Bei Uta von Sohl laufen die Fäden zusammen. Für ihre Arbeit dankten ihr Christoph Schäfer, aktueller Präsident des Lions-Clubs Nienburg, und sein Mitstreiter Christian Göllner (rechts). Schmidetzki

Bei Uta von Sohl laufen die Fäden zusammen. Für ihre Arbeit dankten ihr Christoph Schäfer, aktueller Präsident des Lions-Clubs Nienburg, und sein Mitstreiter Christian Göllner (rechts). Schmidetzki

Landkreis 06.11.2019 Von Nikias Schmidetzki

Keine falsche Scheu

Die Kulturloge Mittelweser hat noch viel Platz in der Kundendatei

Theater, Konzerte, Kabarett, sogar Kino – die Lions Clubs im Landkreis Nienburg ermöglichen mit der Kulturloge Mittelweser Menschen mit keinem oder sehr geringem Einkommen, an entsprechenden Veranstaltungen teilzunehmen. Bezahlen müssen die Kunden dafür nichts. Dazu steht ein Kontingent an Karten zur Verfügung, die Veranstalter spenden. Die Resonanz sei jedoch zurückhaltend, sagt Uta von Sohl, die sich ehrenamtlich um die Kartenvergabe kümmert.

„Die Hemmschwelle ist ein großes Problem“, erklärt sie, die selbst viele Jahre lang beruflich im Kulturbereich tätig war. Dabei brauche sich niemand zu sorgen, persönliche Daten würden öffentlich werden. Selbst beim Abholen an der Kasse müssen Kunden der Kulturloge sich nicht erklären oder gar einen Nachweis erbringen, sondern nur ihren Namen nennen. Jeweils zwei Karten stehen dann zur Verfügung. Alleine muss also keiner los.

Lediglich bei der Beantragung ist ein Stempel des jeweiligen Trägers nötig. Wer Interesse am Besuch kultureller Angebote hat, kann ausfüllen, wonach der Sinn steht. Vom klassischen Theater über Comedy und Musik bis zu Film reichen die Möglichkeiten, sogar für Kinder und Jugendliche gibt es immer wieder Karten. Nur ist eben nicht immer alles vorrätig. Was der Kulturloge zur Verfügung steht, hängt stets von der Nachfrage im Vorverkauf ab.

Neben der unnötigen Scham sieht Uta von Sohl noch eine ganz andere Schwierigkeit als Grund am geringen Interesse. „Man kommt abends zum Teil nicht mehr nach Hause“, kritisiert sie die Kommunen. Der öffentliche Personennahverkehr müsse dringend ausgebaut werden.

Neben Tickets für das Nienburger Theater sind auch diverse andere Einrichtungen kreisweit dabei, Museen etwa, die Freilichtbühnen sowie andere Kulturvereine. Und auch fürs Kino stellen die Lions ein Kontingent. „Wir haben auch schon Karten für den Zirkus gehabt“, erinnert sich Lions-Mitglied Christian Göllner, der das Projekt in dem Verein betreut. Und manchmal kommt es sogar vor, dass Karteninhaber – etwa bei Abos – eine Vorstellung nicht wahrnehmen können und ihr Ticket spenden. Das sei der richtige Weg, findet Uta von Sohl: „Niemand sollte eine Karte verfallen lassen.“

Besonders großer Beliebtheit erfreuen sich plattdeutsches Theater und bekannte Gesichter. Da sei die Nachfrage durchaus größer. Die Reaktionen auf Angebote, die den Kunden aus der Datei nicht zusagen, seien übrigens ganz gemischt. Manche sind dankbar, dass überhaupt an sie gedacht wurde, andere reagieren wütend, dass nicht das Richtige für sie dabei ist. Etwas mehr als 100 Namen umfasst die Datei in diesem siebten Jahr seit Beginn der Kulturloge. „Es ist ein bunter Querschnitt durch die Bevölkerung“, sagt Uta von Sohl und lobt das Engagement der Lions: „Ich finde es grandios, dass die Lions das machen.“

Nähere Informationen gibt es im Internet unter www.kulturloge-mittelweser.de.

Diese Partner beteiligen sich:

  • Theater auf dem Hornwerk
  • Freilichtspiele Stöckse
  • Nienburger Kulturwerk
  • Jugendgruppe Crazy Black Sheep
  • Museum Nienburg
  • Alte Kapelle Haßbergen
  • Heimatspiele Marklohe
  • Filmpalast Nienburg
  • Sing- & Spielgemeinschaft Holte-Langeln
  • Kulturscheune Liebenau
  • Kleinkunstdiele Bücken

Zum Artikel

Erstellt:
6. November 2019, 08:15 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 27sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.