Die Kinder können kommen. Auch im Familienzentrum Hoya ist man auf den sogenannten eingeschränkten Regelbetrieb bestens vorbereitet. Heike Teichmann und ihr Team fangen allerdings nicht bei Null an. 60 Mädchen und Jungen wurden bereits in Notgruppen betreut. Foto: Hagebölling

Die Kinder können kommen. Auch im Familienzentrum Hoya ist man auf den sogenannten eingeschränkten Regelbetrieb bestens vorbereitet. Heike Teichmann und ihr Team fangen allerdings nicht bei Null an. 60 Mädchen und Jungen wurden bereits in Notgruppen betreut. Foto: Hagebölling

Hoya 21.06.2020 Von Edda Hagebölling

Kinder kommen durch die Terrassentür

Im Familienzentrum Hoya freut man sich sehr, dass der Kita-Betrieb - wenn auch eingeschränkt – wieder losgeht

„Wir freuen uns schon sehr auf die Kinder“, betont Heike Teichmann, Leiterin des Evangelischen Familienzentrums in Hoya. Obwohl auch in der Einrichtung an der Rudolf-Harbig-Straße ab morgen alles anders sein wird, wenn der sogenannte eingeschränkte Regelbetrieb in Kraft tritt und alle Kinder wieder in die Kita kommen dürfen.

118 Elternbriefe sind in diesen Tagen verschickt worden. Aus ihnen geht hervor, was die Mütter und Väter wissen müssen, bevor sie ihren Nachwuchs nach der rund dreimonatigen Zwangspause wieder bringen dürfen.

„Um die Corona-Auflagen zu erfüllen, müssen wir unser bewährtes Konzept komplett über den Haufen werfen“, so Heike Teichmann im Gespräch mit der HARKE am Sonntag. Eigentlich gilt im Familienzentrum das Prinzip der offenen Tür. Jedes Kind darf jeden Morgen aufs Neue entscheiden, welches Angebot es wahrnehmen möchte.

Das ist jetzt jedoch bis auf Weiteres nicht möglich. Die Kinder müssen die ganze Zeit über in ihren Gruppen bleiben, Mittagessen gibt es wegen der Hygieneauflagen nur in der Ganztagsbetreuung. Dennoch sind die Kita-Leiterin und ihr 23-köpfiges Team zuversichtlich, die Herausforderungen gut zu meistern.

Das große Plus des Familienzentrums Hoya – eine zweite Einrichtung dieser Art gibt es noch in Nienburgs Nordertor – besteht darin, dass jede Gruppe einen direkten Zugang zum Freigelände hat. Die Kinder können also problemlos ganz viel Zeit auf dem weitläufigen Gelände verbringen. Die Fläche selbst wurde bereits gedrittelt. Ein rot-weißes Trassierband signalisiert den Kindern, in welchem Bereich sie sich zeitversetzt aufhalten dürfen. Das Spielen mit dem Freund oder der Freundin aus der Nachbargruppe ist natürlich auch draußen nicht gestattet.

Das Freigelände steht umschichtig zur Verfügung. Während drei Gruppen das Kita-Gelände nutzen, begibt sich die vierte Gruppe auf Wanderschaft.

Das Familienzentrum Hoya vereint unter seinem Dach zwei Regelgruppen mit je 25 Kindern, zwei integrative Gruppen mit jeweils 18 Mädchen und Jungen, eine ebenfalls 25 Kinder starke Nachmittagsgruppe sowie die aus 15 Kindern bestehende Krippengruppe. Die „Krippis“ müssen nicht wandern. Sie haben ohnehin ihre eigenen Räumlichkeiten und ihren eigenen Außenbereich.

Hinzu kommen zahlreiche Beratungsangebote. Die können aktuell jedoch nur telefonisch in Anspruch genommen werden. Lediglich die Schuldnerberatung hat bereits real stattgefunden.

Heike Teichmann und ihre Kolleginnen gehen schon davon aus, dass alle Eltern die Chance nutzen werden, ihre Kinder ab morgen wieder in die Kita bringen zu dürfen. Aus der Übung gekommen sind die Erzieherinnen, die Heilerziehungspflegerinnen und die Koordinatorin durch die dreimonatige Zwangspause jedoch keinesfalls. Dank der Möglichkeit, Notgruppen anbieten zu dürfen, wuselten zuletzt ohnehin schon wieder 60 Kita-Kinder durch das weitläufige Gebäude. Allerdings kommt auch auf sie eine Umstellung zu. Haben sie sich bisher in ihrer Notgruppen-Gruppe aufgehalten, müssen sie sich ab morgen wieder an ihre „alte“ Gruppe gewöhnen.

Heike Teichmann ist überzeugt, dass der Lockdown viele Kinder zurückgeworfen hat. „Bei dem einen oder anderen fangen wir in puncto Sozialverhalten und Sprachförderung garantiert wieder bei Null an“, so die Kita-Chefin.

Immer weniger Sprachförderstunden

Dass man auch in Hoya die ganze Zeit über den Kontakt zu den Eltern und Kindern gehalten hat, versteht sich für Heike Teichmann und ihr Team von selbst. Darüber hinaus wurden Mundschutzmasken genäht und Instandsetzungsarbeiten vorgenommen. „Wir haben Bänke gestrichen, Hinweisschilder gebastelt, der Garten ist tip top und auch die Wildblumenwiese im Eingangsbereich zeigt sich von ihrer besten Seite“, so Teichmann.

Die Kinder, die nicht im Ganztag sind, müssen ab morgen spätestens um 13 Uhr abgeholt werden. Die Zeit bis zum Eintreffen der Nachmittagsgruppe wird gebraucht, um alles zu desinfizieren.

Mit Ende des Kita-Jahres wechseln 39 Kita-Kinder in die Schule und sechs oder sieben Krippen-Kinder in die Kita. Freie Plätze gibt es dennoch nicht, Kita und Krippe sind längst wieder ausgebucht. In die Krippe können die Kinder bereits mit acht Wochen gegeben werden. Das Familienzentrum Hoya kann zudem sogar als Alternative für die Betreuung in einer Pflegefamilie angesteuert werden.

Hinzu kommt: Die Kita „Arche Noah“ – so der Name der Einrichtung in Hoya – ist eine von zwei anerkannten Sprachkitas im Kreis. Die zweite, ebenfalls eine „Arche Noah“, hat ihren Sitz in Nienburgs Lehmwandlung. Was Heike Teichmann allerdings nicht versteht: Die vom Bund finanzierten Stunden für die Sprachförderung werden immer weiter gekürzt. Statt 30 Stunden pro Woche sind es jetzt noch zehn. Trotz gleichbleibenden, wenn nicht steigenden Bedarfs. Hinzu kommt für Heike Teichmann: „Wir müssen auch als Arbeitgeber attraktiv bleiben. Gerade die jüngeren Erzieherinnen bewerben sich lieber auf Ganztags- als auf Teilzeitstellenstellen“, so die Kita-Chefin.

Dass immer behauptet wird, der Erzieherinnen-Beruf sei so unattraktiv, weil er so schlecht bezahlt werde, kann Heike Teichmann dagegen nicht nachvollziehen. „Selbst eine Sozialassistentin bekommt nach nur zwei Jahren schulischer Ausbildung bereits 1600 Euro netto“, gibt Teichmann zu bedenken.

Dass die Kita „Arche Noah“ in Hoya während ihrer dreiwöchigen Sommerpause eine zweiwöchige Ferienbetreuung anbietet, ist für das Team Ehrensache. „Die Eltern sind durch den Lockdown ohnehin schon gebeutelt. Der Urlaub ist in vielen Fällen längst aufgebraucht. Außerdem möchten wir auf keinen Fall, dass die Eltern auch noch ihre 450-Euro-Stellen aufs Spiel setzen, weil sie niemanden für ihr Kind haben“, so Kita-Leiterin Teichmann.

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Erstellt:
21. Juni 2020, 07:11 Uhr
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