Der Prozess um eine Prügelei im Rockermillieu ging weiter. Luftbildfotograf / Fotolia

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Eystrup/Verden 16.04.2019 Von Wiebke Bruns

Kein Prozess im Krankenhaus

Prügelei im Rockermilieu: Erkrankter Angeklagter wird für Verhandlung beurlaubt, um Gesamtverfahren nicht zu gefährden

An Tag fünf im Verdener Landgerichtsprozess mit fünf Angeklagten aus Walsrode, Eystrup und Visselhövede gab es die Videoaufnahmen der Tat immer noch nicht zu sehen. Mehrere Überwachungskameras sollen die 27 bis 36 Jahre alten Männer bei einer gefährlichen Körperverletzung auf dem Hinterhof einer Verdener Kneipe am 10. Juni 2017 gefilmt haben. Dieses Mal war eine Erkrankung eines Angeklagten der Grund. Vorrang hatte damit die Frage, wie man fortsetzen könne, ohne den kompletten Prozess zu gefährden. Der 27-Jährige aus Walsrode war am Tag vor diesem Sitzungstag ins Krankenhaus eingewiesen worden und laut den behandelnden Ärzten nicht transportfähig. Er sei jedoch verhandlungsfähig, weshalb eine kurzfristige Verlegung dieses Sitzungstages ins Diakonieklinikum Rotenburg diskutiert wurde.

„Wir haben einen Dienstwagen“, signalisierte Staatsanwalt Dr. Jörg Hennies Zustimmung. Eindeutig dagegen sprach sich der Vorsitzende Richter Markus Tittel aus. „Ich halte das für ausgeschlossen, dass wir jetzt im Krankenhaus einen Termin machen.“

Ein Argument war die Vielzahl der Verfahrensbeteiligten: zwei Berufsrichter, zwei Schöffen, zwei Staatsanwälte, fünf Angeklagte mit jeweils einem Verteidiger. „Wir verhandeln auch mit einem deutlich höheren Sicherheitsaufwand“, so Tittel. Rund ein Dutzend Wachtmeister sind an jedem Verhandlungstag im Einsatz, obwohl alle Angeklagten auf freiem Fuß sind.

Diesen Sitzungstag einfach aufzuheben, war nicht möglich, weil die Strafprozessordnung vorschreibt, dass eine Hauptverhandlung in diesem frühen Stadium nur maximal drei Wochen unterbrochen werden darf. Andernfalls würde der Prozess platzen und alles müsste von vorne beginnen. Ein kurzfristiger Zusatztermin zur Fristwahrung war aus Urlaubsgründen nicht möglich.

Das Verfahren gegen den erkrankten Angeklagten abzutrennen und gegen ihn gesondert zu verhandeln, kam für die Verteidiger überhaupt nicht in Betracht. Am Ende einigten sich alle darauf, den Erkrankten zu beurlauben.

Nach Hause geschickt wurde die während all dieser Erörterungen und Beratungspausen auf dem Gerichtsflur wartende Polizeibeamtin, die als Zeugin geladen war. Etwas Programm brauchte es dann jedoch. Der 27 Jahre alter Angeklagter aus Eystrup und ein 28-Jähriger aus Walsrode schilderten in ganz wenigen Sätzen ihren bisherigen Werdegang. Ein 36 Jahre alter Angeklagter aus Walsrode und ein 32-Jähriger aus Visselhövede waren dazu nicht bereit. Zu den Tatvorwürfen schweigen bislang alle Angeklagten.

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Erstellt:
16. April 2019, 06:12 Uhr
Lesedauer:
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