Museumsleiterin Dr. Kristina Nowak-Klimscha und Kurator Tobias Deterding mit Exponaten aus der Zeit um 1945. Für die geplante Sonderausstellung werden noch weitere Objekte gesucht.		            Duensing

Museumsleiterin Dr. Kristina Nowak-Klimscha und Kurator Tobias Deterding mit Exponaten aus der Zeit um 1945. Für die geplante Sonderausstellung werden noch weitere Objekte gesucht. Duensing

07.12.2014

Kaffeedose und Bahnhofsgarn

Nienburger Museum sucht Exponate für Sonderausstellung

Von Michael Duensing

Nienburg. Der Fresenhof des Museums Nienburg wird derzeit komplett umgebaut und saniert. Doch die Planungen für das kommenden Jahr laufen auf vollen Touren. Wie in der Vergangenheit auch werden die Sonderausstellungen wieder im Erdgeschoss des Fresenhofes stattfinden. Und die erste Exposition, die Anfang Mai 2015 eröffnet werden soll, ist bereits jetzt in Planung. Inhaltlich und thematisch werden die Jahre um 1945 in der Stadt und dem Landkreis Nienburg behandelt. Hintergrund ist: In 2015 jährt sich das Kriegsende zum 70. Mal.

Museumsleiterin Dr. Kristina Nowak-Klimscha und Kurator Tobias Deterding, Historiker und Museumswissenschaftler, strukturieren derzeit das Konzept. Insbesondere die Kriegsgefangenenlager sowie die Zwangsarbeit stehen inhaltlich im Mittelpunkt.

In einen besonderen Fokus werden beispielsweise die Lager „Stalag XC“ und „Oflag XB“ in Nienburg und die „Pulverfabrik“ in Liebenau gesetzt, in der neben anderen Häftlinge des „Arbeitserziehnungslagers“ des Ortes zwangsarbeiteten. „Im Wesentlichen wird die Umbruchphase vor und nach 1945 behandelt. Wir möchten versuchen, anhand von Biografien diese Zeit zu personalisieren “, erklärt Tobias Deterding. Substanziell soll es auch um Schicksale jüdischer Deportierter, die nach dem Krieg wieder in ihre Heimat Nienburg kamen, sowie um die Vertriebenen gehen. „Alle relevanten Themen sollen angesprochen werden“, unterstreicht Tobias Deterding.

Ausstellungsobjekte gesucht

Um die Sonderausstellung mit Objekten aus dieser entsprechenden Zeit auszustatten, insbesondere aus dem Landkreis Nienburg, bitten Dr. Kristina Nowak-Klimscha und Tobias Deterding um Unterstützung. „Wir sind auf der Suche nach Objekten, die beispielsweise von Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeitern während des betreffenden Zeitraums hergestellt wurden“, erläutert die Museumsleiterin.

Im Museumsfundus befindet sich beispielsweise eine Puppe, die von einem Kriegsgefangenen gefertigt wurde. Nachdem in der Nacht zum 1. April 1945 nach einem Flugzeugangriff der Nienburger Bahnhof aufgrund einer Explosion eines mit Treibstoff und Munition beladenen Zuges zerstört wurde, kam es auch zu einer Zerstörung eines Waggons mit Fallschirmgarn, dem so genannten „Bahnhofsgarn“, das als zweckentfremdetes Häkelmaterial für eine Tischdecke fungierte. Aber auch eine Haus- beziehungsweise Feldapotheke oder eine Dose mit Kaffee aus einem Versorgungspaket sind bereits im Besitz des Museums.

Dr. Nowak-Klimscha betont, dass die zur Verfügung gestellten Objekte nicht zwingend als Schenkung verstanden werden und auch als Leihgaben dem Museum zur Verfügung gestellte werden können. Fotografien sind selbstverständlich gerne gesehen, Militaria können ebenfalls zur Verfügung gestellt werden. Wichtig ist, dass die Objekte aus dem Landkreis Nienburg stammen beziehungsweise ein thematischer Bezug zum Landkreis oder der Stadt hergestellt werden kann. Begleitend zur Sonderausstellung werden diverse Fachvorträge angeboten.

Kooperation mit Schule

Stichwort Fotos: Zudem plant das Museum eine begleitende Kooperation mit dem Marion-Dönhoff-Gymnasium. Im Geschichtsunterricht sollen die Schülerinnen und Schüler signifikante Orte in Nienburg aufsuchen und fotografieren. Geplant ist eine Foto-Sonderausstellung mit einem „Früher-Heute“-Vergleich. „Die Frage ist, was ist heute noch an entsprechenden Orten zu sehen?“, erläutert Museumsleiterin Nowak-Klimscha.

Wer mögliche Exponate zur Verfügung stellen möchte, kann sich zu den Öffnungszeiten des Fresenhofes, Dienstag bis Donnerstag von 10 bis 17 Uhr und Freitag von 10 bis 13 Uhr, beim Nienburger Museum bis Ende Januar melden. Weitere ausführliche Informationen sind unter Telefon (0 50 21) 1 24 61 erhältlich.

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Erstellt:
7. Dezember 2014, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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