jarmoluk / pixabay

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05.01.2018 Von Alan Smithee

Kann Kohfeldt Werder retten?

Werder Bremen hat unlängst bekannt gegeben, dass der Club mindestens bis Saisonende mit Florian Kohfeldt weiterarbeiten möchte. Der 35-jährige war zunächst als Interimslösung für den geschassten Alexander Nouri eingesetzt worden, soll die Werderaner nun aber vor dem Abrutschen in die Zweitklassigkeit bewahren. Kohfeldt feierte seit Beginn seines Engagements drei Siege in der Liga, aus dem Tabellenkeller führte er Werder bislang allerdings noch nicht. Während einige die Unerfahrenheit des 35-jährigen als Manko im Abstiegskampf sehen, ist Kohfeldt für andere ein weiteres Beispiel für den Aufstieg der „jungen Wilden“ auf den Trainerbänken der Bundesliga. Kohfeldt selbst ist jedenfalls vom Erfolg seines Vorhabens überzeugt.

Trainer mit Uniabschluss

Als Alexander Nouri nach der 0:3 Niederlage im eigenen Stadion gegen Augsburg den Hut nehmen musste, kam die Verpflichtung von Florian Kohfeldt als Nachfolger für die meisten überraschend. Der gebürtige Siegener beendete seine eigene aktive Karriere als Torwart früh, weil er selbst der Ansicht war, nicht stark genug für eine Karriere als Profi zu sein. Stattdessen studierte Kohfeldt Sport- und Gesundheitswissenschaften. Nebenbei trainierte er verschiedene Nachwuchsmannschaften bei Werder und schloss 2015 den Trainerlehrgang des DFB ab: als Jahrgangsbester. Böse ausgedrückt könnte man sagen, dass Kohlfeldt genau ein Vertreter jener Generation von jungen „Konzepttrainern“ ist, die Mehmet Scholl kürzlich scharf kritisiert und damit eine Debatte ausgelöst hatte. Doch das muss keinesfalls heißen, dass Kohfeldt der falsche Mann für Werder ist, zumal Scholls Kritik wiederum viel Gegenwind provozierte. Nach einer Niederlage im ersten Pflichtspiel unter Kohfeldt gegen Frankfurt, folgte unmittelbar darauf ein überlegener 4:0 Sieg gegen Hannover 96. Die Handschrift des neuen Coaches war da schon erkennbar: Werder spielte deutlich mutiger nach vorne und war insgesamt offensiver ausgerichtet, als unter Nouri.

Dortmund auswärts geschlagen

Nach einer Niederlage gegen Leipzig und einem weiteren Sieg gegen Stuttgart, kam mit dem 2:1 Erfolg gegen Dortmund endgültig der Punkt, an dem die Bremer von der Qualität ihres Interimstrainer überzeugt waren. Auch wenn Dortmund zu diesem Zeitpunkt unter dem kurz darauf gefeuerten Peter Bosz eine Schwächephase durchmachte: Immerhin hatte Werder die Borussia in deren Stadion geschlagen. Es war zudem der erste Auswärtssieg der Bremer in der laufenden Saison, ein weiteres Argument pro Kohfeldt. Bitter für die Bremer war allerdings die Verletzung von Fin Bartels, der sich gegen Dortmund einen Achillessehnenriss zuzog und den Rest der Saison ausfällt. Kohfeldt allerdings gewann durch den Sieg ordentlich Rückhalt. Der 35-jährige hatte schon bei seiner etwas überraschenden Verpflichtung als Cheftrainer selbstbewusst zu Protokoll gegeben, dass er früher oder später in jedem Fall in der Bundesliga gelandet wäre.

Kohfeldt darf weitermachen

Doch nach der Euphorie über den Sieg in Dortmund folgte die Ernüchterung nach dem Remis im direkten Abstiegsduell gegen den FSV Mainz. Insbesondere die Art und Weise war ärgerlich. Nachdem Werder schon mit 2:0 geführt hatte, erzielte Fabian Frei in der Nachspielzeit noch den Ausgleich. Ein Nackenschlag für die Bremer im Abstiegskampf. Doch trotzdem verkündeten die Bremer Verantwortlichen zwei Tage nach der Niederlage, dass Kohfeldt nun bis zum Ende der Rückrunde Trainer bleiben darf. Die Bilanz des neuen Mannes ist zwar insgesamt durchwachsen, doch die Bremer Führungsriege traut dem 35-jährigen offenbar zu, den Klassenerhalt zu packen. Stand 27. Dezember steht die Quote auf einen Abstieg der Bremer in die 2. Bundesliga bei 4,33. Der Grund für das entgegengebrachte Vertrauen in Kohfeldt dürfte nicht nur die reine Bilanz sein. Vielmehr schaffte es der 35-jährige, das Spiel der Bremer wieder variabler und kombinationslastiger zu gestalten. Auch seine Präsenz an der Seitenlinie ist im Gegensatz zu Alexander Nouris in dessen letzten Spielen als Trainer deutlich positiver.

Es bliebt eng

Es bleibt also abzuwarten, ob die Bremer den Klassenerhalt packen. Fest steht, dass der neue Coach frischen Wind in die Mannschaft gebracht hat. Derzeit sieht es so aus, als ob der zweite Abstiegsplatz zwischen Stuttgart, Mainz, Hamburg und Bremen ausgemacht wird. Der 1. FC Köln auf dem letzten Tabellenrang ist weit abgeschlagen, ein Klassenerhalt dürfte schwierig werden. Autogrammkarten des jungen Sympathieträgers Kohfeldt verkaufen sich jedenfalls wie warme Semmeln. Am Ende wird es eine Sache der Mentalität sein. Einen kräftigen Euphoriebonus konnten sich die Werderaner im DFB-Pokal holen, als die Kohfeldt-Truppe durch einen Sieg gegen Freiburg das Viertelfinale klar machten. Ein Erfolg Kohfeldts würde in jedem Fall Mehmet Scholl Lügen strafen. Denn er ist wie erwähnt das Idealbeispiel eines Konzepttrainers. Scholl hatte gerade diesen Trainern vorgeworfen, in den wirklich entscheidenden Spielen nicht über die nötige Erfahrung zu verfügen. Und für Abstiegsaspiranten ist bekanntlich jedes Spiel ein Entscheidendes.

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Erstellt:
5. Januar 2018, 14:23 Uhr
Lesedauer:
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