Kein Wohnraum für Geringverdiener im Kreis Nienburg

Kein Wohnraum für Geringverdiener im Kreis Nienburg

Immer mehr Menschen sind auf Wohnungen angewiesen, die kein großes Loch in der Kasse hinterlassen. Foto: MeinFairMieter

Das Pestel-Institut in Hannover hat die Entwicklung der Mieten im Kreis Nienburg und damit die Situation der Geringverdiener am Wohnungsmarkt analysiert. Dabei fanden sie heraus: Die Mieten für einfache Wohnungen stiegen binnen sechs Jahren 4,3-mal so stark an wie die Lebenshaltungskosten.

Im Zeitraum von März 2014 bis August 2020 seien die Seiten um 27,8 Prozent bei Single-Haushalten angestiegen – Verbraucherpreise legten hingegen etwa 6,5 Prozent zu.

„Bei den Mieten wird oft rausgeholt, was rauszuholen ist. Dabei bauen Vermieter auf die Job-Center‘ als ‚zuverlässige Zahlstelle‘. Diese übernehmen zwar nur die Kosten für Wohnungen ‚einfachen Standards‘. Auf genau diese Wohnungen sind aber nicht nur Hartz-IV-Empfänger angewiesen, sondern eben auch die vielen anderen Haushalte mit niedrigen Einkommen“, sagt der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther.

Fast ein Viertel der Beschäftigten arbeitet nach Angaben des Pestel-Instituts bundesweit im Niedriglohnsektor: Vom Mindestlohnbezieher über Alleinerziehende bis hin zu Rentnern, die ihre kleine Rente mit einem Minijob aufbesserten.

Das Angebot an günstigen Wohnungen sei rar. Gerade Neuvermietungen nutzten viele Vermieter, um Maximalmieten zu erzielen, so Günther weiter. Zudem herrsche im Landkreis Nienburg das Problem, dass es generell zu wenig Wohnungen gebe: Die unzureichende Politik in diesem Bereich sorgte dafür, dass Mieten für einfache Wohnungen stark gestiegen seien, so das Institut.

Mit einem neuen Siegel wolle man auf die Thematik hinweisen und für mehr Transparenz auf dem Markt sorgen: Das Gütesiegel „MeinFairMieter“ soll potentiellen Mietern direkt verdeutlich, wie es um das Wohnungsangebot steht. Das Institut geht so weit, dass es das Siegel als „Sozial-Kompass für den Wohnungsmarkt“ bezeichnet. Auch sollte es eine Auswirkung auf die Wohnungspolitik haben und Missstände offenlegen.