Kaum ein Auge bleibt trocken

Kaum ein Auge bleibt trocken

Stefan Schwiersch DH

Cali/Nienburg. „Ich war so nervös, wie seit langem nicht mehr. Ich habe am ganzen Körper gezittert, kurz bevor ich in den Raum gegangen bin“, erzählt Periklis „Aki“ Kalaitzis. Im Kinderheim „Fundacion dar Esperanza“ in der kolumbianischen Stadt Cali warteten etliche kleine Kulleraugen ganz gespannt auf Aki und seine Mitbringsel. Im Schlepptau hatte der Nienburger Salsa-Tänzer sogar den kolumbianischen Fernsehsender Telepacifico mit Reporterin Diana Figueroa. Sie fing die rührenden Szenen mit ihrer Kamera ein, denn in dem Moment, als Aki mit den Nienburger Spenden den Raum betrat, blieb kaum ein Auge trocken. Der Besuch im Kinderheim in den Bergen von Cali war schwieriger als geplant. Dort, wo nicht einmal die Einheimischen gern hinfahren, da wollte auch kein Taxifahrer hin – und viele hatten Kalaitzis davon abgeraten, „allein“ dorthin zu fahren. Aus diesem Grund bediente sich der Weserstädter seiner Popularität und nahm den Kontakt zu dem TV-Sender auf, der ihn und seine Schwester Maria schon im Rahmen der Salsa-World-Games 2013 in seinem Programm „90 Minutos“ interviewt hatte.

Der Nienburger überreichte im Beisein des Senders gemeinsam mit Laura Kirck von der Deutschen Schule in Cali und den World-Games-Siegern aus Kolumbien, Jefferson Benjumea und Adriana Avila Molina, einen Scheck über 1500 Euro, reichlich gespendete Kleidung und zur Freude der Kinder reichlich Kuscheltiere, die im Januar bei seiner Spendenaktion in Nienburg zusammengekommen waren. Durch das gespendete Geld ist ein Bus für die tägliche Fahrt zur Schule gesichert.

Die Leiterin des Kinderheims konnte es nicht glauben, dass sich Menschen aus einem weit­entfernten Land wie Deutschland so sehr um ihre Kinder kümmern und dass sogar das TV eingeschaltet wurde. Ein Star der World Games zu Besuch im Kinderheim, das war ein Highlight für die Kleinen. Aki hofft, dass durch den Kontakt zum TV und die Ausstrahlung noch mehr Spenden zusammenkommen werden.

Aki war vier Wochen in Cali, und es entwickelte sich bei vielen Gesprächen mit Diana Kirck eine neue Idee. Die World-Games-Sieger aus Kolumbien, Jefferson Benjumea und Adriana Avila Molina, die ebenfalls eine „Fundacion“ betreiben und armen Kindern aus der Nachbarschaft kostenfreien Salsa-Unterricht geben und damit die Hoffnung, eines Tages mit dem Erfolg die Familie ernähren zu können, werden in Zukunft gemeinsame Aktionen mit Aki für das Kinderheim „Fundacion dar Esperanca“ starten. Geplant ist auch ein Besuch der beiden Kolumbianer in Nienburg, der im November stattfinden soll. Bei diesem Besuch werden verschiedene Veranstaltungen und Spendenshows in und um Nienburg organisiert.

Kalaitzis plant jetzt die Gründung eines Vereins „Hilf uns helfen“. Aki: „Hilf uns helfen war erst mal nur ein Aufruf. Unter diesem Namen werden wir jetzt aber einen gemeinnützigen Verein gründen und in Zukunft auch in Deutschland aktiv werden. Wir möchten Kindern in Deutschland neue Hoffnung, neuen Mut oder gar eine neue kleine Familie schenken und werden dazu eine Salsa-Kindershow-Gruppe gründen und unterrichten.“ In dieser Gruppe sollen dann bedürftige Kinder kostenfrei tanzen dürfen. Interessierte Eltern bittet Kalaitzis, sich per E-Mail (periklis.kalaitzis@gmx.de) zu melden. Folgende Daten sind dabei wichtig: Alter des Kindes, der gewünschte Kurstag und die Uhrzeit. hn