Sarah Schwarz tritt als Marlene Dietrich auf.

Sarah Schwarz tritt als Marlene Dietrich auf.

Hoya 19.05.2021 Von Die Harke, Von Sabine Lüers-Grulke

Kirchengemeinde Hoya lädt zum Kulturgottesdienst

Zu einem Kulturgottesdienst lädt die evangelische Kirchengemeinde in Hoya am Pfingstsamstag ein. Beginn ist um 19.30 Uhr in der Martin-Luther-Kirche. Nach dem fröhlichen Auftakt der Reihe im Herbst und einer Coronapause geht es diesmal an ein düstereres Thema: Verrat. Das Konzept der Gottesdienstreihe ist es, säkulare Kunst und kirchliche Verkündigung in einen Dialog zu bringen.

Das Thema Verrat zieht sich durch die ganze Bibel, von Adams Verrat an Eva bis hin zum Kuss des Judas. Den säkularen Blick auf den Verrat bringen der argentinische Gitarrist Nando Rodriguez und die Sängerin Sarah Schwarz in den Altarraum. Mit Liedern von Marlene Dietrich.

Dietrich, gefeierter Filmstar der Weimarer Republik, verließ nach der Machtübernahme der Nazis Deutschland Richtung Amerika. Im Zweiten Weltkrieg unterstützte sie die amerikanischen Truppen mit ihrer Kunst. Auch wenn die Schuld der Nazis nach 1945 anerkannt wurde, haftete der Dietrich immer der Makel einer Verräterin an.

Als die international gefeierte Schauspielerin und Sängerin 1960 für eine Konzertreihe nach Berlin zurückkehrte, wurde sie mit Eierwürfen und „Marlene, go home“-Rufen begrüßt, und erst 2001 hat sich die Stadt Berlin, neun Jahre nach ihrem Tod, dafür entschuldigt.

Zirkusmusiker Nando Rodriguez begleitet die Sängerin. Fotos: Julian Ray

Zirkusmusiker Nando Rodriguez begleitet die Sängerin.
Fotos: Julian Ray

Sarah Schwarz, im Hauptberuf Zirkusdirektorin, kam eher durch Zufall an die Lieder von Marlene Dietrich. Wie auch Marlene Dietrich spielt Sarah Schwarz die „Singende Säge“ und wurde für eine szenische Lesung gebucht. Sie war so fasziniert von der Dietrich, dass sie ein ganzes Programm mit ihrem Zirkusmusiker einstudierte. Der wiederum hatte schon einmal für die Kulturgottesdienste gespielt und ihr vorgeschlagen, die Premiere in der Martin-Luther-Kirche zu spielen.

Dass ihr Bruder Florian Schwarz zurzeit als Pastor in Hoya arbeitet, tat dann das Übrige. Ihn fasziniert vor allem die Ambivalenz des Verrats: „Ob jemand ein Verräter ist oder aber ein Held, das wird erst im Nachhinein entschieden. Im Fall des Staufenbergattentates auf Hitler dauerte es Jahrzehnte, bis in Deutschland überhaupt die Frage gestellt wurde, ob das vielleicht gar keine Vaterlandsverräter gewesen sein könnten, sondern vielmehr Helden.

Der biblische König David kämpfte auf Seiten der Philister gegen sein eigenes Volk. Aber da er später König wurde, stellten ihn die Geschichtsschreiber in ein rosiges Licht. Und Jesu Sterben am Kreuz für unsere Sünden, die zentrale Heilstat des Christentums, wäre ohne den Verrat des Judas nicht geschehen“, so der Theologe in der Pressemitteilung.

Mit den Kulturgottesdiensten hat er vor 13 Jahren in Cuxhaven begonnen und schätzt vor allem die Herausforderung, säkulare und religiöse Sichtweisen zusammenzubringen. Und so kommen zu den Kulturgottesdiensten nicht nur gläubige Menschen, sondern auch Menschen, die sich für das jeweilige Thema interessieren oder in erster Linie eine Kulturveranstaltung besuchen möchten. Nötig ist ein Mund-Nasen-Schutz.

www.kulturgottesdienste.de


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