Keine erhöhte Infektionsgefahr im ÖPNV

Keine erhöhte Infektionsgefahr im ÖPNV

VLN-Chef Jens Rühe hat selbst in Schulbussen die Maskenpflicht kontrolliert. Foto: Stüben

„Die regelmäßige Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel birgt kein erhöhtes Risiko einer Corona-Infektion.“ Zu diesem Ergebnis kommt eine in dieser Form nach Angaben des Verkehrsservice Landkreis Nienburg (VLN) bisher einzigartige Studie der Charité Research Organisation (CRO), die im Auftrag der Bundesländer und des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) das konkrete Ansteckungsrisiko von Fahrgästen in Bussen und Bahnen mit dem von Pendlerinnen und Pendlern verglichen hat, die regelmäßig mit Pkw, Motorrad oder Fahrrad unterwegs sind.

Damit sei eine Lücke bei den vorhandenen wissenschaftlichen Untersuchungen in diesem Bereich geschlossen worden, teilt das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung in einer Pressemitteilung mit.

In dieser sagt Verkehrsminister Dr. Bernd Althusmann zu dem Ergebnis der Studie: „Das sind gute Nachrichten für die Fahrgäste und die ÖPNVBranche. Wir wissen, dass nach wie vor viel Unsicherheit bei Fahrgästen und -personal im ÖPNV besteht. Niedersachsen hatte sich deshalb sehr stark dafür gemacht, das tatsächliche Infektionsrisiko erstmals gezielt wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Die Ergebnisse der Studie, die auf die Situation in Niedersachsen übertragbar sind, belegen eindeutig, dass kein höheres Infektionsrisiko bei der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel besteht.

Gleichzeitig belegen sie, dass die sorgfältigen Infektionsschutzmaßnahmen der Verkehrsunternehmen und die staatlichen Schutzvorgaben wie die Maskenpflicht im ÖPNV wirksam sind. Das schafft Sicherheit für alle, die auf die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen sind. Keiner muss Sorge vor einer Infektion haben, wenn er Bus und Bahn nutzt. Ich hoffe sehr, dass die neuen Erkenntnisse dazu beitragen, in den nächsten Wochen immer mehr Fahrgäste für den ÖPNV zurückzugewinnen.“

Niedersachsen hatte sich mit 177.000 Euro an der Finanzierung der rund zwei Millionen Euro teuren Untersuchung beteiligt. Für die unabhängige epidemiologische Studie habe die Research Organisation der Berliner Charité über fünf Wochen lang 681 Freiwillige im Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) begleitet, die entweder mit dem ÖPNV oder mit dem Individualverkehr (Auto/Fahrrad) zur Arbeit, Schule oder Ausbildung pendelten.

Zielsetzung dieser Untersuchung sei es gewesen, die Infektionsgefahr von Fahrgästen nicht unter Laborbedingungen oder auf Grundlage statistischen Berechnungen abzuschätzen, sondern im Rahmen der alltäglichen Fahrten zu ermitteln. Ein solcher Ansatz sei im Rahmen von Covid-Untersuchungen im Mobilitätssektor bislang einzigartig.

Das Forschungsinstitut CRO habe dabei keinen Unterschied im Hinblick auf ein mögliches erhöhtes Infektionsrisiko bei der ÖPNV-Nutzung im Vergleich zum Individualverkehr festgestellt. Die regelmäßige Nutzung von Bussen und Bahnen führe laut der Studie nicht zu einer höheren Ansteckungsgefahr.

Auch im Vergleich verschiedener ÖPNV-Verkehrsmittel seien keine Unterschiede festgestellt worden. Die zum Zeitpunkt der Untersuchung gültigen Schutzmaßnahmen, also die FFP2-Maskenpflicht, ausreichende Abstände und gute Durchlüftung der Fahrzeuge im ÖPNV, seien auf Basis der Studie wirksam.

„Das Ergebnis dieser Studie ist ein wichtiges Signal für unsere Fahrgäste und wir hoffen, damit neues Vertrauen in unseren Buslinienverkehr gewinnen zu können,“ sagt Simone Röver vom Verkehrsservice Landkreis Nienburg. „Gleichzeitig möchten wir allen Fahrgästen danken, die auch in Pandemiezeiten dem Buslinienverkehr im Landkreis Nienburg die Treue gehalten haben.“

Innenraumfilter in Bussen

Im Verkehrsgebiet des VLN seien zum Schutz vor der Ausbreitung des Corona-Virus im Buslinienverkehr verschiedene Maßnahmen ergriffen und fortlaufend auf die jeweilige Entwicklung reagiert worden. So seien in allen Linienbussen im Kreisgebiet eine Trennwand zwischen dem Arbeitsplatz des Fahrpersonals und dem Fahrgastraum verbaut worden. Die Plexiglaswand diene zum Schutz von Fahrpersonal und Fahrgästen und ermögliche auch den direkten Ticketkauf im Bus.

Auch der kontaktlose Ticketkauf über die VLN-Homepage sei 2020 eingeführt worden, teilt der VLN weiter mit. Trotz der verschiedenen Pandemiephasen sei die Mobilität der Menschen im Landkreis durch einen „verlässlichen Buslinienverkehr im Verkehrsgebiet des VLN stets aufrechterhalten“ worden.

Auch in den Phasen des eingeschränkten Präsenzunterrichtes seien die Busse nach dem Schulfahrplan gefahren. Dadurch seien genügend Kapazitäten für einen ausreichenden Abstand zwischen den Fahrgästen vorhanden gewesen und auch die wenigen Schüler, die noch an den Schulen unterrichtet wurden, seien in ihren gewohnten Bussen zur Schule und zurück nach Hause gebracht worden.

Mit der Aufnahme des Wechselunterrichtes in halber Klassenstärke setzte der VLN zusätzlich zu dem Fahrtenangebot nach Schulfahrplan weitere Verstärkerbusse in der Verkehrsspitze zu den Schulanfangs- und Schulschlusszeiten ein. Damit seien die Platzkapazitäten auf den Buslinien nochmal erhöht, sodass der einzelne Fahrgast mehr Platz zur Verfügung habe und Abstände besser eingehalten werden könnten.

Der VLN informiere seine Fahrgäste regelmäßig über verschiedener Kanäle über die Corona-Regelungen im ÖPNV, wie die Maskenpflicht in Linienbussen und an Haltestellen. Zudem würden weiterhin Kontrollen zur Einhaltung der Maskenpflicht durchgeführt. Ein Teil der im Kreisgebiet eingesetzten Linienbusse der VGH habe Innenraumfilter, welche die virale Belastung verringerten und die Infektionsgefahr von Fahrgästen und Fahrpersonal reduzieren sollten. Aufkleber am Einstieg kennzeichneten die entsprechend ausgestatteten Linienbusse.

Alle mit dem Linienbusverkehr im Kreisgebiet beauftragten Verkehrsunternehmen haben eigene Hygienekonzepte. Diese sähen verschiedene Maßnahmen zum Infektionsschutz vor, deren Wirksamkeit in der genannten Studie der CRO bestätigt worden sei. So seien die Reinigungsintervalle der Bus-Innenräume, insbesondere das Desinfizieren der Kontaktelemente, erhöht worden.

Um den regelmäßigen Luftaustausch im Linienbus zu fördern, seien die Klima- und Lüftungsanlagen permanent in Betrieb. Des Weiteren erfolgten in regelmäßigen Abständen Durchsagen zu den inzwischen bekannten Hygieneregeln sowie zur Einhaltung der Maskenpflicht.

Internet: www.vln-nienburg.de.