Die Erzieherinnen der Markloher Kita „Clemensspatzen" nutzen die Anwesenheitspflicht von Montag bis Donnerstag unter anderem dazu, den Garten zu gestalten. Foto: Kita Clemensspatzen

Die Erzieherinnen der Markloher Kita „Clemensspatzen" nutzen die Anwesenheitspflicht von Montag bis Donnerstag unter anderem dazu, den Garten zu gestalten. Foto: Kita Clemensspatzen

Marklohe 20.03.2020 Von Matthias Brosch

Kirche schickt Kita-Personal ins Homeoffice

Kein einheitlicher Umgang mit Anwesenheitspflicht in Landkreis-Kommunen

In der Samtgemeinde Marklohe hat der Kirchenkreis Nienburg die Mitarbeiterinnen seiner beiden Kindertagesstätten in Marklohe („Clemensspatzen“) und Wietzen („Naturkindergarten St. Gangolf) ins Homeoffice geschickt. Für die Erzieherinnen der kommunalen Einrichtungen in Balge, Lemke („Rappelkiste“) und Wietzen („Tausendfüßler“) besteht momentan hingegen weiter Anwesenheitspflicht.

„Wir hatten uns zunächst ans Vorgehen in der Samtgemeinde Marklohe gehalten. Es ist aber alles ein dynamischer Prozess, sodass die Mitarbeiterinnen ab Freitag zu Hause arbeiten und sich dort gezielt fortbilden sollen“, sagt Steffen Ehlert in seiner Funktion als Betriebswirtschaftlicher Geschäftsführer der neun Kitas im Kirchenkreis. Für die Beschäftigten in der Stadt Nienburg habe diese Regelung bereits zuvor gegolten.

Lediglich Betreuung in Notgruppen vorgesehen

Seit Wochenanfang sind neben den Schulen ebenfalls die Kindertagesstätten geschlossen. Bis zum 18. April ist bis zur Jahrgangsstufe 8 lediglich eine Betreuung in Notgruppen für Beschäftigte der öffentlichen Daseinsvorsorge vorgesehen. „Diese Notbetreuung soll in kleinen Gruppen stattfinden und auf das notwendige Maß begrenzt werden“, hatte Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne dazu mitgeteilt.

Die Kommunen im Landkreis Nienburg gehen bei der Umsetzung der fachaufsichtlichen Weisung des Gesundheitsministeriums unterschiedlich um. „Eine einheitliche Regelung besteht nicht“, sagt Kreissprecher Cord Steinbrecher auf HARKE-Nachfrage. Das Land Niedersachsen habe bewusst Entscheidungsspielräume gelassen, damit die Träger auf individuelle Einzelfälle vor Ort reagieren könnten.

So gibt es zum Beispiel keine Vorgabe zur Anwesenheitspflicht der Fachkräfte einer Einrichtung, deren Betrieb eingestellt worden ist. Das Land habe aus arbeitsrechtlichen Gründen keine Weisungsbefugnis, da es nicht Arbeitgeber sei. Es liege in der Zuständigkeit des Einrichtungsträgers, Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung des Personals zu definieren. Klar ist: Die Erzieherinnen müssen für die Besetzung der Notfallgruppen auf Abruf bereitstehen.

Sonnwald sieht aktuell keine Gefahrensituation

Matthias Sonnwald als Allgemeiner Vertreter der Markloher Samtgemeindebürgermeisterin sieht aktuell keine Gefahrensituation bei einer Anwesenheit der Beschäftigten in den Einrichtungen: „Andere Kommunen haben sich ähnlich entschieden und lassen in den Kitas arbeiten. Es gelten wie bei uns im Rathaus selbstverständlich die allgemeinen Hygiene- und Vorsichtsregeln, wozu auch Abstandhalten gehört.“ Fachbereichsleiterin Petra Habighorst ergänzt: „Wir bewerten die Situation täglich neu, es werden immer nur Entscheidungen für heute beschlossen.“

Andere Kommunen haben sich ähnlich entschieden und lassen in den Kitas arbeiten. Es gelten wie bei uns im Rathaus selbstverständlich die allgemeinen Hygiene- und Vorsichtsregeln, wozu auch Abstandhalten gehört.

Matthias Sonnwald, Allgemeiner Vertreter der Markloher Samtgemeindebürgermeisterin

Sonnwald berichtet, dass bei der Entscheidung für eine Anwesenheitspflicht die Leiterinnen der Einrichtungen eingebunden waren: „Es gibt genug zu tun, auch ohne die Betreuung der Kinder. Darüber hinaus haben wir in unseren eigenen Kitas allen freigestellt, etwa Überstunden abzubauen oder Urlaub bezahlt oder unbezahlt zu nehmen. Wenn es die Situation zu Hause verlangt, werden wir Lösungen finden.“ Für die Beschäftigten der kirchlichen Einrichtung in Marklohe und Wietzen sei der Kirchenkreis zuständig. „Die Corona-Krise fordert uns alle. Vieles ist noch gar nicht geklärt“, betont der Verwaltungsfachmann.

Dass ihre Erzieherinnen von Montag bis Donnerstag anwesend sein mussten, hatte Sandra Siegmund als Leiterin der „Clemensspatzen“ irritiert, da zum Beispiel in der Stadt Nienburg bereits andere Regelungen galten. Das war in ihren Augen umso verwirrender, weil ihre Einrichtung nach Weisung des Gesundheitsamtes in dieser Woche gar keine Notgruppe anbieten durfte, da sich eine Familie derzeit in Quarantäne befindet. Die Stunden während der regulären Dienstzeiten wurden dafür genutzt, um gemeinsam Fallbesprechungen durchzuführen, Elterngespräche vorzubereiten, Studientage zu machen, Computerunterweisungen zu bekommen, alles zu reinigen und zu desinfizieren oder Gartenarbeit zu machen.

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Erstellt:
20. März 2020, 17:10 Uhr
Lesedauer:
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