Katzenelend ohne Ende: eine wilde Katze mit ihrem Nachwuchs.

Katzenelend ohne Ende: eine wilde Katze mit ihrem Nachwuchs.

06.07.2014

Katzen-Babys warten auf neues Zuhause

Amigo e.V. wird überschwemmt mit Vermittlungs- und Kastrationsanfragen / Kapazitäten nahezu erschöpft

Nienburg. Die Katzenhilfe des Vereins Amigo hat auch in diesem Jahr Unterstützung in allen Bereichen gefunden. Dennoch muss der Verein gerade in jüngerer Vergangenheit feststellen, dass auch die Erwartungen an die Leistungen der Katzenhilfe mittlerweile manchmal unerreichbar hoch gesteckt werden. Nach einem relativ ruhigen Start ins Jahr 2014 erreichen die Katzenhilfe seit Anfang Mai nahezu täglich Anrufe aus der Bevölkerung mit der Bitte um Hilfe. In den meisten Fällen haben besorgte Mitbürger entweder Nachbarn, die eine Unmenge unkastrierter Katzen füttern oder in ihren Scheunen, Gartenhäuschen, Heuböden etc. Katzenmütter mit wenige Wochen alten Katzenbabys gefunden haben.

Traurige Realität ist jedoch, dass Amigo als schwerpunktmäßig präventiv tätiger Verein zunächst nicht viel Hilfe anbieten kann. Solange die Katzenmütter die Kleinen versorgen und keine Gefahr in Verzug ist, können die Tierschützer nur raten, die Katzenfamilie zu beobachten, bei der Vermittlung der Kleinen zu unterstützen und nach neun bis zwölf Wochen die Katzenmutter kastrieren zu lassen, um weitere Würfe zu vermeiden. „Manche Mitbürger erwarten allerdings, dass der Verein die Katzenwelpen – und nicht selten auch die Mütter - umgehend abholt und anderweitig unterbringt“, so Amigo-Vorsitzende Christiane Prütz. Gleiches gelte für verletzte oder kranke Tiere.

„Zum einen ist dem Verein Amigo weder eine Katzenauffangstation noch einem Tierheim angeschlossen, zum anderen fehlt es an Unterbringungsmöglichkeiten auf Rest-, Reiter- oder Bauernhöfen sowie an Tierfreunden, die Erfahrung oder Interesse an der Aufzucht von Katzenwelpen haben. Außerdem lassen sich Streunerkatzen nicht so ohne weiteres umsiedeln oder gar – wie viele meinen – in ein Tierheim verfrachten. Streuner sind verwilderte Hauskatzen, die den Menschen nur zum eigenen Vorteil dulden Außerdem bekommt der Verein inzwischen die fehlenden Kapazitäten des einen Tierheimes mit allen Konsequenzen zu spüren“, so die Vorsitzende weiter.

Und auch bei kranken Katzen sei der Verein auf die Mithilfe der Bürger angewiesen. Der flächenmäßig große Landkreis Nienburg erlaube es den zumeist ehrenamtlich Tätigen nicht, täglich überall hin zu fahren und über Tage neben der Falle auszuharren, bis die Katze eingefangen ist. Verliehene Fallen kämen zudem nicht selten völlig verdreckt zurück.

„Der Verein kann jedoch nicht angemessen unterstützen, wenn die Finder jegliche Mithilfe verweigern oder selbst bestimmen wollen, wie diese auszusehen hat. Eine verletze Katze konnte nicht eingefangen werden, weil man nicht einmal bereit war, Futter in die Falle zu stellen. Bei einer Katzenmutter mit angeblich zwölf Babys mussten wir – trotz schneller Organisation von Pflegestellen – tatenlos zusehen, wie die Kleinen verendet sind, berichtet die Vorsitzende weiter. „In einem anderen Fall müssen Dutzende Katzen weiter krank und durch Inzucht missgebildet weiterleben. Man habe das schließlich immer schon so gemacht. Und Kastrieren hält man für barbarisch“, so Prütz.

In einem anderen Fall seinen zum wiederholten Mal Katzenbabys in einem Abflussrohr gefunden worden. Bei Stark- und Platzregen hätten die Babys keine Chance.

„Einige Vereinsmitglieder haben bereits nicht vermittelbare oder kranke Tiere aufgenommen und bieten sich trotzdem noch als Pflegestellen an. Eine enorme Entlastung für die Katzenhilfe. Da ist es dann besonders tragisch, wenn – wie in einem Fall – eine minderwüchsige Jungkatze angefahren und liegengelassen wird und hohe OP-Kosten für Mitglied und Verein entstehen“, berichtet die Tierschützerin weiter.

Allein im Mai ist der Verein Amigo um Hilfe bei der Vermittlung von etwa 50 Katzenbabys und um die Kastration von fast 40 Katzen gebeten worden.Würfe mit sechs Babys seien dabei eher die Regel als die Ausnahme. Bei den Kastrationsanfragen sind es selten Einzeltiere, sondern meistens sechs bis 20 Katzen pro Fundstelle.

„Die finanziellen Reserven sind da so gut wie erschöpft, die Pflegestellen besetzt und die Vermittlung der Katzenbabys geht schleppend voran, da die meisten Höfe durch Kastrationsmüdigkeit selber zu viele Katzen durchfüttern.

Darum sucht die Katzenhilfe dringend Tierfreunde, die sich kleine Katzen (gerne paarweise) anschaffen möchten, ihnen Freigang anbieten sowie teilweise auch Geduld und Erfahrung im Umgang mit Tieren haben, die noch an Menschen gewöhnt werden müssen“ appelliert Christiane Prütz an hilfsbereite Katzenfreunde.

Zurzeit warten Katzenbabys in Eystrup, Liebenau, Oyle, Rodewald und Nienburg auf ein neues Zuhause.

Sie sind zwischen sechs und zehn Wochen alt, einige Mütter haben auch noch nicht geworfen. Von grau-getigert über dreifarbig bis schwarz bzw. schwarz-weiß sind alle Farbschläge vertreten.

Zur Entlastung der mitunter völlig überforderten „Finder“ oder der nicht optimalen Bedingungen für die Katzenfamilien liegt dem Amigo e.V. die zügige Vermittlung der Kleinen sehr am Herzen.

Wer sich für Katzenkinder interessiert, kann sich vorab auf unter www.amigo-tierschutz.de informieren oder anrufen unter 0 15 25/6 94 85 97. Auch für die Entlastung durch finanzielle Unterstützung ist die Katzenhilfe mehr als dankbar: IBAN: DE23 2569 0009 0001 4168 00 und BIC: GENODEF1NIN. DH

Zum Artikel

Erstellt:
6. Juli 2014, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 27sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.