Kameras lassen rund um die Uhr Blicke in den Stall zu. Foto: Herdenschutz UG

Kameras lassen rund um die Uhr Blicke in den Stall zu. Foto: Herdenschutz UG

Bücken 30.05.2020 Von Die Harke

Kameras (auch) für mehr Tierwohl

Herdenschutz UG setzt auf Livebilder aus dem Stall

Angefangen hat alles mit der Idee, die eigene Schafherde vor Wolfsrissen zu schützen. Landwirt Christian Lohmeyer entwickelte gemeinsam mit einem befreundeten Programmierer die Idee, autarke Kameras auf Weiden aufzustellen, die Livebilder gebündelt einer überwachenden Person zur Verfügung stellen.

Per Handysteuerung sollte dann ein akustisches oder optisches Signal ausgelöst werden, dass das Raubtier vertreibt. „Wir haben alles fertig, alles läuft einwandfrei“, berichtet Christian Lohmeyer. Allein die rechtliche Grundlage, die Weide mit der Kamera zu überwachen und das streng geschützte Tier vertreiben zu dürfen, fehlt.

Die Weidetierhaltung in Niedersachsen sieht Lohmeyer durch die stetige Ausbreitung der Wolfspopulation dauerhaft gefährdet – mit allen Auswirkungen auf den Deich- und Naturschutz.

Die Mühe von Christian Lohmeyer und seinem Team sollte nicht umsonst gewesen sein. Das spezielle Kamerasystem ist nun bei der Geburtenüberwachung von Nutztieren im Einsatz. Wenn sich beim abendlichen Rundgang Geburten im Stall abzeichnen, sind schlaflose Nächte oft die Folge.

Die Kameraüberwachung steigert deshalb nicht nur das Tierwohl, wenn bei Komplikationen schnell eingegriffen werden kann, sondern auch die Lebensqualität der Tierhalter, durch die Gewissheit, nachts im Notfall informiert zu werden.

Speziell bei der Überwachung fohlender Stuten wird der Besitzer umgehend informiert, sobald sich die Geburt abzeichnet oder Auffälligkeiten auftreten. „Dieses über eigene Kamerasysteme festzustellen kostet wertvolle Schlafenszeit. Und am Ende verpasst man den Moment dann doch“, kann Lohmeyer aus eigener Erfahrung berichten.

Die Bilder der eigenen Kamera können auf jedem Handy oder Computer sehr einfach von überall aus abgerufen werden. Die Livebilder verbrauchen sehr wenig Datenvolumen, sodass neben WLAN- und LAN-Übertragung auch das mobile Datennetz verwendet werden kann.

„Der Mobilfunkstandard LTE ist aber Voraussetzung“, sagt Christian Lohmeyer. Die Überwachung wird in den Nachtstunden von 23 Uhr bis 5 Uhr durch Studierende der Tierärztlichen Hochschule Hannover durchgeführt. „Wir dachten, dass bei den Studierenden sicherlich Interesse an einem solchen Nachtjob besteht und sollten Recht behalten. Wir konnten schnell ein tolles Team finden, dass wir speziell für diese Aufgabe geschult haben“, berichtet Lohmeyer.

Die Bilder sind für die Überwacher komplett anonymisiert und werden nirgends gespeichert. „Die sehen quasi nur eine Box mit Pferd bzw. einen Abkalbebereich. Das Bild könnte von überall stammen. Datenschutz ist ein sensibles und wichtiges Thema“, sagt Lohmeyer. „Tagsüber sind die Bilder für das Team nicht einsehbar.“

Den Vorteil seines Systems sieht Christian Lohmeyer in dem geringen Datendurchsatz und der Bündelung aller Kamerabilder zusammengefasst auf einen Bildschirm.

Über seine Firma, die Herdenschutz UG, vermietet und verkauft Christian Lohmeyer komplette Kamerasysteme inklusive SIM-Karte, Installation und Einweisung.

Weitere Informationen gibt es unter www.herdenschutz.net oder direkt unter info@herdenschutz.net.

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Erstellt:
30. Mai 2020, 19:55 Uhr
Lesedauer:
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