Bruno Fehse und Dr. Frank Schmädeke ließen sich von BASF-Werkleiter Dr. Martin Kraum über die Katalysatorenherstellung in Nienburg informieren (von links). Büro Schmädeke

Bruno Fehse und Dr. Frank Schmädeke ließen sich von BASF-Werkleiter Dr. Martin Kraum über die Katalysatorenherstellung in Nienburg informieren (von links). Büro Schmädeke

Nienburg 05.02.2019 Von Die Harke

Katalysatoren aus heimischer Produktion

Seniorenunion lauschte spannendem Vortrag über das Katalysatorenwerk der BASF

Bei strahlendem Wintersommerwetter begrüßte Bruno Fehse seine Gäste von der Seniorenunion Nienburg im gut gefüllten Wesersaal. Zahlreiche Mitglieder der Vereinigung waren an diesem Nachmittag der Einladung gefolgt und erwarteten gespannt den Vortrag von Dr. Martin Kraum, der für die BASF Catalysts Germany das Werk in Nienburg leitet. „Ich freue mich, dass wir heute zum ersten Treffen etwas aus der Wirtschaft hören. Der Standort Nienburg ist für die BASF ein kleiner, für Nienburg ist die BASF aber ein großer Arbeitgeber.“ Der Vorsitzende der Seniorenunion begrüßte auch Rainer Hesse, den Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung im Landkreis Nienburg (WIN) und den Landtagsabgeordneten Dr. Frank Schmädeke. In seiner kurzen Einführung kritisierte der Vorsitzende die ablehnende Haltung gegenüber forschenden Unternehmen, man müsse bei der Bewertung zukünftig wieder mehr neutrale wissenschaftliche Erkenntnisse und nicht bloß das Bauchgefühl bei Entscheidungen zu Rate ziehen, um Deutschland als innovativen Standort nicht zu gefährden.

Wie Dr. Kraum in seinem Vortrag über das Nienburger Katalysatorenwerk betonte, agiert das Unternehmen weltweit an sechs Verbundstandorten und weiteren 347 Produktionsstandorten, um das breite Portfolio der Expertise in den vier Segmenten bedienen zu können. Das Nienburger Catalysts-Werk gehöre zum Segment „Functional Materials & Solutions“. BASF arbeite an Nachhaltigkeit entlang der Wertschöpfungskette, erklärt der Nienburger Werkleiter den interessiert Zuhörenden.

„Wir stellen uns den hohen Herausforderungen der Nachhaltigkeitsthemen und agieren mit unserer großen Expertise bei der Luftsäuberung. Wenn unser Kunde am Markt nicht erfolgreich ist, sind wir es auch nicht“, erklärt Kraum das Engagement des Unternehmens. Auch für die Zukunft der Mobilität bietet BASF schon heute Lösungen an. BASF entwickelt und produziert an weltweit sieben Standorten Batteriematerialien für Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos.

Am Standort Nienburg produziert BASF Katalysatoren, im nahen Hannover seien Forschung und administrative Bereiche angesiedelt. „Getrieben wird unser Geschäft durch die immer strengere Gesetzgebung. Seit 1992 haben sich die Emissionsgesetze von Euro 1 zu Euro 6 entwickelt“, betont Martin Kraum. Und um diese Entwicklung zu verdeutlichen, erklärt er, dass heute 100 Autos das gleiche emittieren, wie nur ein Auto im Jahr 1975. „Und wir sind dabei, das noch zu verbessern“. Die Katalysatoren aus Nienburg seien aber nicht nur in PKW und LKW verbaut, man finde sie auch im Garten, zum Beispiel bei Mähern und Sägen. „Das alles startet bei uns im Haus.“

Die drei großen Hersteller teilen sich den Markt.

Dr. Martin Kaum, BASF-Werksleiter

Mit einem kurzen Film erläutert er den neuen Vier-Wege-Katalysator, der ebenfalls in Nienburg produziert wird und von hieraus seinen Erfolgsweg startet. 1994 wurde das heutige Werk an seinem Standort errichtet, vorher gab es bereits ein Joint Venture mit der Kali Chemie. Um den Nienburger Standort mit seinen rund 600 Mitarbeitern für die Zukunft zu ertüchtigen, hatte BASF zu den 50.000 Quadratmetern Betriebsgelände erst kürzlich weitere Flächen erworben.

Auf die Lage am Weltmarkt angesprochen erklärt Dr. Kraum, dass sich drei große Hersteller den Markt teilen. „Und wir bemühen uns beständig, unseren Anteil zu erhöhen“, ergänzt der Wahl- nienburger mit einem Augenzwinkern. Ob man Katalysatoren recyceln könne?, wollte Bernhard Flögel. Dr. Kraum bejahte die Frage, denn das Recycling lohne sich schon alleine wegen der darin verarbeiteten Edelmetalle.

Zweiter Gast an diesem Nachmittag war der CDU-Landtagsabgerodnete Dr. Frank Schmädeke, der das Thema seines Vorredners aufgriff und den Blick weiter nach vorne lenkte. Der Verbrennungsmotor sei unter Druck. Er sei froh, mit dem Katalysatorenwerk der BASF ein Unternehmen im seinem Heimatwahlkreis zu haben, das Lösungen anbietet. Zwar sei die E-Mobilität am Horizont, er erwarte jedoch mit Spannung und Zuversicht auch die Weiterentwicklung der Brennstoffzellen-Technologie. In den kommenden zehn Jahren werde die E-Mobilität langsam wachsen.

Und auf die Frage eine Antwort gefunden werden müssen, ob der Diesel als effizientester Verbrenner nicht bei entsprechenden Verbesserung doch zurück kommt? Politik könne da durchaus lenken, Anreize schaffen, um den neuen Diesel wieder schmackhaft zu machen. Der brauche dann auch weiterhin die Katalysatortechnik aus Nienburg, das gleiche träfe auch auf die Brennstoffzelle zu. Langfristig, so der Landtagsabgeordnete, werde sich vor allem im ländlichen Raum vielleicht der Hybrid-Motor durchsetzen.

Schmädeke ging auch auf aktuelle Landesthemen ein – die medizinische Versorgung, das Gerangel um die verkaufsoffenen Sonntage und auch die mühsame Schulpolitik sind dabei ein Thema. Aufgabe der Politik sei es, regulatorisch einzugreifen. „Und wir müssen uns für Ärzte und Klinikpersonal attraktiver machen“, betont Schmädeke. Diesen Prozess hätte man vor Jahren bereits erkennen und einleiten müssen. „Wenn ich heute Fehler beklage, ist das Ei bereits vor Jahren ins falsche Nest gelegt worden“.

Ein kleiner Exkurs ins Thema Wolf war auch an diesem Nachmittag unumgänglich. Erst an diesem Morgen haben Wölfe in Nienhagen zwei Pferde angegriffen und tödlich verletzt. „Meine Meinung dazu ist klar, wir werden den Wolf hier nicht wieder abschaffen, aber wir müssen darauf achten, dass er Respekt behält“, betonte Schmädeke. „Ich bin guter Dinge, dass wir über die Gefahrenabwehr entnehmen dürfen und dass wir auch eine Bund/EU-Regelung finden.“

Haushaltspolitisch gab es an diesem Nachmittag erfreuliches aus dem Landtag zu berichten: Niedersachsen geht ohne Neuverschuldung und einem 32,9 Millionen Euro schweren Haushalt in das neue Jahr. Das Land habe aber immer noch doppelt so viele Schulden wie Haushalt. Man müsse ausgewogen investieren und sparen. 350 Millionen Euro investiere das Land zusätzlich in die Digitalisierung, weitere 350 Millionen Euro gingen an die Universitäten, Hochschulen und in die Forschung, 100 Millionen Euro investiere man aus dem Sondervermögen in die Wirtschaft- auch in Forschung, Klimaschutz, Infrastruktur, Umgehungsstraßen und Sportstättenförderung.

Aber eben auch 100 Millionen Euro in die Tilgung der Altschulden. „Wir müssen unbedingt in die Zukunft investieren“, betont der Landtagsabgeordnete, „und die Kommunen dabei unterstützen wirtschaftliche Lücken zu finanzieren. Beim Breitbandausbau könne man zwischen der letzten und der vorletzten Milchkanne keinen Blumentopf gewinnen. „Diese Kosten sind ein Sozialvertrag. Und ich wünsche mir, dass wir da gute Entscheidungen treffen“, schloss Frank Schmädeke seinen Bericht.

Der nächste Termin der Senioren-Union wird am 11. Februar stattfinden. Dann ist Dieter Hüsemann zu Gast, um über Wilhelm Busch zu referieren. Gäste sind willkommen.

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Erstellt:
5. Februar 2019, 12:01 Uhr
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