Start der Spargelsaison wird sich in diesem Jahr nach hinten verschieben. Nur wenige Stangen kommen bereits aus heimischem, beheiztem Anbau. Herbert Schriever von der Arbeitsgemeinschaft Nienburger Spargel geht aber davon aus, dass der spätere Saisonstart auch ein späteres Saisonende bedeutet. Für alle Kulturen gilt gleichermaßen: Es kommt jetzt auf die Folgewitterung an, inwieweit die Natur den späteren Vegetationsbeginn aufholen kann und ob mit größeren Ertragseinbußen gerechnet werden muss.

„Auch die Bienen in unserer Region sind vom späten Frühlingsbeginn betroffen“, ergänzt Dirk Ehlers, Kammermitarbeiter und Hobbyimker.

Die Bienen sitzen schon seit längerem in ihrer Wintertraube, das in unmittelbarer Nähe befindliche Futter ist oftmals weitgehend aufgebraucht. Eine Versorgung mit frischen Pollen und Nektar war durch den verspäteten Vegetationsbeginn bisher noch nicht möglich. Da die Bienen jedoch bereits brüten und die Brut nicht verlassen, häuften sich die Meldungen, dass Bienenvölker verhungern könnten. Die Imker mussten daher ihre Völker genau beobachten und gegebenenfalls mit Zuckersirup nachfüttern.

Besonders hart getroffen hat das verspätete Frühjahr die Erwerbsgärtner, berichten die Kammerexperten. Die Kunden hatten wenig Lust und nur wenige Möglichkeiten, ihre Beete oder Kübel mit Frühjahrsblühern wie Stiefmütterchen oder Primeln zu schmücken.

Der lange Winter hat dazu noch erhebliche höhere Heizkosten verursacht, die notwenigen Einnahmen erfolgten jedoch nicht.

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Erstellt:
14. April 2013, 00:00 Uhr
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