Udo Werfelmann und auch alle anderen Fahrlehrer werden in den kommenden Wochen niemandem das Autofahren beibringen.Fotos: Garms

Udo Werfelmann und auch alle anderen Fahrlehrer werden in den kommenden Wochen niemandem das Autofahren beibringen. Fotos: Garms

Landkreis 19.03.2020 Von Manon Garms

Kein Unterricht für Fahrschüler

Corona-Krise: Fahrschulen müssen Betrieb komplett einstellen / Auch Prüfungen finden nicht statt

Das öffentliche Leben im Landkreis Nienburg ist aufgrund der Corona-Krise inzwischen weitgehend eingeschränkt. Die Öffnungs- beziehungsweise Betriebsverbote betreffen aber nicht nur Schulen, Kitas oder Geschäfte mit Waren, die nicht für den täglichen Bedarf erforderlich sind. Auch die Fahrschulen müssen ihren Betrieb komplett einstellen.

Diese Nachricht bekam Udo Werfelmann, Nienburger Kreisvorsitzender des niedersächsischen Fahrlehrerverbandes, am Dienstag sowohl vom Landkreis als auch vom TÜV Nord. Im Schreiben des Landkreises heißt es: „Mit Allgemeinverfügung vom heutigen Tage wurden Zusammenkünfte in privaten Bildungseinrichtungen im außerschulischen Bereich ab sofort verboten. Dies betrifft sowohl die Ausbildung von Fahrschülern als auch die Weiterbildung nach dem Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz.“ Der TÜV Nord teilte mit, dass theoretische und praktische Prüfungen bis auf Weiteres ausgesetzt werden und bereits vereinbarte Termine zunächst bis einschließlich 18. April storniert werden.

Publikumsverkehr verboten

„Auch der Publikumsverkehr, zum Beispiel fürs Anmelden, ist verboten“, erklärt Werfelmann: „Wir Fahrlehrer nehmen aber alle Anmeldungen telefonisch entgegen und bereiten dann alles vor, sodass wir – wenn es wieder losgehen kann – nur noch die Unterschriften bauchen.“

Vom Verbot betroffen sind natürlich auch Nachschulungskurse, die eigentlich innerhalb von vier Wochen abgeschlossen sein müssen. „Es gibt aber Fristverlängerungen. Und niemand braucht Angst haben, dass er den Führerschein wegen eines Fristablaufs nicht zu Ende machen kann“, betont Werfelmann. Dazu heißt es vom Landkreis: „Sollten bei Fahrschülern diesbezüglich in der Zwischenzeit Fristabläufe eintreten, so sind wir bereit, die Fristen entsprechend der Ausfallzeit unbürokratisch zu verlängern.“

Wirtschaftlich ist das für uns Fahrlehrer eine Katastrophe. Aber der wirtschaftliche Aspekt steht nicht im Vordergrund, sondern am wichtigsten ist, dass wir alle uns nicht infizieren.

Udo Werfelmann, Nienburger Kreisvorsitzender des niedersächsischen Fahrlehrerverbandes

Werfelmann hat nach eigenen Angaben allergrößtes Verständnis für die jetzigen Maßnahmen, mit deren Hilfe die Ausbreitung des Coronavirus bekämpft werden soll. „Wirtschaftlich ist das für uns Fahrlehrer eine Katastrophe. Aber der wirtschaftliche Aspekt steht nicht im Vordergrund, sondern am wichtigsten ist, dass wir alle uns nicht infizieren“, sagt der Kreisvorsitzende des niedersächsischen Fahrlehrerverbandes.

Kurzarbeit muss beantragt werden

In seiner Fahrschule arbeiten neben ihm drei festangestellte Fahrlehrer, eine Bürokraft sowie einige Aushilfen. „Wir beantragen jetzt Kurzarbeit“, sagt Werfelmann. Er selbst bleibt während des Betriebsverbots aber nicht etwa die ganze Zeit zu Hause. „Ich kann mich von meinem Laden nicht trennen und war heute Morgen der erste im Büro. Ich stehe in telefonischem Kontakt zu meinen Mitarbeitern und habe mir vorgenommen, organisatorische Dinge aufzuarbeiten, die in der letzten Zeit liegen geblieben sind“, sagt der Fahrlehrer.

Zudem sei es nun wichtig, sich Gedanken über die Zukunft zu machen. „Das Kurzarbeitergeld gibt es für die Mitarbeiter, aber nicht für mich. Allerdings gibt es auch sonstige Förderprogramme, über die ich mich informieren werde. Außerdem hoffen wir auf Steuererleichterungen und dass die Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer bürokratielos angepasst werden“, so Werfelmann.

Das Telefon steht nicht mehr still

Er will aber auch für seine Fahrschüler zur Verfügung stehen, denn die hätten jetzt viele Fragen oder auch zum Teil noch gar nicht mitbekommen, dass die Fahrschulen schließen müssen. „Im Moment steht das Telefon nicht mehr still – obwohl wir auch in den sozialen Medien schon informiert haben“, sagt Werfelmann, der aber verstehen kann, dass es im Moment viel Unsicherheit bei den Fahrschülern gibt. Klar ist auch: „Wenn es wieder losgeht, müssen wir die Leute in der praktischen Ausbildung erst einmal wieder auf Stand bringen.“

Werfelmann ist seit mehr als 20 Jahren Kreisvorsitzender des niedersächsischen Fahrlehrerverbandes. Innerhalb des Verbandes sei man natürlich nicht glücklich mit der Situation, habe sich aber damit abgefunden. „Ich habe die Mitglieder um regelmäßige Rückmeldungen gebeten. Sie sollen mich per E-Mail auf dem Laufenden halten, und wir werden uns telefonisch untereinander austauschen“, sagt der Kreisvorsitzende. Das Verhältnis der Fahrlehrer untereinander sei kollegial, worüber Werfelmann sehr froh ist: „Es ist wichtig, dass wir in dieser Zeit Zusammenhalt finden.“

Die Fahrlehrer stehen über die sozialen Medien jederzeit für Fragen ihrer Fahrschüler zur Verfügung.

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Erstellt:
19. März 2020, 18:45 Uhr
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